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Kartoffelchips im Supermarktregal

Die Beliebtheit ausgefallener Geschmacksrichtungen zeigt: Innovationen sind auch bei etablierten Produktgruppen möglich.

(Foto: Imago)

Lebensmittel-Studie Die Deutschen lieben verrückte Chipssorten

Deutsche experimentieren überraschend gerne bei Lebensmitteln. Das zeigt sich am Beispiel Chips. Welche neuen Sorten besonders gefragt sind.
  • Sebastian Dinske
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Düsseldorf Der Kinobesuch zum Auftakt des heiß ersehnten Blockbusters, der gemütliche Filmabend mit Freunden oder der nächste Kindergeburtstag – Kartoffelchips sind oft fester Bestandteil dieser Ereignisse. Jährlich landen mehr als 532 Millionen Packungen in den Einkaufswagen deutscher Konsumenten. Das entspricht einem Jahresumsatz von rund 613 Millionen Euro. Im Durchschnitt konsumiert jeder Deutsche knapp sieben Packungen Chips pro Jahr.

Deutsche Supermärkte führen derzeit nach Angaben des Marktforschers Nielsen bis zu 700 Geschmackssorten. Kein Wunder, sind doch deutsche Konsumenten insgesamt bei Lebensmitteln sehr experimentierfreudig, wie eine Studie von Nielsen zeigt. Aus der Befragung unter 16.000 Konsumenten geht hervor: Die Deutschen suchen die Abwechslung, lassen sich gern inspirieren und liegen damit auch im europäischen Vergleich ganz vorne.

Die überraschende Erkenntnis: Die Neuheit eines Produktes ist für rund ein Viertel der Verbraucher hierzulande ein wesentlicher Grund für die Kaufentscheidung. „Hier unterscheidet sich Deutschland klar vom europäischen Durchschnitt, für den besonders der Preis im Vordergrund steht“, sagt Bettina Frankerl, Director Innovation bei Nielsen Deutschland.

Der Großteil des Chips-Absatzes (70 Prozent) entfällt auf Klassiker wie Paprika, Ungarisch, Salzig, Peperoni, Sour Cream oder Oriental. Allerdings setzen rund 30 Prozent der Anhänger des Kartoffelsnacks auf neue Variationen.

„Chips sind ein Paradebeispiel dafür, wie Konsumenten mit Produktinnovationen im Lebensmitteleinzelhandel umgehen. Sie suchen nach kulinarischer Abwechslung, wollen sich im Geschäft inspirieren lassen und haben Spaß daran, neue Sorten auszuprobieren“, erläutert Patrick Augener, Süßwaren-Experte bei Nielsen Deutschland. Besonders beliebt unter den innovativen Sorten: Thai Sweet Chili (1,5 Millionen verkaufte Packungen pro Jahr), Frühlingskräuter-Parmesan (0,4 Millionen) sowie Wirsing (93.000).

Die Sorte Thai Sweet Chili findet sich unter anderem in der Produktpalette großer Marken wie Doritos, Lay’s (beide Teil des Konzerns PepsiCo) und Lorenz (Lorenz Bahlsen Snack-World). Doch die Hersteller glänzen auch durch andere Geschmacksrichtungen mit Innovationskraft, wie das Beispiel funny-frisch (Intersnack) zeigt: „Chakalaka“, „Chili Chang“ oder „Currywurst Style“ sind nur einige der exotischen Sorten.

Bei den Snackvorlieben deutscher Verbraucher zeigen sich regionale Unterschiede. Die Geschmacksrichtung Thai Sweet Chili ist beispielsweise in der Weser-Ems-Region und Bremen besonders beliebt. Bei der Variation Frühlingskräuter-Parmesan sind vor allem Berliner Konsumenten auf den Geschmack gekommen. Noch experimentierfreudiger zeigen sich die Düsseldorfer: Die Low-Carb-Chips aus Wirsing stehen hier hoch im Kurs.

