Lebensmittelskandal Pferdefleisch auch in deutschem Supermarkt

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Briten haben restlose Aufklärung versprochen

Über einen Zwischenhändler in Luxemburg seien Produkte in größerem Umfang nach Deutschland und Nordrhein-Westfalen geliefert worden, bei denen der Verdacht eines Verstoßes gegen die Kennzeichnungspflicht bestehe. Die Produkte seien zwischen November 2012 und Januar 2013 geliefert worden.

Großbritannien und Irland drängen nun auf Genproben an Lebensmitteln. „Ich würde gerne so schnell wie möglich DNA-Tests [...] bei der Verarbeitung und bei den Endprodukten sehen“, sagte Großbritanniens Landwirtschaftsminister Owen Paterson vor einem Krisentreffen mit mehreren europäischen Kollegen am Mittwochabend in Brüssel. Paterson bezog sich nur auf verarbeitete Lebensmittel.

Auch der irische Landwirtschaftsminister Simon Coveney hoffte auf europäische Regeln für Gentests am Fleisch: „Wir haben jetzt die Technologie, um Lebensmittel zu testen und genau herauszufinden, was drin ist.“

Beide Minister forderten zudem, die EU-Kommission solle sich bei der Erstellung eines aktuellen Gutachtens beeilen. Dabei geht es um Herkunftsangaben für Inhaltsstoffe in verarbeiteten Lebensmitteln. Nach geltendem EU-Recht müssen zwar die Stoffe genannt werden, aber nicht ihr Ursprungsland.

„Ich denke, wir können uns darauf einigen, dass die Herkunftsländer auf diesen Produkten genannt werden“, sagte der Brite Paterson. Auch Benoît Hamon, Frankreichs beigeordneter Minister für Verbraucherangelegenheiten, erklärte: „Wir wünschen, dass die europäische Reglementierung sich so weiterentwickelt, dass die Herkunft von Fleisch auf den Etiketten von Fertiggerichten vorkommt.“

Bei dem Treffen dabei waren Minister oder andere Vertreter der betroffenen Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Luxemburg, Schweden, Rumänien, Polen und Irland. Auch die EU-Kommission war vertreten.

Sie forderte von den Mitgliedstaaten zusätzliche Tests. Damit solle ermittelt werden, in welchem Ausmaß der Fund von nicht deklariertem Pferdefleisch in Lebensmitteln auf Betrug zurückzuführen sei, erklärte der EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz, Tonio Borg, am Mittwochabend in Brüssel. Die EU-Regierungen sollen am Freitag über die Vorschläge abstimmen. Außerdem empfiehlt die Kommission Untersuchungen bei europäischen Firmen, die Pferdefleisch verarbeiten. Geprüft werden soll, ob sich Tiermedizin-Rückstände in dem Fleisch befinden, die ein Gesundheitsrisiko darstellen.

Lebensmittelkontrolleure hatten zuerst in Irland festgestellt, dass Rindfleischprodukte auch Pferdefleisch enthielten. Betroffen waren etwa Hamburger. Inzwischen weitet sich der Skandal auf immer mehr Länder aus. Zu den betroffenen Firmen gehört die Supermarktkette Tesco oder Burger King. Eine besonders große Empörung gab es in Großbritannien, wo der Verzehr von Pferdefleisch weithin abgelehnt wird.

Nach dem Fund von Pferdefleisch bei zwei Verarbeitungsbetrieben in England und Wales haben die britischen Behörden die restlose Aufklärung des Fleischskandals versprochen. Die Lebensmittelaufsicht FSA werde ermitteln, „bis es nichts mehr zu finden gibt“, sagte der Leiter der Ermittlungen bei der Behörde, Andrew Rhodes, am Mittwoch dem Sender BBC.

Die Behörde hatte die beiden Betriebe am Dienstag sofort geschlossen. Der Betreiber eines Schlachthofs in der Grafschaft Yorkshire in Nordengland steht unter dem Verdacht, geschlachtete Pferde an einen Betrieb in der Grafschaft Pembrokeshire in Wales weitergegeben zu haben. Das Fleisch wurde vermutlich zu Burger-Frikadellen und Kebabs verarbeitet und als Rind verkauft.

Skandal könnte von Rumänien ausgegangen sein
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17 Kommentare zu "Lebensmittelskandal: Pferdefleisch auch in deutschem Supermarkt"

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  • Wieso ist wieder REAL dabei?
    Kaufen, vom vertrauenswürdigen Fleischer/Händler? Sicher richtig, aber wer hat soviel Geld, außer Millionäre und Politiker? Die Meisten sicher nicht!

  • @kuac
    In dem man sich schlau macht. Kann doch wohl nicht sein das die Volksbildung dahin geht, nicht mehr zu wissen was der Metzger vor seinen Augen in den Fleischwolf wirft.
    Aber ich habe das Gefühl, und es wird immer stärker, 30 Jahre Bildungspolitik trägt ihre Früchte. Dagegen hilft auch kein Verbraucherschutz, wenn die Verbraucher sich wirklich alles vorsetzen lassen ohne zu hinterfragen wo die Lebensgrundlagen herkommen und wie diese auszusehen haben. Wer sich jeden Dreck durch die "Fressluke" treiben läßt, muß eben auch mit Nährstoffverlusten und seinen Folgen leben. Da hilft weder Mutti, noch Aigner, noch Stiftung sonstwas.

