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Lebensmittelhandel Bei Rewe kannst du den Einkauf jetzt mit dem Handy scannen. Was bringt das?

Immer mehr Supermärkte setzen darauf, dass ihre Kunden selbst kassieren. In einer Rewe-Filiale in Köln kann man die Ware jetzt auch mit dem Handy scannen. Unsere Autorin hat’s ausprobiert.
  • Charleen Florijn
24.04.2019 - 15:52 Uhr Kommentieren
Handscanner von Rewe
Handscanner von Rewe

Setzt sich das kassenlose Bezahlen in Deutschland durch? (Foto: Charleen Florijn)

Dieser Artikel ist am 24. April 2019 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Ein lautes Piepen tönt aus meinem Smartphone, als ich es auf die Packung Trauben in meiner Hand richte und den Barcode einscanne. Ein paar Kunden in der Obst- und Gemüseabteilung wenden sich zu mir um, ein Kleinkind fängt an zu brabbeln und zeigt begeistert auf das Handy in meiner Hand. Auf dem Bildschirm erscheinen 500 Gramm kernlose Trauben im virtuellen Warenkorb, die echten Trauben landen im Einkaufswagen vor mir.

Self-Scanning: Smart Shoppen bei Rewe im Test

In einer Rewe-Filiale im Kölner Stadtteil Rodenkirchen können Kunden seit ein paar Wochen ihren Einkauf selbst einscannen. Und zwar nicht erst an der Kasse, sondern schon während sie einkaufen. Produkt aus dem Regal nehmen, Barcode scannen und in den Einkaufswagen oder Rucksack legen, gezahlt wird erst am Ende des Einkaufs. Die einzige Voraussetzung: ein Payback-Konto.

Den Handscanner gibt es am Eingang. Wer sich vorher die App „Smart Shoppen“ herunterlädt, kann auch mit dem Handy scannen. An jedem Einkaufswagen gibt es eine Halterung, in die sowohl Gerät als auch Smartphone passen.

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    Ich entscheide mich dafür, mit meinem Smartphone zu scannen, lade die App runter und melde mich mit meinen Payback-Zugangsdaten an. Bevor der Einkauf losgehen kann, fordert die App mich dazu auf, den QR-Code im Eingangsbereich zu scannen. Sofort erscheint der digitale Warenkorb. Mit einem Klick öffnet sich die Kamera, jetzt kann ich den ersten Barcode scannen.

    Gemüse ohne Verpackung wiege ich zunächst ab, dann scanne ich das Etikett, das die Waage mir ausspuckt. Für lose Eier hat Rewe einen eigenen Barcode am Eierregal aufgehängt. Unter meinem Warenkorb verrät mir die App, wie viele Produkte ich bereits registriert habe und wie teuer der Einkauf insgesamt ist. Am Ende scanne ich an einer der Selbstbedienungskassen noch einmal einen weiteren QR-Code, dann kann ich bezahlen – ganz ohne die Produkte aus dem Wagen wuchten zu müssen.

    Self-Scanning in Deutschland 2019: 800 bis 1.000 Geschäfte

    Für die Supermarktkette Rewe ist es eine Premiere, ganz neu ist die Technologie des Selbst-Einscannens in Deutschland allerdings nicht. Kassen, an denen Kunden die Waren eigenständig scannen und schließlich bezahlen, stehen mittlerweile in fast allen großen Supermärkten. „Ende dieses Jahres wird es wahrscheinlich schon 800 bis 1.000 Läden in Deutschland geben, die das anbieten“, schätzt Frank Horst vom Kölner Handelsforschungsinstitut EHI. „Das bedeutet fast eine Verdoppelung innerhalb von zwei Jahren.“

    Zuerst gab es die SB-Kassen bei Real und Ikea. Allerdings müssen Kunden hier ihren Einkauf aus dem Wagen noch einmal komplett aus- und wieder einräumen. Anders beim mobilen Self-Scanning: Das Einzelhandelsunternehmen Globus setzt bereits in fast allen der 47 Warenhäuser auf die Scan-and-Go-Technologie. Im Unterschied zu Rewe geht es bei Globus allerdings nur mit einem Gerät, das Kunden am Eingang ausleihen können.

    Auch der Elektronikfachmarkt Saturn hat in einer Filiale in Hamburg probeweise das Self-Scanning eingeführt: Kunden können die Produkte direkt am Regal per Kreditkarte oder Paypal kaufen. Allerdings müssen sie dann noch zum Schalter, um die Playstation oder den Kopfhörer freischalten zu lassen.

    Wie Bezahlen ganz ohne Kasse geht, macht der Händler Amazon in den USA vor: In mehreren „Amazon Go“-Filialen registrieren Kameras und Sensoren automatisch, was ein Kunde kauft. Beim Hinausgehen wird der Betrag dann vom Konto abgebucht.

    Zurück nach Köln. Nachdem ich mich gemächlich durch die Gemüseabteilung gescannt habe, werden meine Handgriffe immer geübter. Einkaufszettel in die Hosentasche stecken, Kühlschranktür öffnen, Käse rausholen, Barcode suchen, mit dem Handy scannen und ab in den Wagen. Es ist ein bisschen wie damals, als wir im Kinderzimmer mit einem Kaufladen aus Holz spielten. Jeder wollte die Kassiererin sein, jetzt muss ich mich nicht mal darum streiten. Ich fühle mich wie eine Sechsjährige, als ich meinen Wagen durch die Gänge schiebe und mir überlege, was ich als Nächstes scannen werde.

    Self-Scanning: Was sind die Vorteile für Rewe?

