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Nestlé

Der Konzern gibt zu, dass in der Vergangenheit Fehler passiert sind. Doch ist Besserung in Sicht?

(Foto: REUTERS)

Lebensmittelkonzern Warum Nestlé so unbeliebt ist

Der Lebensmittelhersteller Nestlé steht ständig in der Kritik: Wasserausbeutung! Regenwaldzerstörung! Ungesunde Babynahrung! Wir zeigen dir, was hinter den Skandalen steckt – und was Nestlé dazu sagt.
  • Jana Glose
05.10.2019 - 11:00 Uhr Kommentieren

Dieser Artikel ist am 5. Juni 2019 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Eine Portion Cini Minis zum Frühstück, dazu Nesquik-Kakao oder ein Kaffee von Nespresso. Zum Mittag eine „5 Minuten Terrine“ von Maggi und eine Flasche Wasser von Vittel. Zwischendurch ein Kitkat. Und abends eine Pizza von Wagner, zum Nachtisch ein Kaktus-Eis von Schöller. Guten Appetit! Du hast dich gerade den ganzen Tag mit Produkten des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé ernährt.

Nestlé-Kritik: Was ist so schlimm an Nestlé?

Wie kaum ein anderes Unternehmen ist Nestlé in unserem Leben präsent. Der Konzern mit Hauptsitz in der Schweiz verkauft mehr als 2.000 Marken und ist in 190 Ländern vertreten. Laut der Geschäftszahlen 2018 hat das Unternehmen in mehr als 85 Ländern Fabriken und beschäftigt weltweit 308.000 Mitarbeiter. In fast jedem Supermarkt finden sich tausende Produkte von Nestlé-Marken.

Bei Edeka drohten die Regale zwischenzeitlich leerer zu werden. Anfang 2018 kündigte Edeka an, 160 Produkte von Nestlé nicht mehr nachzubestellen. Ganz kurz: Es ging um Preisverhandlungen.

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Standort erkennen

    Viele Verbraucher hatten anscheinend auf andere Gründe gehofft. Ein Twitter-User schreibt: „Edeka nimmt Nestlé aus den Regalen. Leute beruhigt euch – es geht nur um Preise, nicht um Werte.“ Die Unternehmenspolitik von Nestlé steht immer wieder in der Kritik. Aber warum eigentlich? Wir haben uns die vier häufigsten Vorwürfe zur Kritik an Nestlé mal angeschaut – und das Unternehmen damit konfrontiert.

    1. Skandal: Nestlé nimmt Menschen in Afrika das Wasser weg!

    Weltweit kauft Nestlé Wasserrechte von staatlichen Wasserbehörden. Das erlaubt dem Unternehmen, Wasser direkt aus dem Grundwasser (unterhalb der Erdoberfläche) abzupumpen. Dieses Wasser reinigt Nestlé und verkauft es dann als abgefülltes „Tafelwasser“ in Plastikflaschen, zum Beispiel unter der Marke „Nestlé Pure Life“. Der für das Geschäft zuständige Bereich „Nestlé Waters“ hat 95 Produktionsstandorte in 34 Ländern. Darunter auch im Süden von Afrika, Pakistan und Äthiopien.

    Der zentrale Vorwurf: Dort, wo das Wasser ohnehin schon knapp ist, pumpt Nestlé es ab – und verdient Geld damit. In Südafrika hat Nestlé alleine elf Standorte. Durch die schwerste Dürre aller Zeiten herrscht dort gerade eine Wasserkrise.

    In Kapstadt gilt seit dem 1. Februar sogar eine offizielle Wassersparstufe: Nur noch 50 Liter am Tag darf jeder höchstens verbrauchen. Stell‘ dir vor: Jeder Deutsche verbraucht im Schnitt 121 Liter pro Tag. Eine Flasche „Pure Life“, dem dort verkauften Wasser von Nestlé, kostet umgerechnet einen Euro.

    Kritik an der Wasserprivatisierung von Nestlé

    Nestlé ist sich keiner Schuld bewusst und besteht darauf, die Wasservorkommen vor Ort nicht zu beeinträchtigen. Auf der Homepage wirbt das Unternehmen mit einer Auszeichnung der Organisation Hilfsorganisation Oxfam, die Nestlé gutes Wassermanagement bestätigt.

    2018 machte Nestlé nach eigenen Angaben allein mit Wasserprodukten einen Umsatz von 7,878 Milliarden Schweizer Franken (rund 6,9 Milliarden Euro). Das ist mehr als ein Zwölftel des gesamten Umsatzes, der 2018 um zwei Prozent auf 91,4 Milliarden Schweizer Franken wuchs.

