Lebensmittel Nestlé kommt wieder in Schwung

Nach einem schwachen ersten Halbjahr nimmt der Nahrungsmittelkonzern Nestle wieder Fahrt auf. Von Juli bis September verbuchte der Weltmarktführer ein Umsatzwachstum von 3,1 Prozent – nach 2,3 Prozent im ersten Halbjahr.
Update: 19.10.2017 - 08:51 Uhr Kommentieren
Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern mit Marken wie Nespresso oder KitKat ein Wachstum von etwa 2,6 Prozent. Quelle: dpa
Nestle

Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern mit Marken wie Nespresso oder KitKat ein Wachstum von etwa 2,6 Prozent.

(Foto: dpa)

ZürichDer Nahrungsmittelkonzern Nestle kommt nach einem mauen ersten Halbjahr wieder in Schwung. Von Juli bis September verbuchte der Weltmarktführer mit Marken wie Nespresso oder KitKat ein organisches Umsatzwachstum von 3,1 Prozent, wie die Schweizer am Donnerstag mitteilten. Im ersten Halbjahr waren es 2,3 Prozent. Nestle profitierte vor allem von einer guten Entwicklung im zuletzt verhaltenen Geschäft in Europa und von einer steigenden Nachfrage und höheren Preisen in Asien. Damit erfüllte der Schweizer Konzern mit Sitz am Genfersee die Erwartungen von Analysten. Vorbörslich gab die Nestle-Aktie dennoch 0,4 Prozent nach.

Für das laufende vierte Quartal gab sich Finanzchef Francois-Xavier Roger zurückhaltend. Es sei unsicher, ob Nestle die gute Entwicklung im Europa-Geschäft wiederholen könne. Zudem werde das Wachstum in Asien wegen saisonaler Effekte geringer ausfallen. Für das Gesamtjahr erwartet Roger daher ein Plus auf dem Niveau der ersten neun Monate: Bis Ende September lag das um Sondereffekte bereinigte organische Umsatzwachstum bei 2,6 Prozent.

Von früheren Wachstumsraten um die fünf bis sechs Prozent ist Nestle damit noch weit entfernt. Zu schaffen macht dem Konzern unter anderem die niedrige Inflation, die Preiserhöhungen in vielen Märkten schwierig macht. Zudem setzen viele Konsumenten zunehmend auf frische Nahrungsmittel und machen einen Bogen um Fertigprodukte.

Um wieder an die alte Stärke anzuknüpfen, hat der neue Chef Mark Schneider dem Konzern einen Umbau verordnet: Der frühere Chef des deutschen Gesundheitskonzerns Fresenius will Wachstumsfelder wie Kaffee, Tiernahrung, Wasser und Säuglingsnahrung ausbauen – auch über Zukäufe. Andere Bereiche wie etwa das US-Süßigkeitengeschäft stehen zur Disposition. Von diesem will sich Nestle bis Jahresende trennen, bestätigte Finanzchef Roger. All diese Schritte sollen helfen, den Umsatz bis 2020 wieder auf einen mittleren einstelligen Prozentbetrag zu steigern.

Der Druck auf den neuen Firmenlenker ist groß - nicht zuletzt wegen des Einstiegs des rebellischen Investors Third Point vor einigen Monaten. Die von Daniel Loeb geführte Investmentfirma hatte mit Forderungen nach höheren Gewinnen und einem Verkauf des gut 23-prozentigen Anteils am französischen Kosmetikkonzern L´Oreal für Schlagzeilen gesorgt. Zu der Beteiligung gebe es nichts Neues zu sagen, sagte Roger.