    Antonio Krüger, Professor für Innovativen Handel am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, sagt: „Mit Neuerungen wie dem Self-Scanning wollen Supermärkte ihren Kunden ein besonderes Einkaufserlebnis bieten und sich so von der Konkurrenz aus dem Internet abheben.“ Krüger vermutet, dass das Einkaufen in den kommenden Jahren immer mehr einen Erlebnischarakter annehmen wird, sodass Kunden mit dem Besuch im Supermarkt etwas Positives und nicht lange Wartezeiten und nerviges Ein- und Ausräumen verknüpfen.

    Tatsächlich stört es Kunden beim Einkaufen am meisten, in der Schlange zu stehen. Laut des Ayden Retail Reports 2018 gaben 58 Prozent der befragten Kunden an, die Warteschlangen seien am nervigsten. Zwei Drittel gaben sogar an, den Supermarkt wegen zu wenig Zeit schon einmal verlassen zu haben, ohne etwas gekauft zu haben.

    „Wir wollen die Warteschlangen an der Kasse reduzieren“, erklärt Rewe-Projektleiterin Julia Volks die Motivation des Händlers für das Scanning-Experiment. Doch nicht nur die Kundin profitiert vom Selbst-Scannen und SB-Kassen, auch für den Markt ergeben sich daraus Vorteile: Denn eine kleine Selbstbedienungskasse nimmt viel weniger Platz weg als eine normale Kasse samt Wagenband.

    Die Kassenzone sei für den Supermarkt toter Raum, erklärt Antonio Krüger. Wenn nun auf weniger Platz gleich viele Kunden abkassiert werden können, bleibe mehr Platz für Produkte. So weit ist Rewe in Köln-Rodenkirchen allerdings noch nicht. Zusätzlich zu den SB-Kassen gibt es immer noch die Möglichkeit, die Waren ganz klassisch aufs Band zu legen und vom Kassierer scannen zu lassen.

    Spart Rewe denn mit dem neuen Projekt nicht nur Zeit, sondern auch Mitarbeiter ein? Der Experte Krüger glaubt das nicht, weil bei den Selbstbedienungskassen immer noch Menschen gebraucht würden, die überforderten Einkäufern helfen. Der Supermarkt selbst hat sich zu dieser Frage mir gegenüber bisher nicht geäußert. In jedem Fall ist ein weiterer Vorteil für Rewe, dass sie über die App genau kontrollieren können, was welche Kunden wann kaufen.

    Self-Scanning: Gibt es Nachteile für die Kunden?

    Die Selbst-Scanner unter den Einkäufern müssen zur SB-Kasse. Also schlendere ich mit meinem vollbepackten Wagen an den Warteschlangen vorbei und muss keine dreißig Sekunden warten, bis einer der Schalter frei wird. Ich scanne den QR-Code auf dem Bildschirm, beende damit den Einkauf und werfe Bargeld in die Maschine. Eine EC-Karte hätte es auch getan, nur Zahlen per Smartphone geht nicht.

    Auf dem Weg nach draußen komme ich wieder an der Wand mit den Handscannern vorbei. Von den 90 Geräten fehlen nur drei. Keine gute Quote. Ein Mitarbeiter erklärt mir, dass das Self-Scanning langsam anlaufe. Für Antonio Krüger ist das allerdings nur eine Gewöhnungsphase: „Die Menschen sind in dieser Hinsicht nicht sonderlich experimentierfreudig. Da zögern sie erstmal.“

    Mein persönliches Fazit: Selbst zu scannen macht einen Riesenspaß und ist auch nach dem zwanzigsten Produkt noch nicht langweilig. Im Kopf überschlagen muss ich auch nicht mehr, das rechnet die App bequem aus. Das macht es sehr einfach, das eigene Budget im Blick zu halten. Zwar dauert der Gang durch den Supermarkt etwas länger, ist aber dafür umso aufregender und am Ende kann ich an der Kasse die Wartezeit sparen. Und das Wichtigste: Ich kann auf das lästige Ein- und Auspacken verzichten.

    Eine Sache hat mich aber doch erstaunt: Theoretisch hätte ich alle Waren in meinen Rucksack räumen können, ohne sie zu scannen und zu bezahlen. Niemand hat kontrolliert, ob ich an der Kasse ehrlich war. Möglicherweise macht Rewe stichprobenartige Prüfungen, aber leider hat mir das Unternehmen auch diese Anfrage bisher nicht beantwortet.

    In jedem Fall sollten sich die Kölner über Kontrollen Gedanken machen. In Ländern wie Australien oder England, wo SB-Kassen schon lange Standard sind, hat mit der Innovation auch die Zahl der Ladendiebstähle zugenommen: Kunden, die sich unbeobachtet fühlen, nutzen teils falsche Etiketten oder scannen nicht alle Waren, um Geld zu „sparen“. SB-Kassen scheinen die Anzahl der Diebstähle zu erhöhen, sagt Kriminologin Emmeline Taylor, die das Phänomen in einer Studie erforscht hat. Betrügen würden vor allem jene, „die normalerweise nicht stehlen“.

    Und zwei Wissenschaftler der britischen University of Leicester haben Beweise dafür gefunden, dass Handscanner Diebstahl befördern. Bei einer Untersuchung von einer Million Einkäufen an der SB-Kasse im Wert von 21 Million Dollar ergab der Betrug durch Kunden einen Schaden von fast 850.000 Dollar. Das ist auf den ersten Blick zwar „nur“ ein Verlust von vier Prozent. Für den gesamten deutschen Lebensmittelhandel aber würde dieses Verhalten einen Schaden von mehr als sechs Milliarden Euro bedeuten.

    Mehr: Picnic im Test: Lohnt sich der Lebensmittel-Lieferdienst?

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