Letzte Generation: Klimaaktivisten blockieren Flughäfen in Hamburg und Düsseldorf
Laut der Gruppe Letzte Generation verschafften sich die Aktivisten über den Sicherheitszaun Zugang zum Flughafengelände.
Foto: dpaFrankfurt, Berlin. Mitten in der Ferienzeit haben sich Klimaaktivisten der Gruppe Letzte Generation am Donnerstagmorgen auf den Rollfeldern des Hamburger und des Düsseldorfer Flughafens festgeklebt. Weil Starts und Landungen aktuell nicht möglich seien, sei der Flugbetrieb bis auf Weiteres eingestellt, teilte der Flughafen Hamburg am frühen Vormittag mit.
Gegen zehn Uhr wurde der Flugbetrieb dann wieder aufgenommen. Auch in Düsseldorf kam es zu Einschränkungen im Luftverkehr. Auch dort sind die Flugbahnen laut einer Polizeisprecherin inzwischen wieder frei. Dennoch müssten Passagiere auch in den nächsten Stunden noch mit Verzögerungen rechnen, sagte eine Flughafensprecherin.
Die Aktion trifft Hamburg am ersten Tag der Sommerferien. Nach eigenen Angaben rechnet der Flughafen der Hansestadt eigentlich mit rund 330 Starts und Landungen mit etwa 50.000 Passagieren. Doch wegen der Aktion mussten 17 Ankünfte und 19 Abflüge gestrichen werden. Auch nach Ende des polizeilichen Einsatzes könne es ganztägig zu Flugausfällen und Verzögerungen kommen, teilte die Airport-Führung mit.
Zeitgleich klebten sich am Düsseldorfer Airport Aktivisten fest. Sechs oder sieben Menschen befanden sich nach Angaben eines dpa-Fotografen am Morgen auf der Zufahrtsstraße zur Start- und Landebahn.
Es ist nicht die erste Aktion dieser Art. Vor einigen Monaten hatten Aktivisten der Gruppe bereits den Flugbetrieb in Berlin und München beeinträchtigt. Danach hatten sie sich eher auf den Flugverkehr von Privatjets konzentriert. Auf Twitter schrieben die Umweltschutzaktivisten zu den Aktionen: „Wir protestieren gegen die Planlosigkeit und den Gesetzesbruch der Regierung in der Klimakrise.“
Die Aktivistinnen und Aktivisten durchtrennten nach eigenen Angaben in Hamburg einen Zaun, um auf das Vorfeld des Flugplatzes zu gelangen. Ein Sprecher des Lagezentrums der Polizei bestätigte das Vorgehen. Die Aktion heizt die Debatte über die Sicherheit an Flughäfen an.
Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) sprach von gefährlichen Eingriffen in den Verkehr. Das Bundesinnenministerium kündigte eine Überarbeitung der Sicherheitskonzepte an. „Die Sicherheitsbehörden stehen in engem Kontakt, um mit Blick auf die heutigen Vorfälle die Risikobewertungen erneut anzupassen und Sicherheitsmaßnahmen weiter zu intensivieren“, sagte ein Sprecher dem Handelsblatt.
Das unbefugte Betreten der Flughafengelände durch Klimaaktivisten sei „schnell erkannt“ worden, versicherte der Sprecher. Daraufhin seien „die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz und der Sicherheit des Luftverkehrs und aller beteiligten Personen getroffen“ worden.
Auch der SPD-Innenpolitiker Sebastian Fiedler forderte verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. „Die Flughäfen gehören zur kritischen Infrastruktur“, sagte er dem Handelsblatt. „Wenn es hier Straftätern gelingt, in sicherheitsrelevante Bereiche einzudringen, haben wir erhebliche Sicherheitslücken.“
Fiedler warnte: „Wer es mit Klebstoff auf Rollfelder und in die Nähe von Flugzeugen schafft, schafft das auch mit Sprengstoff.“ Er erwarte daher, dass die Sicherheitskonzepte der Flughäfen „sofort auf den Prüfstand kommen und hier zeitnah nachgebessert wird“.
Absolute Sicherheit an Airports ist kaum möglich
Allerdings ist der Schutz der deutschen Verkehrsflughäfen nicht ganz einfach. In Summe umschließen rund 350 Kilometer Zaun die relevanten Airports. Nach Angaben des Flughafenverbands ADV können diese Zäune in einigen Fällen bis zu 40 Kilometer erreichen. Zudem laufen sie häufig durch Wälder und über Felder. Diese gewaltigen Strecken absolut sicher zu machen, ist fast unmöglich.
Der deutsche Gesetzgeber und die europäische Luftfahrtaufsicht EASA schreiben vor, dass die Flughafenbetreiber auf eigene Rechnung einen Zaun in Höhe von 2,50 Meter errichten müssen. Dieser wird in Kooperation mit der Bundes- und der jeweiligen Landespolizei gesichert.
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Es ist also nicht allein Aufgabe der Betreiber, den Airport zu sichern. Die Aktionen der Klimaaktivisten zeigen allerdings, dass Handlungsbedarf besteht. Während vorne die Passagiere und die Crews penibel kontrolliert werden, bevor sie in den Sicherheitsbereich gelangen, reicht hinten für den Zutritt eine Drahtschere.
Was die „Letzte Generation“ betreibe, sei kein Klimaschutz sondern Kriminalität, sagte Verkehrsminister Wissing dem Nachrichtenportal „T-Online“. Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) erklärte, die Blockierer müssten mit strafrechtlichen Folgen sowie gegebenenfalls auch mit millionenschweren Schadenersatzforderungen rechnen.
SPD-Politiker Fiedler nannte die Klimaaktivisten „Straftäter“, die der Klimapolitik mehr schadeten, als dass sie ihr nutzten. „Insoweit sind sie nicht nur strafbar, sondern auch dumm.“
Polizisten stehen auf dem Flugfeld und versuchen Aktivisten der Gruppe Letzte Generation vom Asphalt zu lösen, nachdem sie sich festgeklebt haben.
Foto: dpaUm sich besser für Protestaktionen zu wappnen, planen mehr als drei Viertel aller Flughäfen, ihre Zaunanlagen aufzurüsten. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der ADV unter den Mitgliedern zu Beginn des Jahres. Zum Beispiel kann einfacher Maschendrahtzaun durch stabile Stabmatten ersetzt werden.
Dazu kommt mehr Sensorik und Videoüberwachung. Auch mehr Personal, das an den Zäunen patrouilliert, ist eine Option. Im Schnitt veranschlagt die ADV dafür Investitionen von rund einer Million Euro pro Kilometer.
Wegen der Aktion kommt es laut dpa zu erheblichen Behinderungen.
Foto: dpaGleichzeitig weist die ADV darauf hin, das es sich um einen „gefährlichen Eingriff in den Luftverkehr“ handelt, wenn der gesicherte Bereich eines Flughafens unerlaubterweise betreten wird. Das könne eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren zur Folge haben. Hinzu kommt Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung.
„Klimaschutz braucht gesamtgesellschaftliche Lösungen: Innovation statt Vorurteile“, sagt Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer der ADV. Die Transformation der Luftfahrt zum nachhaltigen Verkehrsträger habe mit sauberen Kraftstoffen, mit der Hybrid-Technologie und mit wasserstoffbasierten Antrieben längst begonnen.