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Lebensmittelkonzern Nestlé will keine Wurst mehr verkaufen – Marke Herta steht zum Verkauf

Risikoprodukt Wurst: Der Schweizer Konzern stellt die deutsche Marke Herta zum Verkauf. Allein die vegetarischen Produkte will Nestlé behalten.
Update: 14.02.2019 - 10:27 Uhr Kommentieren
Herta: Nur ein Angebot für die Fleischsparte von Nestlé Quelle: imago
Herta-Fleischwurst

Der Nestlé-Konzern will sich von der deutschen Lebensmittelmarke trennen.

(Foto: imago)

Hamburg Wurst ist dem weltgrößten Lebensmittelhersteller Nestlé nicht mehr gesund genug. Deshalb will der Konzern die traditionsreiche Marke Herta verkaufen. Bis zum Jahresende prüfen die Manager um Konzernchef Mark Schneider, was aus der Fleischwurst werden soll. Allein das junge Geschäft mit vegetarischer Wurst und Teigprodukte derselben Marke will der Ex-Fresenius-Chef behalten.

Herta hat zuletzt 680 Millionen Franken (rund 600 Millionen Euro) zum westeuropäischen Konzernumsatz beigetragen, unter anderem in Deutschland. Produziert wird im nordrhein-westfälischen Herten. Herta gehört seit dem Zukauf im Jahr 1984 zu Nestlé. Gründer Karl-Ludwig Schweisfurth machte zuletzt als Bio-Bauer Schlagzeilen.

Die Begründung von Nestlé für den geplanten Verkauf nach mehr als drei Jahrzehnten: Wurst passe nicht mehr zur Ausrichtung auf Gesundheit und Wohlbefinden. Die Kunden bevorzugten zunehmend pflanzliche Ernährung und achteten mehr auf die Umwelt. „In diesem Fall zeigen sowohl unsere Strategie als auch die Finanzzahlen, dass der Fokus anderswo liegen sollte“, sagte Konzernchef Schneider in der Bilanzpressekonferenz. Bei pflanzlichen Nahrungsmitteln gibt es seiner Beobachtung nach ein deutlich höheres Wachstum als bei Fleischprodukten - und Wachstum steht im Mittelpunkt von Schneiders Strategie. „Der Trend hin zu pflanzlicher Nahrung wird über Jahre stabil bleiben“, prognostizierte der Deutsch-Amerikaner. Dazu komme: Der Preis für pflanzliche Rohstoffe schwankt weniger stark als der Fleischpreis. Insgesamt arbeiten in den drei Werke der Marke Herta 2.100 Menschen. Davon sind 400 in Deutschland: 310 in der Produktion, 90 im Büro.

Für die großen Konzerne wird Wurst offenbar zunehmend zum Risiko. Der niederländisch-britische Konzern Unilever hatte zuletzt die Minisalami Bifi verkauft – wohl eine Folge des Pferdefleischskandals, der jedoch die Konzernmarke gar nicht getroffen hatte. Selbst deutsche Mittelständler ergänzen ihr Portfolio um vegetarische Alternativen: Rügenwalder macht inzwischen einen bedeutenden Umsatzanteil mit Wurst auf Eiweißbasis. Der Hühnerschlachter PHW mit seiner Marke Wiesenhof kauft eifrig Beteiligungen an Fleischersatz-Produzenten und hat sich an einem israelischen Start-up beteiligt, das Fleisch im Bioreaktor produzieren will. Zudem hat sich Wiesenhof die Vertriebsrechte am in den USA hochgelobten vegetarischen Burger „Beyond Meat“ gesichert. Nestlé hat zuletzt nachgezogen: Der Fleischersatz des Konzerns werde bald wohl sogar auf McDonald's-Burgern liegen, heißt es in der Branche.

Insgesamt zahlt sich der Kurs des Konzernchefs Schneider für Nestlé aus. Der Konzern berichtet, dass er seine Jahresziele erreicht hat. Das schuldenfinanzierte Aktienrückkaufprogramm wird nun sogar beschleunigt. Bis Ende Dezember 2019 soll die zweite Hälfte des 20 Milliarden Franken schweren Rückkaufs abgeschlossen sein.

Nestlé-Aktie steigt

Damit zahlt Nestlé Geld an seine Aktionäre aus – auch eine Folge der Forderungen des Aktionärsaktivisten Daniel Loeb aus dem vergangenen Sommer. Allerdings steigt die Verschuldung des Konzerns so um knapp neun Milliarden Franken auf 30,3 Milliarden Franken (etwa 27 Milliarden Euro).

Nestlé hat weiter Geld ausgegeben, etwa für den Kauf der Lizenz für Starbucks-Getränke im Einzelhandel. Erst am Mittwoch hatte Nestlé angekündigt, künftig auch Starbucks-Nespressokapseln zu vertreiben. Das Geschäft mit dem Espresso aus der Aluminiumkapsel läuft trotz immer mehr Nachahmerprodukte gut – auch weil Nespresso ein neues, patentgeschütztes System mit unterschiedlich großen Kapseln von den USA nach Europa gebracht hat.

Allerdings macht sich in Westeuropa im Gesamtgeschäft der aggressive Kurs des Handels bemerkbar: In der Region musste Nestlé die Preise im Schnitt spürbar senken. Vor einem Jahr hatten Edeka und andere europäische Supermärkte einen Teil der Nestlé-Produkte nicht mehr nachbestellt, bis der Konzern bei den Preisverhandlungen eingelenkt hat.

Insgesamt stieg der Umsatz um 2,1 Prozent auf 91,4 Milliarden Franken (etwa 80 Milliarden Euro). Das operative Ergebnis legte um 3,9 Prozent auf 13,8 Milliarden Franken (etwa 12 Milliarden Euro) zu. Die Marge lag damit bei 15,1 Prozent – bereinigt etwa um Restrukturierungskosten bei 17 Prozent.

Analysten etwa der Baader-Bank lobten, Schneider halte Wort. Der Konzern erfülle seine Vorgaben. Die Aktie legte spürbar zu.

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