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Lebensmittel US-Riese Kraft Heinz übernimmt deutsches Gewürz-Start-up Just Spices

Das Düsseldorfer Gewürz-Start-up hat innerhalb weniger Jahre den Markt aufgemischt. Der US-Lebensmittelmulti will Just Spices nun zur Weltmarke aufbauen.
10.12.2021 Update: 10.12.2021 - 18:05 Uhr Kommentieren
Kraft Heinz übernimmt deutsches Gewürz-Start-up Just Spices Quelle: obs
Gründer von Just Spices

Just Spices soll als eigenständiges Unternehmen von den Gründern Ole Strohschnieder, Florian Falk und Béla Seebach (v.l.) weitergeführt werden.

(Foto: obs)

Düsseldorf Damals wollten sie ein indisches Dal-Gericht in ihrer WG kochen, doch die überschaubare Gewürzauswahl im Supermarktregal ließ sie ratlos zurück. Und so wurden drei Studenten der ISM Dortmund selbst zu Gründern. „Der Gewürzmarkt war damals wenig inspirierend und innovativ, das wollten wir ändern“, berichten Florian Falk, 34, Ole Strohschnieder, 36 und Béla Seebach, 36. 2014 gingen sie auf Weltreise, um in Indien, den USA, Italien und Mexiko mit Einheimischen die ersten authentischen Mischungen zu entwickeln. Deren Köpfe finden sich heute auf den charakteristischen Gewürzdosen ihrer Firma Just Spices.

Die bunten Gewürzmischungen wie „Schoko Bananen Oatmeal Spice“ fürs Müsli oder Rührei-Gewürz sind vor allem bei jungen Kunden beliebt. Die Dosen stehen heute in vielen Supermärkten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die meisten Kunden kaufen allerdings online bei Just Spices. 1,6 Millionen Gewürzfans werden über Social-Media-Kanäle mit Rezepten erreicht.

Der Erfolg von Just Spices weckte das Interesse des US-Lebensmittelkonzerns Kraft Heinz. Der Ketchup- und Käsehersteller übernimmt nun die Mehrheit am Düsseldorfer Start-up mit 150 Mitarbeitern. Kraft Heinz werde 85 Prozent der Anteile von den Altinvestoren erwerben, teilten beide Unternehmen am Freitag mit. Dazu zählen etwa Five Season Ventures, Bitburger Ventures, Döhler Ventures und Trivago-Gründer Rolf Schrömgens.

Bisher hatte Just Spices 15 Millionen Euro Kapital eingesammelt. Zur Höhe des Deals machten beide Seiten keine Angaben. Die drei Gründer Falk, Strohschnieder und Seebach behalten 15 Prozent der Anteile. Sie wollen Just Spices als eigenständiges Unternehmen weiterführen.

Um schneller wachsen zu können, lagerte Just Spices seine Produktion Anfang 2019 komplett aus. Das Wachstumstempo ist rasant. 2021 soll sich der Umsatz auf etwa 60 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr verdoppeln. Zu Ertrag und Profitabilität machte Just Spices auf Anfrage keine Angaben. Nach letzten öffentlichen Angaben im Bundesanzeiger machte das Start-up 2019 bei 17,3 Millionen Euro Umsatz noch einen Verlust nach Steuern von 2,5 Millionen Euro.

Start-ups mischen den angestaubten Gewürzmarkt auf

Jahrzehntelang gab es auf dem Markt für Kräuter und Gewürze im Einzelhandel kaum Wachstum und Innovationen. Branchenprimus ist mit Abstand das Familienunternehmen Fuchs aus Dissen, zu dem auch die Marke Ostmann gehört. Die Gruppe machte 2020 einen Umsatz von 557 Millionen Euro.

Start-ups haben den angestaubten Markt für Gewürze in den letzten Jahren kräftig aufgemischt. „Erst den Newcomern Ankerkraut und Just Spices ist gelungen, diesen Markt neu zu beleben und eine junge Zielgruppe zu erreichen“, konstatiert Werner Motyka, Partner der Beratung Munich Strategy.

Ankerkraut, 2013 in Hamburg gegründet, schaffte durch die Gründer-TV-Show „Die Höhle der Löwen“ den Durchbruch. Investor Frank Thelen stieg damals in das Start-up für Gewürzmischungen ein. Das Gründerpaar Anne und Stefan Lemcke beschäftigt inzwischen etwa 200 Mitarbeiter. Der Umsatz lag zuletzt bei einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag.

Mittlerweile kochen die Deutschen immer mehr selbst – die Pandemie hat dem Trend einen weiteren Schub gegeben. 2020 gaben die privaten Haushalte 964 Millionen Euro für Gewürze aus, das sind 16,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Das ermittelte der Konsumforscher GfK.

Die Würzmischungen des Düsseldorfer Start-ups sind vor allem bei jungen Kunden beliebt. Quelle: obs
Gewürze von Just Spices

Die Würzmischungen des Düsseldorfer Start-ups sind vor allem bei jungen Kunden beliebt.

(Foto: obs)

Vor allem Bio-Gewürze liegen im Trend. Fix-Produkte etwa für Bolognese oder Asienpfanne erleben eine Renaissance. Just Spices geht mit seinen Bio-Fix-Mischungen „In Minutes“ und seinen Salatdressings in Konkurrenz zu Traditionsmarken wie Maggi (Nestlé) und Knorr (Unilever).

Die Start-ups punkten laut Berater Motyka mit originellen, anlassbezogenen Würzmischungen in innovativen Verpackungen. „Die Erfolgsbausteine der Gewürz-Start-ups sind onlinebasierte Geschäftsmodelle, die die Konsumenten direkt und am Lebensmittelhandel vorbei erreichen.“

Versuche der etablierten Player, mit Onlinevertrieb und Innovationen im Sortiment das Erfolgsmuster zu kopieren, blieben weitgehend erfolglos, beobachtet der Marktkenner. Konzerne versuchten oft, die eigenen Versäumnisse durch Übernahmen zu kompensieren. „Die Konstellation Kraft Heinz und Just Spices ist hierfür geradezu wie aus dem Lehrbuch.“

Die Gründer von Just Spices sehen viele Vorteile mit dem neuen Investor: „Wir haben mit Kraft Heinz einen der größten Lebensmittelproduzenten der Welt an unserer Seite, der uns mit seiner starken Vertriebspower und seiner internationalen Expertise auf dem weiteren Wachstumskurs unterstützt.“ Die Gründer haben ehrgeizige Ziele: „Wir wollen Just Spices gemeinsam zur Weltmarke machen.“

Mehr: „Wir kommen nicht umhin, Preise zu erhöhen“ – Darum werden Schokolade und Snacks deutlich teurer

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