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Legalisierung in Kanada Experten mahnen bei Cannabis-Aktien zur Vorsicht

Börsennotierte Cannabis-Firmen erleben einen steilen Aufstieg. Doch den besten Zeitpunkt für den Aktien-Kauf dürften viele Investoren bereits verpasst haben.
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Die Canopy Growth Corporation ist einer der ganz großen Akteure auf dem kanadischen Cannabis-Markt. Quelle: AP
Canopy Growth Corporation

Die Canopy Growth Corporation ist einer der ganz großen Akteure auf dem kanadischen Cannabis-Markt.

(Foto: AP)

OttawaDie Legalisierung von Cannabis hat zu einem Aufschwung in der Cannabis-Industrie geführt. Börsennotierte Unternehmen erleben einen steilen Aufstieg ihrer Aktien. Vor allem die jetzt anstehende Legalisierung von Marihuana in Kanada hat diesen Trend verstärkt. Die Zeiten, günstig in Aktien zu investieren, scheinen vorbei.

„Jetzt einsteigen? Da muss du sehr vorsichtig sein“, meint Brad Poulos, der an der Red Rogers School of Management an der Ryerson-Universität in Toronto lehrt. Er glaubt, dass die Zeiten „monumentaler Gewinne“ hinter uns liegen, denn „der Wertzuwachs war so aggressiv“. Investoren sollten sehr sorgfältig den Markt beobachten, wie es bei jeder Industrie sei. „Man muss ein wirklich guter ,stock picker´ sein um die Aktie zu finden, die den meteoritenhaften Aufstieg fortsetzt.“

Der Markt für Cannabis hat sich mit den Tendenzen zur Legalisierung verändert. Einige US-Staaten haben Marihuana legalisiert, auch wenn es nach Bundesgesetz illegal bleibt. Uruguay ist vor wenigen Jahren als erstes Land den Schritt zur Legalisierung von Marihuana als Freizeitdroge („recreational marihuana“) gegangen, nun folgt als erstes großes Industrieland und erstes G7-Land Kanada. Deutschland hat den medizinischen Einsatz von Cannabis legalisiert, andere Länder folgen.

„Diese Welle der vergangenen ein, zwei Jahre ist schockierend“, sagt Chris Walsh, Mitgründer der in Colorado erscheinenden Zeitschrift „Marijuana Business Daily“. In der ganzen Welt habe sich die Einstellung zu der Droge geändert.

Aber auch er rät Investoren, sich von dem „Hype“ nicht fortreißen zu lassen. Die Cannabis-Industrie sei „eine der kompliziertesten Industrien, die ich gesehen habe“. Sie erlebe Veränderungen, werde Konsolidierung sehen und kleinere Akteure würden verschwinden.

Eine Studie des C.D. Howe-Instituts ergab, dass aufgrund der jetzigen Annahmen über Konsum und Verkauf von Marihuana und Marihuana-Produkten der Staat – Bundesregierung und Provinzen – bis zu 1,3 Milliarden kanadische Dollar durch die spezielle Cannabis-Steuer von einem Dollar pro Gramm sowie die Verkaufssteuern einnehmen könnte.

Kanada hat in den vergangenen Jahren einen rasanten Anstieg der Zahl der staatlich lizenzierten Cannabisproduzenten erlebt. Die Lizenzierung soll den illegalen „grow-ups“, die bislang den Markt beherrschten und versorgten, das Wasser abgraben. Wie das C.D. Howe Institute in Toronto jetzt in einer Studie schreibt, wurden zwischen 2013 und Anfang 2016 nur 27 staatliche Lizenzen an Produzenten, die Marihuana für den medizinischen Konsum erzeugten, erteilt. Bis Ende 2017 war die Zahl auf 84 gestiegen.

Mitte 2018 und damit wenige Monate vor der Legalisierung waren es bereits 112. Von den jetzt genehmigten rund 120 Lizenzunternehmen ist etwa die Hälfte börsennotiert, die meisten von ihnen an der TSX Venture Exchange (TSXV) und der Canadian Securities Exchange (CSE) in Toronto, einige auch an der New York Stock Exchange (NYSE).

Einer der ganz großen Akteure in Kanada ist Canopy Growth Corporation mit Hauptsitz in Smith Falls bei Ottawa. Auf dem Gelände einer früheren Schokoladenfabrik wird nun Cannabis angebaut. Landesweit hat das Unternehmen eine Anbaufläche von etwa 560.000 Quadratmetern, von denen mehr als 75 Prozent mittlerweile lizenziert sind.

Die Canopy-Aktie wurde vor einem Jahr mit etwa 12 kanadischen Dollar an der TSXV gehandelt, Mitte August waren es 32 Dollar. Dann kam die Mitteilung, das der internationale Getränkekonzern Constellation Brands, zu dessen Portfolio unter anderem Corona-Bier und Mondavi-Weine gehören, mit fünf Milliarden Kanada-Dollar bei Canopy einsteigt und damit einen Anteil von nahezu 38 Prozent an dem Cannabis-Produzenten erwirbt.

Dies stärkt nicht nur Canopys Position auf dem Markt für medizinisches und Freitzeit-Cannabis, sondern öffnet auch die Tür zum möglicherweise zukunftsträchtigen Markt für cannabishaltige Getränke. Nach der Mitteilung, dass Constellation Brands bei Canopy einsteigt, gingen die Aktien rasant in die Höhe und wurden zuletzt bei 73 kanadischen Dollar, an der NYSE mit knapp 57 US-Dollar gehandelt. Der Marktwert liegt nun bei schwindelerregenden 17 Milliarden kanadischen Dollar an der TSXV.

Auch die kanadischen Produzenten Tilray, Aurora Cannabis und Aphria haben einen deutlichen Wertzuwachs bei ihren Aktien gesehen. Die Marktkapitalisierung etwa von Canopy liegt nahezu auf gleicher Höhe wie die des Goldproduzenten Barrick Gold.

Greg Taylor, Portfolio-Manager von Purpose Investments in Toronto, erwartet, dass sich in den kommenden sechs Monate klären werde, wer Gewinner und Verlierer der Legalisierung von Marihuana sein werde. David Kretzmann, Analyst bei Motley Fool Canada, das sich auf Cannabis spezialisiert hat, glaubt, dass kanadische Unternehmen bei geschicktem Vorgehen in den kommenden Jahren global eine Führungsrolle spielen können.

Poulos und Walsh empfehlen, einen genaueren Blick auf Unternehmen zu werfen, die sich auf Derivate wie Getränke und Lebensmittel mit Cannabis spezialisieren oder die Serviceleistungen und Technologien für die Cannabis-Industrie anbieten. Dies sei weniger riskant.

Die für die Aufsicht über börsennotierte Unternehmen zuständige kanadische Behörde „Canadian Securities Administrators“ hat dieser Tage die Cannabis-Unternehmen gemahnt, mit ihren Informationen transparenter zu sein. Angesichts des Wachstums und des Interesses an der Cannabis-Industrie müssten Investoren transparente Informationen über die Finanzsituation und Risiken erhalten.

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern bezieht sich dies auch auf Beziehungen, die diese Unternehmen zu den USA haben, und die Reisen, die Mitarbeiter und Führungspersonal in die USA unternehmen. An der Grenze zwischen Kanada und den USA wird nun gezielter nach Cannabis gefragt.

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