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Lebensmittelkonsum Lohnt sich Tiefkühlkost?

Frosta ist der größte Anbieter von Gemüse, Obst und Fertiggerichten aus der Tiefkühltruhe. Aber was ist eigentlich besser: frisch oder tiefgekühlt? Und wie kann man sparen? Experten erklären’s dir eiskalt.
  • Anna Manz
26.07.2019 - 10:55 Uhr Kommentieren
Tiefkühlobst Vitamine
Tiefkühlobst

„Die Vitamine werden mit eingefroren.“

Dieser Artikel ist am 26. Juli 2019 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Es ist so herrlich einfach. Nach einem langen Tag an der Uni reichen wenige Handgriffe und die Fertigpizza backt im Ofen vor sich hin. Zum Nachtisch gibt‘s dann noch ein paar aufgetaute Erdbeeren.

Einige meiner Freunde sind da komplett anderer Meinung, denn für sie ist frisch kochen das A und O. Wer hat Recht? Wir klären, was wir wirklich von Tiefkühlkost erwarten dürfen – beim Preis und bei der Qualität.

Frosta macht 263 Millionen Euro Umsatz im ersten Halbjahr 2019

Die Tiefkühlwirtschaft ist ein riesiger Markt. 2018 gaben die Deutschen nach einer Statistik des Deutschen Tiefkühlinstitutes knapp 15 Milliarden Euro für Tiefkühlkost aus. Jeder Bundesbürger verbraucht pro Jahr im Schnitt gut 46 Kilogramm gefrorene Lebensmittel (also etwa 1 Kilo pro Woche), darunter allein zwölf Tiefkühlpizzen. Etwa die Hälfte der Tiefkühlkost essen wir im Restaurant, den Rest zu Hause.

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    Einer der größten Lieferanten von tiefgekühltem Obst, Gemüse und Pfannengerichten ist das Unternehmen Frosta aus Bremerhaven. In den ersten sechs Monaten 2019 hat die Frosta AG nach eigenen Angaben knapp 263 Millionen Euro eingenommen – das sind 3,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dabei hat das Unternehmen deutlich weniger Gewinn gemacht.

    Der Grund: Weil die Bauern zuletzt schlechtere Ernten hatten, sind die Preise für viele Obst- und Gemüsesorten gestiegen. Frosta musste seine Ware also in den vergangenen Monaten teurer einkaufen. Das Unternehmen kann solche Preissteigerungen aber nicht sofort an die Lebensmittelhändler weitergeben, weil dort oft längerfristige Lieferverträge gelten. Demnächst solltest du dich aber auch im Supermarkt auf höhere Preise einstellten.

    Frosta liefert auch für günstige Handelsmarken von Aldi, Rewe und Edeka

    Was viele nicht wissen: Frosta produziert nicht nur für seine eigene Marke, sondern auch für die Handelsmarken der allermeisten deutschen Supermarktketten. Die sind häufig günstiger als das Markenprodukt. Welche Produkte genau das sind, verrät das Unternehmen nicht. Klar: Frosta hat ein Interesse daran, dass Kunden im Supermarkt vor allem das Original kaufen.

    Eine Sprecherin von Frosta weist lediglich darauf hin, dass oft nur die Ausgangsprodukte, also zum Beispiel von Frosta angebaute und geerntete Erbsen, in den Produkten der Handelsmarken stecken. Was die allerdings danach damit machen, welche Zusatzstoffe oder Rezepturen sie beispielweise dazu mischen, liege nicht mehr in der Hand von Frosta.

    Tiefkühl- oder frisches Obst und Gemüse: Was hat im Vergleich mehr Vitamine?

    Wie gesund Tiefkühlware tatsächlich ist, weiß Matthias Wüst. Er ist Professor für Lebensmittelchemie an der Uni Bonn. Auf meine Frage, was mit Vitaminen in tiefgekühlten Lebensmitteln passiert, antwortet er mit einem Wort: „Nichts.“ Der Professor erklärt mir, dass erstmal jedes Lebensmittel Vitamine verliere, wenn man es lagert. Wie schnell die Vitamine abgebaut werden, hänge aber von der Temperatur ab.

    Und hier kommt die Tiefkühlung ins Spiel. Sie verlangsamt den Vitaminabbau nämlich enorm. Kurz gesagt: Wenn man zum Beispiel Erdbeeren direkt nach der Ernte einfriert, werden die enthaltenen Vitamine sozusagen mit eingefroren, bleiben also zu einem sehr großen Teil erhalten. Lässt man die Erdbeeren einfach ein paar Tage in einer Schale auf dem Tisch liegen, gehen mehr und mehr Vitamine verloren.

    „Zum Teil können Lebensmittel nach einem Jahr Tiefgefrieren mehr Nähstoffe enthalten als frisch gekaufte Ware, die bis zu einer Woche im Kühlschrank lagert“, bestätigt mir auch Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Wichtig für den Tiefkühleffekt sei aber natürlich, dass die Lebensmittel so schnell wie möglich schock-gefrostet werden, um möglichst viele Vitamine zu erhalten.

