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Lebensmittelbranche Anti-Israel-Aktivisten wollen Milch-Deal in Südafrika stoppen

Der israelische Coca-Cola-Abfüller will aus der Molkerei Clover einen afrikanischen Champion machen. Das Boykott-Bündnis BDS ruft zum Protest auf.
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Die Kampagne BDS wirft einem israelischen Coca-Cola-Abfüller vor, Büros und Abfüllbetriebe in völkerrechtlich illegalen Siedlungen auf palästinensischem Gebiet zu betreiben. Quelle: AFP
Boykott-Aufruf

Die Kampagne BDS wirft einem israelischen Coca-Cola-Abfüller vor, Büros und Abfüllbetriebe in völkerrechtlich illegalen Siedlungen auf palästinensischem Gebiet zu betreiben.

(Foto: AFP)

HamburgDie umstrittene israelkritische Boykott-Kampagne BDS will gegen einen großen Deal in der Milchbranche mobilisieren. Dabei geht es um die geplante Übernahme des börsennotierten südafrikanischen Molkereikonzerns Clover durch den israelischen Coca-Cola-Abfüller Central Bottling.

Die Ankündigung des Deals, der Clover mit umgerechnet rund 310 Millionen Euro bewertet, hatte den Börsenkurs in Johannesburg deutlich befördert. Central Bottling hat sich für die Übernahme mit einem südafrikanischen Investor verbündet. Doch nun droht der bedeutenden Auslandsinvestition in Südafrikas schwächelnder Wirtschaft Gegenwind von streiterprobten internationalen Aktivisten.

Die Kampagne BDS mobilisiert seit Jahren zu Verbraucherboykotts gegen israelische Unternehmen, die auch in den besetzten Gebieten aktiv sind. Sie ruft auch dazu auf, Auftritte von israelischen Künstlern zu meiden.

Die 2005 begonnene Kampagne, die vor allem in Großbritannien stark ist, ist hochumstritten. Kritiker werfen ihr vor, antisemitische Denkmuster zu bedienen. Die Initiatoren selbst sehen sich auch in der Tradition des Antiapartheitskampfs in Südafrika und werfen Israel vor, seinerseits ein „Apartheitsregime“ zu installieren. Daher könnte ihr Aufruf zu einer „militanten aber friedlichen Aktion“ gegen den Molkerei-Deal in dem locker verknüpften Bündnis besondere Aufmerksamkeit bekommen.

Die südafrikanischen BDS-Aktivisten werfen dem Coca-Cola-Abfüller unter anderem vor, Büros und Abfüllbetriebe in angeblich völkerrechtlich illegalen Siedlungen auf palästinensischem Gebiet zu betreiben. Zudem gehöre dem Unternehmen ein Weinberg auf den Golanhöhen und fördere die regierungsnahe zionistische Organisation Im Tirtzu. Die Kampagne kündigte an, das direkte Gespräch mit dem südafrikanischen Partner-Investor der Israelis suchen zu wollen. Falls die Übernahme weiter verfolgt werde, drohen die Aktivisten in Südafrika mit Blockaden und Demonstrationen gegen die Molkereibetriebe.

Damit gerät eine bedeutende Auslandinvestition in Südafrika unter Druck. Laut der Bank Santander investierten Ausländer 2017 gerade einmal rund eine Milliarde Euro in die schwächelnde Wirtschaft des Landes. Central Bottling könnte also einen starken Impuls setzen: Der israelische Coca-Cola-Abfüller hat angekündigt, mit der Übernahme der Molkerei Clover das Geschäft in weitere afrikanische Länder ausweiten zu wollen.

Es gebe „echte Chancen für Wachstum“ auf dem gesamten Kontinent südlich der Sahara, hieß es in der Übernahme-Ankündigung. BDS Südafrika hielt am Mittwoch dagegen. In der Mitteilung, die ein ehemaliger Parlamentsabgeordneter der Regierungsparte ANC im Namen des Bündnisses verschickte, warnte die Kampagne vor „einem Boykott aller Produkte“ von Clover.

Central Bottling eignet sich als eines der stärksten israelischen Unternehmen offenbar bestens als Zielscheibe für BDS. Der Getränkehersteller war 1967 von dem Jerusalemer Geschäftsmann Moshe Wertheim gegründet worden.

Der 1930 in Jerusalem geborene Wertheim kämpfte laut der israelischen Tageszeitung „Haaretz“ in den paramilitärischen Palmach-Truppen für die Unabhängigkeit des jüdischen Staats und spionierte während seines Jura-Studiums für den Auslandsgeheimdienst Mossad, bevor er in die Wirtschaft ging. Der vor zwei Jahren verstorbene Milliardär vererbte das Getränke-Unternehmen, das in Israel auf 40 Prozent Marktanteil kommt, an seine beiden Kinder. Zu dem Familienimperium gehören auch Beteiligungen an einem Medienhaus und an einer Bank.

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