    Nestlé Waters steigert Umsatz 2018 durch höhere Preise

    Schaut man sich die Zahlen genauer an, fällt auf: Nestlé steigerte die Einnahmen vor allem aus einem Grund – der Konzern verkaufte sein Wasser teurer. Wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, erhöhte Nestlé die Preise 2018 um 2,7 Prozent.

    Solche Fakten lösen gewöhnlich Kritik aus. 2012 beleuchtete der Dokumentarfilm „Bottled Life“ das Geschäft von Nestlé mit dem Wasser. Unter anderem wirft er dem Konzern vor, für die Dürre in einigen Regionen Pakistans verantwortlich zu sein.

    Was sagt Nestlé dazu? In dem Film – kein Wort. Nestlé lehnte ein Interview ab. Begründung: Die Dokumentation falle einseitig aus und stelle Nestlé und seine Mitarbeiter nicht fair dar. Wir wollen von Nestlé wissen, ob sie Menschen das Wasser wegnehmen.

    Der Pressesprecher verweist auf die Internetseite, da diese Frage schon seit Jahren immer wieder aufs Neue gestellt würde und bereits beantwortet sei. Tatsächlich: Nestlé hat einen ganzen Artikel zu dem Dokumentarfilm „Bottled Life“ verfasst. Die Antwort auf die Frage, ob Nestlé mit seinem Wassergeschäft für Dürren in Pakistan sorgt:

    „Das stimmt nicht. Das Nestlé Werk Sheikhupura in Pakistan fördert Wasser aus zwei Tiefbrunnen. Geschätzt existieren in der Region Lahore aber rund 680.000 Brunnen.“ – Nestlé auf seiner Homepage

    Film-Trailer Bottled Life: „Denen geht es nur ums Geld. Sie sind Raubtiere, Wasserjäger.“

    2. Kritik von Greenpeace: Nestlé tötet mit Palmöl in Kitkat den Regenwald!

    Palmöl ist ein pflanzliches Öl, das aus den Früchten der Ölpalme gewonnen wird. Es ist das meistangebaute Pflanzenöl der Welt und steckt in Backwaren, Margarine und Süßwaren, etwa Nutella. Palmöl macht Schokoriegel lecker und lässt sie zart auf deiner Zunge schmelzen.

    Das Problem: Wo Ölpalmen auf Plantagen angebaut werden, muss häufig der Regenwald sterben. In Indonesien gehen wegen Palmöl laut Greenpeace jeden Tag fast 20 Quadratkilometer Regenwald verloren. Das macht pro Stunde eine Fläche so groß wie 100 Fußballfelder.

    2010 kritisierte Greenpeace Nestlé für die Nutzung von Palmöl bei der Produktion des Schokoriegels Kitkat. Die Organisation startete eine Social Media-Kampagne auf Youtube gegen den Riegel mit Palmöl aus abgeholztem Regenwald:

    Greenpeace-Kampagne gegen Kitkat:  „Give the orang-utan a break…“

    Nestlé gelobte Besserung. „Wir haben uns in Deutschland zum Ziel gesetzt, bis 2015 nur nachhaltig angebautes Palmöl für die Produkte zu verwenden“, schreibt das Unternehmen auf seiner Homepage. Damit die Natur nicht zerstört wird, setze man auf Lieferketten, die klar zeigten, ob Regenwald für die Gewinnung von Palmöl illegal abgerodet wird.

    Abholzung des Regenwaldes durch Palmöl

    Laut einem Bericht des „Guardian“ hat Nestlé dieses Ziel aber verfehlt. Eine Sprecherin des Unternehmens sagte gegenüber der britischen Zeitung, dass man derzeit 90 Prozent des Palmöls bis zur Ölmühle zurückverfolgen könne – aber nur etwa zwei Drittel bis zur Plantage.

    Bis 2020 wolle man den Weg zu 100 Prozent verfolgen können. Im Klartext heißt das: Jede Menge des verwendeten Palmöls stammt immer noch aus unbekannten Quellen. Illegale Plantagen im Regenwald nicht ausgeschlossen. Das bestätigt uns auch Nestlé auf Nachfrage:

    „Ende 2016 konnten wir global mehr als 90% unseres bezogenen Palmöls bis zur Mühle zurückverfolgen, 57% davon waren […] verantwortungsvoll beschafft und erfüllen unsere strengen Anforderungen. Bis Ende 2020 wollen wir 100% des bezogenen Öls bis zu den Plantagen zurückverfolgen können. Nestlé Deutschland bezieht bereits sein ganzes Palmöl aus entsprechend transparenten Lieferketten bzw. zertifizierten Anbau. Dieses Ziel war auch im Jahr 2015 bereits erreicht.“

    Hauptanbaugebiete für das Palmöl bei Nestlé Deutschland sind übrigens Indonesien und Malaysia.

