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Lebensmittelkonzern Nestlé modernisiert seine deutschen Werke für mehr als 100 Millionen Euro

Der Konzern hatte in Deutschland zuletzt massiv Stellen abgebaut. Nun wird investiert, um die Werke effizienter, digitaler und nachhaltiger zu machen.
Update: 04.09.2019 - 15:37 Uhr Kommentieren
Nestlé investiert in seine Produktionsstätten in Deutschland Quelle: dpa
Nestlé

Nestlé Deutschland mit 9800 Mitarbeitern unterhält 15 Standorte hierzulande und erzielte im vergangenen Jahr fast 3,2 Milliarden Euro Umsatz.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Rund 1000 Stellen hatte Nestlé in den letzten beiden Jahren in Deutschland gestrichen, hauptsächlich in der Produktion. Nun will der weltgrößte Lebensmittelkonzern – bekannt für Kitkat, Maggi und Nespresso – seine hiesigen Werke modernisieren.

Mehr als 100 Millionen Euro steckt der Schweizer Hersteller in die Produktionsstätten. „Wir investieren vor allem in Technologie und machen so unsere Werke effizienter, digitaler und nachhaltiger“, sagte Deutschland-Chef Marc-Aurel Boersch.

So soll zum Beispiel im Chocoladenwerk Hamburg, wo etwa Kitkat produziert wird, eine neue Linie für Papierverpackungen entstehen. Nestlé ist dabei, auf Plastikverpackungen möglichst zu verzichten und eröffnet deshalb bald in der Schweiz ein eigenes Verpackungsforschungsinstitut.

Im saarländischen Nonnweiler wurde am Mittwoch eine neue Linie für Wagner-Tiefkühl-Snacks eingeweiht. Die Investition dürfte die Mitarbeiter etwas beruhigen. War doch die Produktion der Premiumlinie „Original Wagner Pizza“ bereits nach Italien verlagert worden, wie die Gewerkschaft NGG kritisiert. „Es gab zwar keine Entlassungen und das Werk steht offenbar nicht infrage“, sagte eine Gewerkschaftssprecherin dem Handelsblatt. Aber ob die neuen Tiefkühl-Snacks, die nun in Nonnweiler produziert werden, am Markt ankämen, müsse sich noch zeigen. „Unsere Skepsis bleibt: Nestlé investiert zwar in effizientere Technologien, aber nicht in seine Beschäftigten“, moniert die NGG-Vertreterin. Sie sieht die Gefahr, dass an den deutschen Produktionsstandorten von Nestlé noch weitere Einsparungen folgen könnten.

Denn der neue Nestlé-Chef Ulf Mark Schneider trimmt den Konzern von der Schweiz aus auf Rendite. Auf Druck des aktivistischen Investors Dan Loeb hatte er dem Konzern erstmals ein Profitabilitätsziel verordnet. Bis 2020 soll die operative Marge von 14,7 Prozent (2017) auf bis zu 18,5 Prozent steigen. Dafür will sich Nestlé verschlanken.

So hat auch in Deutschland hat eine weitreichende Sanierung stattgefunden, mit schmerzhaften Einschnitten für die Belegschaft. Das Caro-Werk in Ludwigsburg, das eine 150-jährige Tradition mit Landkaffee hatte, wurde geschlossen. Produziert wird nun in Portugal.

Das Maggi-Werk im Münsterländer Lüdinghausen war von den Restrukturierungen ebenso betroffen wie das Werk in Biessenhofen im Allgäu. Frühstücksflocken werden künftig in Polen gefertigt, die Bayern konzentrieren sich nun auf Babynahrung.

„Nestlé bereinigt das Portfolio durchaus zielgerichtet und zuletzt auch mit höherer Dynamik“, sagt Branchenexperte Christoph Treiber von der Beratung OC&C. Nestlé konzentriere sich auf wachstumsstarke Regionen und Kategorien wie Kaffee, Tiernahrung oder Babynahrung. Dieser Ansatz werde in den nächsten Jahren weitere Desinvestitionen in anderen Bereichen zur Folge haben, glaubt Treiber.

Als Grund nennt Nestlé veränderte Ernährungs- und Konsumgewohnheiten. Der Konzern, der viel Geld mit Fertiggerichten, Snacks und Getränken verdient, richtet sich derzeit stärker auf den Gesundheitstrend aus. Das Unternehmen will etwa mit Nuss- und Fruchtriegeln und veganem Fleischersatz punkten. Nach dem Incredible Burger kommt nun auch veganes Hackfleisch auf den Markt.

Offen ist noch die Zukunft der Wurstmarke Herta. Wurst passt eigentlich nicht mehr zur Ausrichtung auf Gesundheit und Wohlbefinden. Sicher ist nur: Bis Jahresende soll die Entscheidung fallen, sagte Deutschland-Chef Boersch auf Nachfrage. Neben einem Verkauf käme etwa auch die Abtrennung mit einem anderen Partner infrage.

Die Eiscremesparte wurde bereits in das Joint Venture Froneri überführt. Herta hat zuletzt 680 Millionen Franken (rund 600 Millionen Euro) zum Umsatz beigetragen. Produziert wird im nordrhein-westfälischen Herten. Die meisten Mitarbeiter sitzen aber in Frankreich. Nestlé Deutschland unterhält mit 9800 Mitarbeitern 15 Standorte hierzulande und erzielte im vergangenen Jahr fast 3,2 Milliarden Euro Umsatz.

Mehr: Der Lebensmittelriese ist seit Jahren umstritten. Nun schreibt sich Nestlé Gesundheit und Nachhaltigkeit auf die Fahnen – nicht nur aus Imagegründen.

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