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Lebensmittel Plastik für Gemüse – Fluch oder Segen?

Regional, Bio und selbstverständlich ohne Plastik: Wenn Idealisten frisches Gemüse einkaufen, haben sie oft genau diese Vorstellungen. Auf dem Wochenmarkt ist das ohne Probleme möglich. Im Supermarkt dagegen nicht immer.
28.10.2017 - 16:02 Uhr Kommentieren
Folien sollen die Haltbarkeit der Lebensmittel sicherstellen. Quelle: dpa
Frische in Plastik

Folien sollen die Haltbarkeit der Lebensmittel sicherstellen.

(Foto: dpa)

Nürnberg Ob Gurken, Tomaten, Salat, Pilze oder Möhren - frisches Gemüses wird für den Verkauf im Supermarkt häufig in Folie eingeschweißt oder mit Plastik verpackt. Dem Naturschutzbund Nabu zufolge hat der Kunststoffbedarf für vorverpacktes Obst zwischen 2000 und 2014 um 78 Prozent zugenommen; der für Gemüse ist sogar um 164 Prozent gestiegen. Dabei hätten Tomaten mit 32 Prozent den größten Anteil. Oft werden vor allem regionale und Bio-Produkte verpackt. Und das, obwohl Umfragen zufolge der Großteil der Verbraucher gern auf Verpackungsmüll verzichten will. Wie passt das zusammen?

Der Widerspruch lässt sich leicht erklären: „Der Verbraucher schätzt Regionalität oder Bio - wenn er es zielsicher erkennen kann. Er will sich sicher sein, dass er Bio kauft. Und das geht meist nur mit Verpackung“, sagt Florian Wolz, Geschäftsführer der Genossenschaft Franken-Gemüse mit Sitz in Nürnberg. Vor allem deshalb und für eine bessere Registrierbarkeit an den Kassen kommen Tomaten, Gurken, Möhren und Co. eben doch oft in Folie verpackt zum Supermarkt. Denn so können sie leichter mit Etiketten gekennzeichnet werden. Inhalt, Gewicht, Herkunft, Preis, Verpackungsdatum, Bio-Siegel - all diese Informationen passen eben nicht auf eine Tomate.

Plastik vermüllt die Arktis
Plastikmüll in der Arktis
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Das Müllproblem der Menschheit hat längst auch die abgelegensten Regionen der Erde erreicht. Selbst auf dem Grund des arktischen Ozeans sammeln sich Glasscherben, Plastiktüten und weggeworfene Fischernetze, wie Forscher des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven in einer aktuellen Studie berichten. (Foto: Melanie Bergmann, OFOS)

Plastikmüll am Meeresboden
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Seit 2002 dokumentieren AWI-Wissenschaftlerinnen den Müll an zwei Messpunkten im sogenannten AWI-Hausgarten. Dabei handelt es sich um ein Tiefsee-Observatorium des Alfred-Wegener-Instituts, das aus 21 Messstationen in der Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen besteht. (Foto: OFOS/James Taylor)

Plastikmüll auf dem arktischen Meeresboden
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Die Ergebnisse der Langzeitstudie wurden nun veröffentlicht: Seit Beginn der Messung wurden auf insgesamt 7058 Fotos 89 Müllteile entdeckt. Die Ergebnisse aus dem relativ kleinen Gebiet, das von den Kameras beobachtet werden kann, rechnete das AWI-Team dann auf eine größere Fläche hoch. (Foto: Melanie Bergmann, OFOS)

Reste eines Fischernetzes
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Mit dieser Methode kamen die Forscher für den Untersuchungszeitraum von 2002 bis 2014 auf einen Durchschnittswert von 3485 Müllteilen pro Quadratkilometer. (Foto: Melanie Bergmann, OFOS)

Müll auf dem Grund der Framstraße
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Gerade in den letzten Jahren zeigt die Mülldichte allerdings einen deutlichen Aufwärtstrend. 2011 lag die berechnete Verschmutzung bei 4959 Müllteilen pro Quadratkilometer, im Jahr 2014 erreichte sie mit 6333 Müllstücken pro Quadratkilometer den Höchstwert für den Untersuchungszeitraum. (Foto: Melanie Bergmann, OFOS)

Dramatische Situation
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Besonders dramatisch war die Situation an der nördlicheren Messstation. Hier stieg die Verschmutzung in den Jahren von 2004 bis 2014 um mehr als das 20-fache. (Foto: Melanie Bergmann, OFOS)

Glasmüll in der arktischen Tiefsee
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Die Forscher entdeckten vor allen Dingen Plastikmüll und Glas. Letzteres driftet nicht über größere Distanzen, sondern sinkt sofort an Ort und Stelle auf den Meeresgrund. Vermutlich sorgte hier die Zunahme des Schiffsverkehrs in der Region für die wachsende Verschmutzung. (Foto: Melanie Bergmann, OFOS)

Das Deutsche Verpackungsinstitut weist zudem auf einen weiteren Vorteil von Folie und Co. hin: „Eine der wichtigsten Aufgaben von Verpackungen ist es, Haltbarkeit sicherzustellen. Damit wird die Lebensmittelverschwendung in unserer Gesellschaft erheblich reduziert“, sagt Geschäftsführer Winfried Batzke. Nicht wenige Leute drücken Avocados und Tomaten, um zu fühlen wie weich sie sind. Dadurch werden sie schneller matschig, bekommen braune Stellen. Auch Hygiene ist ein Thema. Denn durch das Anfassen kommen Keime auf die Lebensmittel.