    In Puncto Qualität stehen tiefgekühltes Obst und Gemüse der frischen Ware vom Wochenmarkt also in nichts nach. Bei Fertiggerichten solltest du aber unbedingt einen Blick in die Zutatenliste werfen. Denn gerade verarbeitete Lebensmittel können weitere Zusatzstoffe oder größere Mengen an Salz und Fett enthalten – und das ist ungesund.

    Tiefkühlkost im Preis-Vergleich: bis zu 70 Prozent billiger als frische Lebensmittel

    Ich fahre in einen Rewe-Markt und checke die Preise. Da finde ich zum Beispiel ein Kilogramm frische Erdbeeren für 6,58 Euro. Tiefgekühlt kostet das Kilo nur 4,58 Euro, also knapp 30 Prozent weniger. Noch krasser ist der Unterschied bei Himbeeren. Frisch kosten sie an diesem Tag 18,30 Euro pro Kilo, tiefgekühlt nur 5,78 Euro. Das sind 70 Prozent weniger!

    In meiner Stichprobe ist die Tiefkühlware fast immer billiger als das frische Pendant. Zu diesem Ergebnis kamen im vergangenen September auch die Autoren der TV-Doku ZDF Zeit mit Sternekoch Nelson Müller. Deren Ergebnis: Tiefgekühltes Obst und Gemüse sei im Schnitt 25 Prozent günstiger als frische Ware. Noch extremer sehe es bei Fertiggerichten wie Pizzen oder Pfannengerichten aus: Die Variante aus der Tiefkühltruhe kostet demnach nur etwa halb so viel wie wenn ich die Zutaten einzeln frisch kaufe und selbst koche.

    Dass Tiefkühlware so erheblich billiger ist, liegt vor allem an der kompakten Verpackungsform. Die erlaubt es, viel mehr Ware gleichzeitig auf einen LKW zu laden. Das senkt die Kosten im Transport. Außerdem verdirbt das Essen im Geschäft nicht so schnell, muss also nicht so oft durch neues ersetzt werden, was ebenfalls Geld spart.

    Allerdings: Manche Fertiggerichte sind auch deshalb so billig, weil viele hochwertige Zutaten durch billigere ersetzt werden. So steckt im Vanilleeis meistens kein echtes Vanillemark und Cordon Bleu enthält anstelle von teurem Schinken häufig gepresstes Formfleisch. Auch hier solltest du beim Einkaufen unbedingt genau auf die Zutaten-Listen achten.

    Tiefkühlkost und Nachhaltigkeit: Sind Tiefkühl-Produkte umweltfreundlich?

    Qualität und Preise schön und gut: Aber was ist mit der Umwelt? Dieser Frage ist das Öko-Institut in Freiburg in einer Studie nachgegangen. Ergebnis: Tiefkühlkost ist nicht weniger nachhaltig als frische Lebensmittel. Bei der Klimabilanz gebe es sogar Vorteile für die gefrorene Ware. So würde man tendenziell weniger Lebensmittel verschwenden, weil man nur das aus dem Tiefkühlschrank holt, was man auch verbraucht.

    Auch dass die Ware in großen Mengen produziert wird, mache den Vorgang energieeffizienter. Außerdem seien moderne Produktionsanlagen so gebaut, dass verbrauchte Energie zum Beispiel zum Heizen wiederverwendet wird und somit nicht verloren geht.

    Bei der Studie muss man allerdings wissen, dass sie vom Deutschen Tiefkühlinstitut in Auftrag gegeben und bezahlt wurde – und damit stellvertretend von der Tiefkühl-Branche. Die hat natürlich kein Interesse daran, dass eine Studie veröffentlicht wird, die Tiefkühlkost schlecht dastehen lässt. So richtig unabhängig wirken die Forschungsergebnisse also nicht.

    Fazit: Tiefkühlkost ist eine gute Alternative für frisches Obst und Gemüse

    Insgesamt machen Tiefkühlprodukte eine ziemlich gute Figur neben frischen Einkäufen aus dem Supermarkt oder vom Wochenmarkt. Durch die Schockfrost-Technik der Industrie bleiben die Vitamine erhalten. Auch preislich schlägt sich die Ware aus der Tiefkühltruhe ziemlich gut. Sie ist meistens deutlich billiger als die frische Alternative.

    Trotzdem sollte man gerade bei Fertiggerichten die Zutaten checken. Bei der Nachhaltigkeit dürften beide Varianten nahe beieinander liegen – es kommt aber stark darauf an, wo die frische Ware herkommt und ob du wirklich alles verbrauchst, was du einkaufst.

    Hast du einen Marktstand um die Ecke, der wirklich nur frische Sachen aus der direkten Nachbarschaft verkauft, lässt sich das bei der Nachhaltigkeit wohl kaum toppen. Bevor du aber frisches Obst und Gemüse aus fernen Ländern kaufst, dürfte Tiefkühlkost aus heimischer Ernte die umweltfreundlichere und bessere Alternative sein.

    Mehr: Hello Fresh im Test: Lohnt sich das teure Kochen aus der Box?

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