Das laufende Sparprogramm beschleunigte Nestle. Für 2017 erwartet der Konzern nun Restrukturierungskosten von knapp einer Milliarde Franken. Diese dürften die operative Gewinnmarge im laufenden Jahr um 0,4 bis 0,6 Prozentpunkte drücken. Bis 2020 plant der Nahrungsmittelriese nachhaltige Kostensenkungen zwischen zwei und 2,5 Milliarden Franken. Gelingen soll das unter anderem mit der Schließung von Produktionsstandorten, Verbesserungen im Einkauf und diversen anderen Projekten. Am Umfang des Programms ändere sich nichts, betonte Roger. Nestle ziehe lediglich einige Maßnahmen vor.

Das ist das Marken-Imperium von Nestlé
Die Gründung
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1866 gründete Henri Nestlé, ein Schweizer Apotheker deutscher Herkunft, die Farine Lactée Henri Nestlé lk.A.. Als Logo wählte er sein eigenes Familienwappen, den Vogel bei der Brutpflege – Nestlé bedeutet im Schwäbischen „kleines Nest“. Unternehmensname und -logo blieben in der gesamten Firmengeschichte, über alle Fusionen und Zukäufe hinweg, unverändert.

Säuglingsnahrung
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1867 erfand Nestlé ein Verfahren, um ein lösliches Milchpulver herzustellen, welches als Muttermilchersatz verwendet werden konnte. Der Vertrieb als „Nestle's Kindermehl“ lief an. Dem Geschäft mit Säuglingsnahrung bleibt der Konzern bis heute treu: 2007 übernahm Nestlé für 5,5 Milliarden US-Dollar den US-amerikanischen Kindernahrungshersteller Gerber vom Pharmakonzern Novartis. Damit stieg Nestlé im Bereich Säuglingsnahrung vom Marktführer in den USA auch zur weltweiten Nummer eins auf.

Milchprodukte
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Auch das Geschäft mit Milchprodukten begleitet Nestlé bis heute. Die erste Übernahme war 1898 ein Milchpulverwerk in Norwegen, 1905 fusionierte Nestlé mit der Anglo-Swiss Condensed Milk Company. Zum Jahresende 2006 begann Nestlé ein Joint Venture mit dem französischen Milchkonzern Lactatis, Hersteller von Marken wie Le Président. Nestlé behauptete sich durch diesen Schachzug als Nummer eins der weltweiten Milchindustrie.

Kaffee und andere Getränke
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Ein weiterer Durchbruch gelang Nestlé 1938: Das Unternehmen erfand ein Verfahren zur industriellen Herstellung löslichen Kaffees und begann diesen unter der Marke Nescafé zu vertreiben. Der Vertrieb der seit 2010 boomenden Kaffeekapseln und Kapselmaschinen fällt dem innerhalb des Nestlé-Konzerns eigenständig agierenden Unternehmen Nespresso zu. Das Geschäft mit „Getränken in flüssiger und Pulverform“ macht heute den größten Anteil am Unternehmensumsatz Nestlés aus. Das Gemeinschaftsunternehmen Beverage Partners Worldwide (BPW) mit Coca-Cola ist für den Vertrieb von Tee-Getränken mit Fokus auf Europa und Kanada zuständig.

Kritik an Nespresso
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Die NGO Solidar Suisse kritisierte Nespresso 2011 dafür, als größter Kaffeehändler der Welt keinen fair gehandelten Kaffee anzubieten und parodierte die populären Werbevideos mit George Clooney. Nespresso wies die Vorwürfe zurück.

Cerealien
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Mit dem US-Lebensmittelhersteller General Mills gründete Nestlé in den 1990er-Jahren das 50/50-Joint-Venture Cereal Partners Worldwide (CPW). Das Gemeinschaftsunternehmen bedient den Markt für Frühstücksgetreideprodukte außerhalb der USA.

Fertigprodukte
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1947 fusionierte Nestlé mit der Maggi AG. Neben Brühwürfeln und Flüssigwürze werden unter dem Namen Maggi bis heute vor allem Instantsuppen- und Gerichte vertrieben. Andere bekannte Nestlé-Marken der Fertigsparte sind beispielsweise der Nudelproduzent Buitoni und die Öl- und Soßenmarke Thomy.

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