Sauerstoff, Feuchtigkeit, Licht, Reifegase – all diese Dinge kann Verpackung von Obst und Gemüse fern halten. Und es dadurch deutlich länger haltbar machen. Eine verpackte Gurke halte beispielsweise drei Tage länger als eine unverpackte. Batzke ist überzeugt: Ein Prozent mehr Verpackung bedeuten zehn Prozent weniger weggeworfene Lebensmittel. Dem Verpackungsinstitut zufolge werden hierzulande etwa 30 Prozent der im Supermarkt gekauften Lebensmittel später weggeworfen. Da aber 90 Prozent der ökologischen Belastung im Produkt steckten, sei der Schaden durch verdorbene Nahrung höher als durch die schützende Verpackung. „Vielleicht könnten auch kleinere Verpackungseinheiten die Lösung sein“, sagt Batzke weiter.

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    Das Ende der Plastiktüte
    Aldi macht Schluss
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    Noch verkauft kaum ein Händler die Plastiktüte so billig wie Aldi. Für gerade mal zehn Cent bekommt der Kunde dort die billigste Tragetasche. Doch damit soll bald Schluss sein. Ab Oktober verbannen Aldi Süd und Aldi Nord schrittweise die Einwegtüte aus den Märkten. Bis Ende 2018 soll die Umstellung durch sein.

    (Foto: dpa)
    Nur noch Mehrweg
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    Dabei gehen die beiden Discounter noch radikaler vor, als viele andere Händler. So sollen auch keine Papiertüten als Ersatz angeboten werden. Die Discounter steigen komplett auf Mehrwegtaschen um. Wegen des höheren Energie- und Wasserverbrauchs bei der Herstellung sei die Papiertüte nach jetzigem Stand keine Alternative, sagt Aldi-Süd-Manager Philipp Skorning.

    (Foto: dpa)
    Freiwillige Vereinbarung
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    Weitgehend Standard im Handel ist es mittlerweile, dass Plastiktüten nicht mehr kostenlos abgegeben werden. Einer entsprechenden freiwilligen Vereinbarung zwischen dem Bundesumweltministerium und dem Handelsverband HDE haben sich mittlerweile mehr als 350 Unternehmen angeschlossen. Damit konnte der durchschnittliche Verbrauch bereits von 70 auf 45 Tüten pro Kopf gesenkt werden. Doch einige Händler gehen heute schon weiter.

    (Foto: dpa)
    Rewe
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    Als erster Lebensmittelhändler hatte Rewe im Herbst 2016 die Abschaffung der Plastiktüte verkündet. Der Händler bietet als Alternative neben Papiertüten Jute- und Baumwollbeutel an. Außerdem gibt es eine Recycling-Mehrwegtasche die aus zwei PET-Flaschen hergestellt wurde.

    (Foto: dpa)
    Lidl
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    Seit Frühjahr dieses Jahres hat Lidl als erster Discounter die Plastiktüte komplett verbannt. Bisher hatte das Unternehmen mehr als 100 Millionen Kunststofftaschen jedes Jahr ausgegeben. Durch den Verzicht würden jährlich rund 3500 Tonnen Plastik eingespart.

    (Foto: dpa)
    Penny
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    Auch Penny hat sich dieser Bewegung angeschlossen. Mehr als 60 Millionen Tüten hat der Discounter bisher jedes Jahr ausgegeben. Ein spezielles Einstiegsangebot sollte den Kunden den Umstieg versüßen: So mussten Kunden, die eine Penny-Mehrwegtasche aus Recyclingmaterial zum Einkauf mitbrachten, zehn Cent weniger zahlen.

    (Foto: dpa)
    Real
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    Nachgezogen hat auch die Supermarktkette Real. Seit Februar 2017 gibt es dort an den Kassen nur noch Taschen aus Papier oder Baumwolle und eine Permanenttragetasche aus 85 Prozent Recyclingmaterial. 49 Millionen Plastiktüten sollen so pro Jahr eingespart werden.

    (Foto: dpa)

    Und trotzdem versuchen Händler und Ketten, den Müll durch Plastik zu reduzieren: In vielen Supermärkten werden seit längerem keine Plastiktüten mehr angeboten. In den Obst- und Gemüseabteilungen hängen Papiertüten statt der kleinen Plastikbeutelchen.

    Aldi etwa bietet Gemüse und Obst mittlerweile auch kistenweise und vermehrt lose an. Die Supermarkt-Kette Rewe experimentiert mit einer Art Lichtlabel. Dafür werden das Bio-Siegel und andere Informationen in die äußerste Schalenschicht eingebracht. Edeka hingegen setzt bei Eigenmarken zum großen Teil auf Kartonschalen. Zudem versucht die Kette, bei vielen Bio-Produkten komplett auf Verpackung zu verzichten und sie stattdessen einzeln mit Etiketten oder einer Banderole zu versehen.

    Der Warenkunde-Expertin Gabriele Kaufmann vom Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) zufolge liegt das Thema Verpackungen für Lebensmittel ebenso in der Hand der Konsumenten. „Der Verbraucher steht am Ende der Handelskette und kann so auch Einfluss ausüben: Was er gerne kauft, wird auch im Regal stehen bleiben. Diesen Einfluss nutzt er aber häufig nicht konsequent genug aus.“

    • dpa
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