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Lebensmittel Raus aus der Nische: Anbieter von Fleischalternativen locken namhafte Investoren an

Der Markt bietet großes Wachstumspotenzial. Davon profitiert bereits der US-Hersteller Beyond Meats. Zu seinen Investoren zählen Bill Gates und Leonardo DiCaprio.
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Beyond Meat ist ein US-amerikanischer Nahrungsmittelproduzent veganer Fleischersatzprodukte mit Sitz in Kalifornien. Quelle: Beyond Meat
Beyond-Meat-Burger

Beyond Meat ist ein US-amerikanischer Nahrungsmittelproduzent veganer Fleischersatzprodukte mit Sitz in Kalifornien.

(Foto: Beyond Meat)

New York Der US-Nahrungsmittelproduzent Beyond Meat ist das beste Beispiel dafür, dass Fleischalternativen ihr Nischendasein hinter sich gelassen haben. An der US-Technologiebörse Nasdaq hat der Hersteller veganer Hühner- und Rindfleischersatzstoffe den besten Börsengang des Jahres hingelegt. Und mit mehr als acht Milliarden US-Dollar wird das kalifornische Unternehmen heute mit dem Sechsfachen des Ausgabepreises bewertet.

Der Markt für Fleischalternativen wie etwa pflanzliche Frikadellen oder im Labor gezüchtete Steaks bietet enormes Potenzial: Die Analysten der britischen Bank Barclays schätzen, dass dieser Markt im kommenden Jahrzehnt auf 140 Milliarden US-Dollar wachsen wird. Das entspräche zehn Prozent der Fleischindustrie, rechnen sie vor.

Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr lag der Markt für vegane und vegetarische Fleischalternativen laut Euromonitor bei knapp 53 Milliarden Dollar.

Zwar hat Beyond Meat im ersten Quartal bei einem Umsatz von 40,2 Millionen US-Dollar immer noch einen Verlust von 6,6 Millionen US-Dollar geschrieben, was einer Verlustquote von 17 Prozent entspricht. Die Quote ist allerdings stark rückläufig: So lag sie im Gesamtjahr 2018 noch bei mehr als einem Drittel, 2017 sogar bei 93 Prozent.

Und im Vergleich zu anderen Unternehmen aus dem Silicon Valley ist die Verlustquote von Beyond Meat noch niedrig: Der Fahrdienstvermittler Uber hat im ersten Quartal drei Milliarden US-Dollar umgesetzt und mehr als eine Milliarde US-Dollar verloren.

Bei Konkurrent Lyft ist das Verhältnis noch schlechter: In den ersten drei Monaten 2019 überstieg der Verlust mit 1,1 Milliarden US-Dollar sogar bei Weitem den Umsatz von 776 Millionen US-Dollar.

Namhafte Investoren

Auf das Marktsegment sind bereits namhafte Investoren aufmerksam geworden. So investiert bei Beyond Meat, das mit roter Bete den blutigen Effekt seiner Fleischalternativen erzielt, nicht nur Microsoft-Gründer Bill Gates, sondern auch Schauspieler Leonardo DiCaprio.

Auch der Lebensmittelkonzern Tyson Foods gehört zu den frühen Investoren – und will nun selbst Produkte auf den Markt bringen. Für diesen Sommer hat das Unternehmen unter der Marke „Raised & Rooted“ eigene, auf Erbsenproteinen basierende Alternativen angekündigt.

Außerdem investiert Tyson Foods in Mycotechnology, das auf Proteine aus Pilzen setzt, und in zwei Unternehmen, die Fleisch im Labor herstellen: Memphis Meats und Future Meat Technologies.

Tyson Foods ist nicht der einzige US-Konzern, der stark in das Segment investiert. Auch der Lebensmittelkonzern Cargill, mit 125 Milliarden US-Dollar Umsatz der größte Familienkonzern der USA, hat sich vor zwei Jahren an Memphis Meats beteiligt.

Neben Tyson Foods gehören auch Gates und der britische Unternehmer Richard Branson zu den Investoren. Erst im Mai investierte Cargill in das israelische Laborfleisch-Start-up Aleph Farms. Außerdem hält Cargill eine Minderheitsbeteiligung an Puris, das wiederum wichtige Pflanzenproteine für Abnehmer wie Beyond Meat herstellt.

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Das Vegetarier-Unternehmen mit der höchsten Promidichte ist jedoch Impossible Foods. Das Unternehmen aus dem Silicon Valley ist wie Beyond Meat auf pflanzliche Fleischalternativen spezialisiert. Die Investoren reichen von dem Tennis-Ass Serena Williams über den Basketballer Paul George und den Football-Spieler Kirk Cousins bis hin zu Sängerin Katy Perry und US-Rapper Jay Z. Zu den institutionellen Investoren gehören neben Bill Gates, Google Ventures und die Schweizer Bank UBS.

In der letzten Finanzierungsrunde ist Impossible Foods mit zwei Milliarden US-Dollar bewertet worden. Impossible-Foods-Burger gibt es nicht nur im Kühlregal der Amazon-Tochter Whole Foods. Das Unternehmen liefert auch das vegetarische Fleisch für die „Impossible Burger“ von Burger King und für die Restaurants in Disneyland und Disneyworld.

Zuletzt war die Nachfrage sogar so groß, dass es zu Engpässen kam. Beyond-Meat-CEO Ethan Brown versprach, auch große Ketten problemlos beliefern zu können: „Ich sehe keine materiellen Hindernisse und auch keine Hindernisse in der Produktion, mit der richtigen Vorbereitung und Struktur auch die größten Schnellrestaurants zu bedienen“, sagte er zu Analysten nach Bekanntgabe der Zahlen fürs erste Quartal.

Weniger CO2-Emission

Ein wichtiges Verkaufsargument für die Fleischalternativen ist laut Euromonitor-Berater David Ingemar Hedin „die Sorge um das Klima“. Schließlich verbraucht die Fleischproduktion deutlich mehr Ressourcen und setzt mehr CO2 frei als die Produktion pflanzlicher Alternativen.

In einer weltweiten Umfrage von Euromonitor gaben 60 Prozent der Befragten an, sich wegen des Klimawandels Sorgen zu machen. 27 Prozent der Umfrageteilnehmer wollen daher ihren Fleischkonsum einschränken. Weil auch zunehmend Gesundheitsbehörden vor übermäßigem Fleischkonsum warnten, wird der Trend zu Fleischalternativen künftig noch stärker zunehmen, meint Hedin.

Derzeit tun sich Hersteller von Fleischalternativen allerdings noch schwer, beliebte Fleischstücke wie T-Bone-Steaks erfolgreich zu imitieren, merken die Analysten von Barclays an. „Aber was beim fleischlosen Rindshack, Würsten und Hamburger erreicht wurde, kommt bei den Kunden gut an“, sagen die Experten.

Die Unternehmen arbeiten derzeit sowohl an Fleischalternativen aus Hülsenfrüchten wie Erbsen oder Soja als auch an Fleisch, das als Zellkultur im Labor gezüchtet wird.

„Während das laborbasierte Fleisch wohl noch einige Jahre weit weg ist, bevor es die Kühlregeale der Supermärkte erreicht, wachsen die Marktanteile bei pflanzenbasierten Proteinen, und wir rechnen damit, dass dieser Trend in der absehbaren Zukunft weitergeht“, schreiben die Barclays-Analysten.

Mehr: Die veganen Burger von Beyond Meat sorgen an der Börse für Euphorie. Der Börsengang zählt zu den besten seit Jahren. Hat das Papier noch Potenzial?

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