  • Real ist bekannt dafür
    Vor ein paar Jahren war es der Gammelfleisch Skandal. Real gehört zur Metro Gruppe und dort gibt es nur eines Gewinnoptimierung egal wie...

  • Zunächst: Guten Morgen, Frau Aigner! Hinweise gab es ja wohl schon Mitte Januar, oder? Zur Qualität des Pferdefleisches: Es handelt sich kaum um alte Ackergäule. Eher um "Überbestände". In Rumänien trat um 2000 eine Pferdekrankheit auf und die Einfuhr von Pferden in die EU wurde 2003 verboten. Nach dem nun wahrscheinlich auch der Export in den Mittelmeerraum auf Grund von Protesten ebenfalls getoppt wurde (Medien haben berichtet) konnte man die Pferde nur noch schlachten und vorteilhaft verscherbeln. Leicht Dank lascher Gesetze und kontrollen und mit der nötigen kriminellen Energie!

  • Die Lieferwege scheinen vor allem bei Fleisch generell sehr ominös zu sein - das fällt bei jedem Skandal auf.
    Auch die kriminelle Energie ist - gefühlt - höher. Und das bei gleichzeitig höherer Gesundheitsgefahr und noch schlechterer Kontrollmöglichkeit durch den Verbraucher wie bei anderem.
    Mein Stichwort den Fleischkonsum drastisch zu drosseln war "Fütterung von Tieren mit Industrieabfällen", das jetzige "Pferdefleisch aus Rumänien" (das ja NIEEE irgendwelche Regeln brechen würde)ist nur noch der Tropfen der das Fass zum überlaufen bringt.

    Anwenden müsste unsere Schutzministerin wirklich mal einiges, aber darauf können wir lange warten.
    Wenn man schon hört "es darf nicht ohne Konsequenzen bleiben"... Merkt die eigentlich, das das genau IHR Job
    wäre die Blutgrätsche auszupacken?

  • Betreffend die Qualität von Pferdefleisch, die mag ja prinzipiell sogar höher sein als von Rind. Aber glaubt ihr, dass selbstlose Rumänen heimlich was besseres liefern als der Händler und/oder der Kunde erwartet? Bestimmt nicht. Die Rechnung geht nur auf, wenn es sich um Fleisch von altersschwachen, kranken Ackerkleppern handelt, die eigentlich nach einem arbeitsreichen Leben kurz vor dem Weg zum Abdecker sind.

  • das wundert ich so oder so, warum man in Europa kein Hundefleisch bekommt ;) nee Spass

    ich kann nur jeden Besseresser empfehlen sich bei örtlichen Jäger zu erkundigen. Gerade in D gibt viel zu viel Wildschweine (in Ostdeutschland besonders schlimm). Aber Achtung:
    - Man bekommt die Sau dann in "Rohform", d.h. man muss da noch viel Handarbeit machen, wozu nicht jeder qualifiziert bzw. fähig ist.
    - Manche Jagdgebiete sind nachwievor radioaktiv belastet wegen Tschernobyl (z.B. Südbayern kann man vergessen).
    - Es schadet nicht das Fleisch nochmal überprüfen zu lassen.
    - Man braucht eine große Kühltruhe.
    Aber günstiger kommt man in keinem Supermarkt zu so hochwertigen Fleisch. Und außerdem ist es ziemlich umweltfreundlich: Kein unötiger CO2-Austoß durch Transport quer durch Europa, nicht mit mehr Medikamente vollgepumpt als nötig (z.B. wg Tollwut), keine Umweltbelastung durch industrielle Mastbetriebe, usw. Ein "umweltbewusster" Konsument dürfte eigentlich garkein Fleisch im Supermarkt kaufen...

  • ich habe nix gegen Pferdefleisch (hmm lecker), aber ich denke dass Verbraucher sich wenigstens darauf verlassen sollten, dass auch "drin ist was drauf steht". Dieses Motto scheint im europäischen Binnenmarkt ja noch nicht mal eine "Vision", sondern eher ein "Traum" zu sein.

    Aus irgendeinen Grund glaubt die EU, dass eine McDonaldisierung von Lebensmittel genau das seie was das Volk wolle. An diesen Missverständnis ist ökonomisch schon die Sowjetunion und ihre Satellitenstaaten gescheitert: Die haben auch total effizient lauter Güter hergestellt, die keiner wollte.

  • @netshadow
    "....Der Verbraucher selbst kann diesem Spuk ganz schnell ein Ende bereiten. Er muß nur dort einkaufen wo er auch sehen kann was ins Gehackte kommt...."
    --- Und wo müssen die 80 Millionen Verbraucher hin um in den Genuss des von Ihnen gepriesenen Gehacktes zu kommen? Und wie erkennt man optisch die gehackte Fleischsorte oder die Mischungsverhältnisse (zB. Rind+Pferd), wenn es sich um gemischtes Hackfleisch handelt?

  • "Und so wird sich wieder nichts ändern, die Lobby ist zu stark und der Verbraucher hat hierzulande keine Lobby!"

    Sehe ich anders, er schafft sich keine Lobby. Der Verbraucher selbst kann diesem Spuk ganz schnell ein Ende bereiten. Er muß nur dort einkaufen wo er auch sehen kann was ins Gehackte kommt, wie das Obst und Gemüse wächst und wie die Kuh auf der Weide aussieht, und seine Chips selbst röstet.
    Zeit genug hätte unsere schöne Spaßgesellschaft dazu.

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