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Lebensmittelindustrie Danones Großaktionär will CEO Faber aus seinem Amt drängen

Bluebell Capital Partners bezeichnet die Kursentwicklung des Konzerns unter Fabers Führung als enttäuschend. Der Manager soll seinen Kurs ändern – dieser will aber daran festhalten.
24.01.2021 - 17:07 Uhr Kommentieren
Der Danone-Chef steht massiv in der Kritik. Quelle: Pierre VASSAL/HAYTHAM-REA/laif
Emmanuel Faber

Der Danone-Chef steht massiv in der Kritik.

(Foto: Pierre VASSAL/HAYTHAM-REA/laif)

Paris Fast seine gesamte Karriere hat Emmanuel Faber beim Lebensmittelkonzern Danone verbracht. Der 57-jährige Franzose, bekannt für sein verschmitztes Lächeln und sein nachdenkliches Wesen, arbeitet bereits seit 1997 bei dem Hersteller von Actimel-Joghurt und Evian-Wasser. Seit 2017 ist er der alleinige Konzernchef, gleichzeitig Generaldirektor und Präsident. Er kennt das Unternehmen wie kaum ein anderer. Doch all das könnte binnen kürzester Zeit keine Rolle mehr spielen.

Denn Danones Großaktionär, der britische Fonds Bluebell Capital Partners, will Faber aus dem Amt drängen. „Die Kursentwicklung unter der Führung von Herrn Faber war enttäuschend“, heißt es in einem Brief des aktivistischen Investors. Faber wird vorgeworfen, die Rendite vernachlässigt zu haben. Gleichzeitig wird er des „Greenwashings“ bezichtigt: Danone agiere in Sachen Umweltschutz längst nicht so vorbildlich, wie er es darstelle.

Der Fonds hatte Ende des vergangenen Jahres Aktien der Danone-Gruppe mit Sitz in Paris gekauft. Wie hoch die Beteiligung ist, ist nicht bekannt, sie soll aber laut französischen Medien unter fünf Prozent liegen. Bluebell Capital Partners kritisierte, Faber habe die gesetzten Wachstumsziele nicht erreicht. Außerdem schnitten Konkurrenten wie beispielsweise Nestlé und Unilever besser ab als Danone. Dem Fonds fehle die strategische Vision des Weltmarktführers für frische Milchprodukte.

Ein Problem des Konzerns hat dabei weniger mit Milch, denn mit Wasser zu tun: Der Absatz ist zurückgegangen, weil durch die Coronakrise in vielen Ländern Restaurants geschlossen sind. In der Wirtschaftszeitung „Challenges“ sagte Faber, dass 2020 rund eine Milliarde Euro Umsatz allein aus diesem Bereich fehlt. Durch schwankende Wechselkurse gingen dem Konzern weitere zwei Milliarden Euro verloren. 2019 machte die Danone-Gruppe insgesamt einen Umsatz von 25,3 Milliarden Euro – damals ein Anstieg von 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Danone-Aktie war 2020 um mehr als ein Viertel gefallen, Faber versprach, mittelfristig ein Umsatzwachstum von drei bis fünf Prozent zu erreichen. Vorgesehen sind auch Einsparungen von einer Milliarden Euro bis 2023, unter anderem soll die Organisation verschlankt werden. 2000 Stellen sollen dabei gestrichen werden, davon fast 400 in Frankreich.

Faber steht unter Zugzwang. Und das ist für den zielstrebigen Strategen eine eher ungewöhnliche Situation.

Ein Mann mit Überzeugung

Nach einem Studium an der französischen Elite-Wirtschaftshochschule HEC hat er seine Laufbahn beim amerikanischen Unternehmensberater Bains & Company begonnen. Bei Danone stieg er 1997 als Finanzdirektor für die Strategie ein. Ab 2005 war er für den Bereich Asien und Pazifik verantwortlich. Im Jahr 2014 wurde der Vater von drei Kindern bereits Generaldirektor von Danone, sein Chef und Mentor Franck Riboud, der ihn systematisch aufgebaut hat, blieb zunächst Präsident. Faber setzte sich dafür ein, dass das Unternehmen internationaler wurde.

Der aus Grenoble stammende Konzernchef gilt als ein Mann mit Überzeugung. Er ist sportlich, ein begeisterter Kletterer und Skifahrer. Von Zigaretten und Alkohol hält er nichts. Schon in seiner Studienzeit war er nicht gerade der „Partytyp“, erzählten Kommilitonen in französischen Medien.

Faber arbeitete lieber – und machte Sport. Seine Freunde beschreiben ihn auch als sehr kontrolliert. Als einen Strategen, der schon früher anderen immer einen Schritt voraus war.

In Frankreich gilt er als atypischer Humanist in der Konzernwelt. Faber kritisierte bereits mehrfach den zu großen Druck der Finanzwelt auf Unternehmen und die zu starke Konzentration von Reichtum in der Gesellschaft. Der Katholik setzt sich für mehr soziale Gerechtigkeit ein.

Faber muss liefern

Vor einigen Jahren hielt er einen vielbeachteten Vortrag an seiner alten Hochschule: „Nach all den Jahrzehnten des Wachstums ist die Herausforderung für die Wirtschaft und die Herausforderung für die Globalisierung, die soziale Justiz. Ohne soziale Justiz gibt es keine Wirtschaft mehr. Wir, die Reichen, die Privilegierten, wir können die Mauern immer höher bauen, aber niemand hält die auf, für die es notwendig ist, mit uns zu teilen.“

Faber will dabei Wirtschaft und Soziales miteinander verbinden, er steht für mehr Humanität im Unternehmen ein. Privat besuchte er mit der Missionarin Mutter Teresa Sterbende in Indien, außerdem Favelas in Südamerika und Immigranten in Calais. Einen Teil seines Gehaltes soll er für karikative Zwecke spenden.

Bei Danone treffen nun Träume auf die Realität. Der Mann, dem soziale und ökologische Themen so wichtig sind, muss für bessere Zahlen sorgen. Als Reaktion auf die anhaltende Kritik an ihm als Danone-Chef sagt er: „Ich ändere die Richtung nicht.“

Mehr: Aldi und Lidl zahlen ihren US-Mitarbeitern eine Impfprämie.

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