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Lebensmittel Nestlé setzt voll auf die Veggie-Strategie

Der Lebensmittelriese ist seit Jahren umstritten. Nun schreibt sich Nestlé Gesundheit und Nachhaltigkeit auf die Fahnen – nicht nur aus Imagegründen.
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Der Schweizer Nestlé-Konzern reagiert auf den Druck von Umweltschützern. Quelle: Nestlé
Fleischloses Kebab von „Garden Gourmet“

Der Schweizer Nestlé-Konzern reagiert auf den Druck von Umweltschützern.

(Foto: Nestlé)

Frankfurt Fachmännisch brutzelt Burgerbrater Nigel ein Pattie in der Pfanne. „Der schmeckt wie Fleisch, außen kross, innen saftig – ist aber vegan“, erklärt der Hipster mit Dutt und Tattoo. Der niederländische Burgerexperte arbeitet nicht etwa in einem angesagten Foodtruck, sondern für Nestlé, den größten Konsumgüterhersteller der Welt. Nigel soll dem „Incredible Burger“ und der neuen Veggie-Linie „Garden Gourmet“ des Konzerns zum Durchbruch verhelfen.

Der Pflanzenburger auf Sojabasis ist seit April auf dem deutschen Markt und laut Nestlé ein Verkaufshit. Im Oktober nun kommt veganes Hackfleisch dazu. „Vegane Produkte waren früher nur etwas für Wollsockenträger“, sagte Nestlé-Deutschlandchef Marc-Aurel Boersch vor Journalisten. „Inzwischen ist es eine Bewegung.“

Die Menschen wollten heute mehr Verantwortung übernehmen – für ihre Gesundheit, die Umwelt, die Gesellschaft. „Das erwarten sie auch von Nestlé“, betonte der Manager. „Was wir bisher getan haben, reicht nicht mehr.“

So hat sich der Schweizer Konzern außer Convenience nun auch Gesundheit und Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben. Nestlé – bekannt für Kitkat, Maggi und Nestea – steht seit Jahren in der Kritik. Sie kommt nicht nur von Ernährungsexperten wegen hoher Zucker-, Fett- und Salzgehalte der Fertigprodukte, sondern auch von Umweltschützern und NGOs wie Greenpeace.

Sei es wegen der Verwendung von umstrittenem Palmöl, der Ausbeutung von Wasserressourcen oder der Müllberge durch Plastikpackungen und Nespresso-Kapseln aus Aluminium. „In der Vergangenheit sind viele Dinge schiefgelaufen“, räumte Boersch ein. „Wir sind sehr groß, das macht vielen Menschen Sorge. Durch bessere Produkte müssen wir beweisen, dass wir uns verändern.“

Produktion in Tschechien

Der Erfolg der fleischlosen „Incredible Burger“ scheint der neuen Strategie recht zu geben. Fast fünf Millionen Vegan-Burger hat Nestlé allein in den letzten drei Monaten hierzulande verkauft – doppelt so viele wie die Nummer zwei am umkämpften Markt. „Die Nachfrage ist riesig. Wir haben die Produktion kurzfristig um eine zusätzliche Schicht erweitert“, sagte Garden-Gourmet-Marketingchef Christian Adams.

Den Vegan-Burger produziert Nestlé in Tschechien. Auch bei McDonald’s wird der Nestlé-Pattie im Big Vegan TS-Burger serviert.

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Rückenwind bekommt der Konzern dabei vom Hype um den Vegan-Burger von Beyond Meat. Doch das Kultprodukt des US-Start-ups – nach seinem Börsengang mit vielen Milliarden Dollar bewertet – wurde von Nestlé zumindest auf dem deutschen Markt längst überholt. Das liegt auch daran, dass Beyond Meat noch kein Werk in Europa hat.

Außer Burger-Patties hat Nestlé nun einen noch größeren Fleischlos-Markt im Visier: veganes Hack, das sich wie rohes Hackfleisch verarbeiten lässt. Anfang Oktober kommt das „Incredible Hack“ in die deutschen Supermärkte. Nestlé verspricht sich viel davon, allein der hiesige Markt für Hackfleisch ist laut Marktforscher IRI 800 Millionen Euro schwer.

Die Herstellung von Vegan-Fleisch erzeuge 80 Prozent weniger CO2 und brauche deutlich weniger Land und Wasser, betonte Boersch. Pflanzenfleisch punktet auch bei der Nährwertampel Nutriscore mit der Bestnote A. „Nutriscore kommt“, sagte Boersch mit Blick auf die Endlosdiskussion über die Einführung einer freiwilligen Nährwertampel. Eine rote Ampel sporne Nestlé an, Produkte gesünder zu machen. Denn so ließen sie sich letztlich besser verkaufen.

Nicht nur die Lebensmittel, sondern auch die Verpackungen sollen umweltfreundlicher werden. Die neuen Bio-Frucht- und Nussriegel der Marke Yes, von September an im deutschen Handel, kommen ganz ohne Plastikhülle aus. „Wir sind der erste Hersteller, der es geschafft hat, scharfkantige Riegel in Papier zu verpacken“, zeigte sich Boersch stolz. In Lausanne eröffnet Nestlé im September ein Verpackungsforschungsinstitut. Bis 2025 sollen alle Verpackungen recyclebar sein.

Starkes Wachstum mit vegetarischen Produkten
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