    3. Skandal: Nestlé unterstützt Tierversuche mit Mäusen!

    Für Schlagzeilen sorgen auch Tierversuche. 2014 gründete Nestlé das Tochterunternehmen „Nestlé Skin Health“. Dieses vertreibt seitdem die Botoxmittel Dysport und Azzalure der britischen Firma Ipsen. Botox ist ein Nervengift, das in stark verdünnter Form zum Glätten von Falten unter die Haut gespritzt wird. Die Produkte der Firma testen Wissenschaftler im Auftrag von Nestlé immer noch ausschließlich an Mäusen, erklärt der Deutsche Tierschutzbund.

    „Wir können nur an Nestlé appellieren, den Verkauf der Botox-Produkte einzustellen und den Einsatz alternativer Prüfverfahren voranzutreiben, indem beim Hersteller Ipsen entsprechender Druck aufgebaut wird.  Ansonsten macht sich Nestlé mitverantwortlich am Leid der Tiere.“ – Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes

    Nestlé könnte Tierversuche eigentlich stoppen

    In Tierversuchen zu Botox testen Forscher die Wirksamkeit des Medikaments, indem sie Mäusen Botox in die Bauchhöhle spritzen. Wenn die Hälfte der Mäuse sterben, gilt die Dosis als zu hoch. Irgendwie makaber, oder?

    Dass es auch anders geht, zeigen andere Hersteller. Die Marktführer Allergan und Merz nutzten seit 2011 beziehungsweise 2015 anstelle von Tierversuchen Tests mit menschlichen Zellen. Zum aktuellen Fall erklärt Nestlé:

    „Dermatologische Arzneimittel und Produkte unterliegen im Rahmen des Zulassungsverfahrens strengen Tests, die von den Kontrollbehörden gefordert werden, bevor sie beim Menschen eingesetzt werden dürfen. Die zuständigen Behörden verlangen, dass ein Teil dieser Tests an Tieren durchgeführt wird.“

    Der Partner Ipsen arbeite aber an Alternativen, um die Tests zukünftig zu ersetzen. Es sind nicht die ersten Tierversuche. Bereits 2011 kam raus, dass Nestlé für seine Eisteemarke Nestea Tierversuche machte, um die Verträglichkeit zu testen.

    4. Kritik an Nestlé: Babynahrung schadet Babys!

    Auch bei Lebensmitteln für Babys steht Nestlé aktuell in der Kritik. Ein Bericht der Organisation „Changing Markets Foundation“ untersuchte diesen Monat die Babynahrung von Nestlé. Mit keinem wirklich guten Ergebnis. Besonders in der Kritik: Nestlés Werbeslogan „am nächsten an der Muttermilch“. Der Slogan werde weltweit verwendet, obwohl die Zusammensetzung der Produkte überall auf der Welt sehr unterschiedlich sei, kritisieren die Verbraucherschützer.

    Über 70 Produkte für Babys aus 40 Ländern haben sie untersucht. Das zentrale Ergebnis des Berichts: Nestlés Produkte basierten nicht auf Ernährungswissenschaften, sondern seien vor allem auf Profit und Wachstum auf Kosten von Säuglingen ausgerichtet.
    Wir wollten von Nestlé wissen, was sie zu diesem neuesten Skandal sagen – hier ist die Antwort im O-Ton:

    „Wir haben die „Changing Markets Foundation“ zu einem Dialog mit uns eingeladen, um gemeinsam über die Ergebnisse des Berichts zu sprechen und einige der unzutreffenden Punkte richtig zu stellen. […] Wir verwenden keine Aussagen, die unsere Produkte idealisieren oder implizieren, dass sie Muttermilch entsprechen oder ihr sogar überlegen wären, weder auf unseren Produkten noch in anderer Kommunikation.“

    Doch das ist nicht der erste Skandal um Babynahrung. 2008 verkaufte eine Nestlé-Tochterfirma in China verunreinigtes Milchpulver. Sechs Babys starben an dem Milchpulver, 300.000 Säuglinge mussten in Krankenhäusern behandelt werden.

    Fazit: Nestlé versteht die Kritik nicht

    Nestlé selbst versteht nicht, warum es immer kritisiert wird, schreibt das Unternehmen auf seiner Homepage. Gleichzeitig räumt der Nahrungsmittelkonzern ein: „Ja, wir haben in der Vergangenheit Fehler gemacht. Aber diese haben wir systematisch korrigiert und das direkte Gespräch mit Kritikern gesucht.“ Bleibt nur die Frage, warum es dann immer wieder neue Skandale gibt.

    Mehr: Das sind die Produkte und Marken des Schweizer Nahrungsmittelriesen Nestlé

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