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Lebensmittelverpackung Auch Aldi will jetzt Plastik reduzieren – Andere Händler sind da schon weiter

Der Discounter will bald Geld für Obst- und Gemüsetüten nehmen. Doch das ist nur ein kleiner Beitrag zur Plastikvermeidung.
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Der Discounter will den Plastikverbrauch eindämmen. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Kunde im Aldi

Der Discounter will den Plastikverbrauch eindämmen.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

DüsseldorfEinmal mehr sieht sich Aldi als Branchenvorreiter. Ab Sommer will der Discounter als erster deutscher Händler die kostenlosen Tüten für loses Obst und Gemüse, die sogenannten Knotenbeutel, abschaffen. Stattdessen soll es Beutel aus nachwachsenden Rohstoffen geben, die pro Stück einen Cent kosten. Alternativ soll es dann ab Herbst auch wiederverwendbare Mehrwegnetze geben.

Aldi Süd und Nord erhoffen sich davon eine deutliche Einsparung von Plastik. Vorbild ist die Einkaufstüte, die Aldi wie viele andere Händler seit drei Jahren nur noch gegen Entgelt ausgibt. Der Verbrauch sei dadurch branchenweit um zwei Drittel zurückgegangen.

„Die Zahlen bestätigen, dass die Bepreisung der Plastiktaschen Verbraucher sichtlich zum Umdenken bewegt hat. Ein ähnliches Prinzip verfolgen wir mit dem symbolischen Cent für unsere Einwegtüten im Obst- und Gemüsebereich“, sagt Kristina Bell, Einkaufsmanagerin von Aldi Süd.

Doch diese Knotenbeutel sind nur ein kleiner Teil des Problems. Denn in den Supermärkten liegt ein Großteil der frischen Lebensmittel bereits ohnehin in Kunststoffverpackungen im Regal. Und das gilt gerade für die Discounter. Aus Sicht der Konkurrenz entwertet das etwas den Vorstoß von Aldi. „Klassisch haben Knotenbeutel im Discount kaum Bedeutung“, sagt ein Edeka-Sprecher. „Es gibt wenig lose Ware, sondern die meisten Artikel sind in Plastik verpackt.“

Das bestätigt eine Stichprobenuntersuchung des Verbraucherzentrale Bundesverbands in 42 Filialen der wichtigsten acht Lebensmittelhändler. Sie ergab, dass Obst und Gemüse im Schnitt zu fast zwei Dritteln ohnehin schon in Kunststoff verpackt sind. Die höchsten Quoten haben danach die Discounter. So haben die Verbraucherschützer bei Penny und Aldi eine durchschnittliche Plastikquote von 81 und 74 Prozent ermittelt. Bei Edeka dagegen lag sie in der Untersuchung bei nur 48 Prozent.

Dazu kam: Unverpacktes Obst und Gemüse war häufig teurer. Das galt für deutlich mehr als die Hälfte der untersuchten Waren. Das heißt, dass viele Händler auch durch ihre Preispolitik den Griff zur Plastikverpackung fördern.

„Es reicht nicht, Verbrauchern Mehrwegnetze anzubieten, wenn sie dann überwiegend vorverpackte Produkte in den Regalen finden“, kritisiert Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Der Handel sei in der Pflicht, das Angebot an unverpacktem Obst und Gemüse zu vergrößern. „Einige Läden zeigen bereits, dass das geht. Vor allem Discounter müssen ihre Hausaufgaben noch machen“, sagt Müller.

Bei den Plastikverpackungen geht es um riesige Mengen: Berechnungen des Naturschutzbunds Deutschland zufolge könnte bei den deutschen Einzelhändlern Verpackungsmaterial mit einem Gesamtgewicht von rund 93.000 Tonnen pro Jahr eingespart werden. Doch gerade Bioprodukte werden in den Supermärkten häufig noch in Folie verpackt angeboten. Schuld daran ist eine EU-Verordnung, nach der alle Bioprodukte entsprechend gekennzeichnet sein müssen.