Exotische Sorten auch bei Bier und Schokolade

So verschieden die Geschmäcker auch sind, eines haben die Verbraucher gemeinsam: Neue Produkte entdecken sie vor allem im Supermarkt selbst. Laut der Nielsen-Studie werden europaweit über die Hälfte aller Kaufentscheidungen von Konsumenten direkt vor dem Supermarktregal getroffen. „Verbraucher suchen das Einkaufserlebnis. Das Stöbern durch die Supermarktregale liegt im Trend“, so Augener.

Beim Stöbern in den Regale spiele die optische Aufmachung der Produkte eine zentrale Rolle, erklärt Frankerl: „Das Design ist ein wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Produkteinführung und liegt bei der Kaufentscheidung von Konsumenten sogar noch vor dem Preis und der Funktionalität.“ Zu den wichtigsten Informationsquellen für neue Produkte zählen für Verbraucher neben den Informationen im Geschäft (56 Prozent) vor allem Empfehlungen von Freunden und Familie (58 Prozent) sowie das Internet (48 Prozent).

Die Beliebtheit ausgefallener Geschmacksrichtungen bei Chips zeigt: Innovationen sind auch bei etablierten Produktgruppen möglich und werden von Verbrauchern sogar erwartet. Auch bei anderen Produkten experimentieren die Deutschen gern, wie die zunehmende Beliebtheit von Craft-Bier zeigt.

Ein Hersteller, dem die Kombination aus innovativen Produkten und wettbewerbsfähigen Preisen gelingt, ist Störtebeker: 18 Sorten umfasst das Angebot des Stralsunder Bierbrauers. Nach Angaben des Unternehmens stecken in einigen Bieren sogar bis zu fünf verschiedene Hopfen- und Malzsorten. „Spezialitäten wie Fest-, Land- oder Kellerbiere aber auch alkoholfreie Sorten wie zum Beispiel naturtrübe Radler werden zunehmend beliebter“, bestätigt Frankerl. Und auch bei Tafelschokolade probierten die Konsumenten exotische Varianten aus.

„Die Erwartungshaltung der Konsumenten nach immer wieder neuen Produkten setzt Hersteller zum Teil unter Druck. Eine innovative und sich stetig weiterentwickelnde Sortenvielfalt ist für Hersteller erfolgskritisch“, erläutert Augener. Doch wie gelingt es Herstellern, besonders in gesättigten Märkten, ihre Innovationen erfolgreich zu vermarkten? Der Kundenfokus sei entscheidend, rät Frankerl: „Der Schlüssel zum Erfolg ist die richtige Mischung aus enger Zusammenarbeit mit den Kunden und ein gewisser Weitblick. Nur so kann es gelingen, die richtigen Ideen auf den Markt zu bringen und die eigenen Ressourcen optimal zu navigieren.“

Wie Kunden an Produktentwicklungen beteiligt werden können, zeigt exemplarisch der Kölner Snackhersteller Intersnack mit seiner Marke funny-frisch: Bei der Chips-Wahl können Konsumenten auf einer Webseite ihre eigenen Chips-Sorten zusammenklicken. Nach einer Vorauswahl der eingereichten Ideen durch den Hersteller kann die Community über Facebook für ihre Favoriten abstimmen. Nach Angaben des Herstellers reichten Teilnehmer bei der diesjährigen Wahl insgesamt 169.816 Chips-Ideen ein.

Ob ein neues Produkt erfolgreich ist, entscheidet sich Betina Frankerl zufolge bereits nach kürzester Zeit. Innerhalb der ersten 35 Tage zeigt sich, wie ein Produkt bei den Kunden ankommt und ob es sich langfristig einen Platz in den Regalen sichert. Wie hart umkämpft der Markt ist. verdeutlicht auch das Beispiel Chips: „Nur zehn Prozent der Produktinnovationen", so Frankerl, „können auch im zweiten Jahr nach ihrer Einführung noch Wachstum nachweisen.“

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