Doch auch dafür gibt es Lösungen, beispielsweise Klebeetiketten. Immer öfter eingesetzt wird auch das sogenannte Natural Branding. Bei diesem Verfahren wird mittels eines Lasers die oberste Pigmentschicht der Schale teilweise entfernt und damit ein Schriftzug imprägniert. Das sieht dann in etwa wie ein Tattoo aus.

Eines der führenden Unternehmen, das diese Technologie entwickelt, ist der Mittelständler Bluhm Systeme GmbH aus Rheinland-Pfalz. Das Unternehmen, das die Lasergeräte anbietet, arbeitet mit zahlreichen Lebensmittelhändlern zusammen, die das Verfahren testen.

So setzt auch der Discounter Netto künftig Natural Branding ein, um bundesweit zumindest Biogurken nicht mehr in Folie anzubieten. Seit 2018 wendet der Händler das Verfahren schon bei Bioingwer an – und spart allein damit nach eigenen Angaben pro Jahr 43 Tonnen Plastik ein.

Supermarktketten wie Rewe und Edeka haben Natural Branding schon seit einiger Zeit bei einem Teil des Sortiments im Einsatz. Rewe beispielsweise kennzeichnet bundesweit die Biosüßkartoffeln oder Bioavocados damit. Auch Edeka versieht immer mehr Produkte mit den Laserlabeln – und hat auf diese Weise schon mehr als 50 Tonnen Plastik pro Jahr eingespart.

Edeka bietet seit drei Jahren Mehrwegnetze an

Die Knotenbeutel jedoch geben sowohl Rewe als auch Edeka weiterhin kostenlos ab – und wollen dem Vorbild von Aldi auch nicht folgen. „Aus unserer Sicht wird der Preis von einem Cent nicht reichen, um das Bewusstsein beim Verbraucher zu beeinflussen“, sagt ein Edeka-Sprecher.

Der Händler bietet schon seit drei Jahren Mehrwegnetze für Obst und Gemüse an und hat damit mehr als 100 Millionen Knotenbeutel eingespart. Auch Rewe und Penny stellen ihren Kunden bereits die Mehrwegnetze zur Verfügung.

Um zu prüfen, was bei der Einsparung von Plastik wirklich möglich ist, führt Rewe schon seit Ende April in rund 630 Märkten einen Test durch: Die Märkte werden im Bereich Bioobst und Biogemüse weitestgehend auf Plastikverpackungen verzichten oder umweltfreundlichere Verpackungen einsetzen. Das Unternehmen erhofft sich von diesen Maßnahmen mindestens eine jährliche ‧Einsparung von gut 90 Tonnen Verpackungsmaterial, davon rund 55 Tonnen Kunststoff.

Der Biosupermarkt Alnatura hat Anfang 2019 auf Mehrwegnetze umgestellt und bietet schon gar keine Knotenbeutel mehr an. Einzig für feuchten Salat und andere Sonderprodukte werden dünne, recycelbare Plastiktüten zur Verfügung gestellt. Doch diese sind, anders als künftig bei Aldi, ausgerechnet beim Biopionier Alnatura nicht aus Biokunststoff, sondern aus herkömmlichem, erdölbasiertem Plastik.

Biokunststoff, so Alnatura, werde zwar aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und habe einen niedrigeren CO2-Fußabdruck, werde jedoch häufig aus genetisch verändertem Mais hergestellt, führe zu einer Überdüngung der Böden und verursache letztlich mehr Feinstaub als herkömmliches Plastik.

Mehr: Immer mehr Unternehmen versuchen, mit grünen Initiativen bei ihren Kunden zu punkten. Sie tun gut daran, das neue Ökobewusstsein als Chance zu begreifen, meint Handelsblatt-Reporter Florian Kolf.

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