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Lidl-& Kaufland-Mutter Die Schwarz-Gruppe will künftig Müll vermeiden – und damit Geld verdienen

Die Muttergesellschaft von Lidl und Kaufland startet mit PreZero einen Großangriff auf die Entsorgungsbranche. Die Konkurrenz ist beunruhigt.
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Lidl-& Kaufland-Mutter: Schwarz-Gruppe will Müll vermeiden Quelle: Simon Hofmann//offen-blen.de
PreZero-Arena

Beim Bundesligisten Hoffenheim ist PreZero schon im Einsatz.

(Foto: Simon Hofmann//offen-blen.de)

SinsheimDie PreZero AG hat nicht nur die Namensrechte an dem Stadion des Bundesligisten 1899 Hoffenheim gekauft. Das Entsorgungsunternehmen will die Arena in Sinsheim auch zu einem Vorzeigeprojekt für Nachhaltigkeit machen.

So soll beispielsweise der komplette Rasenschnitt, immerhin zwei Tonnen pro Monat, zu Papier verarbeitet werden. Auch die Styroporbecher für den Kaffee wurden schon durch Behältnisse ersetzt, deren Kunststoff sich leichter recyceln lässt. „Wir wollen im Stadion einen Ort der Ressourceneffizienz schaffen“, sagt Dietmar Böhm, Geschäftsführer von PreZero.

Das Stadion soll ein Aushängeschild werden, aber die Ambitionen sind viel größer. Denn hinter der PreZero AG steht niemand Geringeres als die Schwarz-Gruppe, Deutschlands größtes Handelsunternehmen (Lidl und Kaufland). Ende vergangenen Jahres hat sie den Entsorger Tönsmeier übernommen und mit ihrem eigenen Entsorgungsbetrieb unter dem neuen Namen PreZero verschmolzen. Die Lidl-Mutter ist damit auf einen Schlag zum fünftgrößten Unternehmen in der deutschen Abfallwirtschaft geworden.

Und nun setzt der Händler zum Angriff an. „Wir sehen ein sehr hohes wirtschaftliches Potenzial in diesem Markt“, sagt Thomas Kyriakis, als Bereichsvorstand bei Schwarz für die Tochter PreZero verantwortlich. Den Umsatz von jetzt 500 Millionen Euro will er in den nächsten fünf Jahren um mindestens 50 Prozent auf 750 Millionen steigern – durch neue Großkunden, durch Partnerschaften mit Kommunen, aber auch durch Übernahmen.

Dabei sind diese Zahlen noch konservativ gerechnet. Denn die Schwarz-Gruppe hat jetzt die Lizenz für ein eigenes duales System beantragt. Wenn das voraussichtlich im Jahr 2021 arbeitsfähig ist, kann das Unternehmen bundesweit Verpackungsmaterial lizenzieren und einsammeln.

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Ziel ist es dann beispielsweise, die kompletten Verpackungsabfälle der Schwarz-Töchter Lidl und Kaufland im Alleingang zu verwerten. Aber auch anderen will Schwarz das anbieten. All diese Umsätze aus dem dualen System kämen auf die 750 Millionen Euro noch obendrauf.

„Wir setzen klar auf Wachstum“, bestätigt Gerd Chrzanowski, Vorstandsvorsitzender der Schwarz Zentrale Dienste KG. Sein Kalkül: Viele kleinere Konkurrenten haben das Kapital nicht, um die dringend notwendigen Investitionen zu tätigen. Ihnen will er Angebote zur Zusammenarbeit machen.

Das muss er wohl auch. Die zugekaufte Müllfirma Tönsmeier ist zwar umsatzstark, aber fast nur in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen tätig. Für den Start eines dualen Verpackungssystems hat er hingegen eine flächendeckende Präsenz nachzuweisen.

Schwarz hat dafür das nötige Geld. Allein in diesem Jahr will PreZero einen dreistelligen Millionenbetrag in den Ausbau des Recyclinggeschäfts investieren und zwei neue Sortieranlagen bauen. Auch in Forschung und Entwicklung soll Geld fließen, um ressourcenschonende und umweltverträglichere Verpackungen zu entwickeln. „Wir haben dank der Schwarz-Gruppe eine hohe Finanzkraft im Rücken, und die wollen wir auch nutzen“, sagt PreZero-Geschäftsführer Böhm.

Die Konkurrenz ist deswegen in heller Aufregung. „Lidl und Kaufland besitzen eine wahnsinnige Einkaufsmacht“, warnt Eric Rehbock, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Sekundärstoffe und Entsorgung, vor einer Wettbewerbsverzerrung. So könnte der Handelskonzern künftig seine Lieferanten dazu drängen, die gesetzlich verpflichtete Verpackungsentsorgung über die Konzerntochter PreZero abzuwickeln.

Vielversprechender Vorstoß

Empfindliche Marktanteilsverluste wären die Folge für die neun weiteren dualen Systeme. „Auf Lidl und Kaufland entfällt ein Lizenzvolumen von über 100 Millionen Euro“, berichtet Rehbock, „und damit rund ein Zehntel des gesamten Verpackungsmarktes.“

Davon wäre vor allem Interseroh betroffen, bisher Hauptentsorger von Lidl. Mit Spannung beobachtet der Verband zudem, ob Wettbewerber Aldi dem Discount-Rivalen folgen wird. „Auch Aldi kommt auf ein Lizenzvolumen von 90 Millionen Euro“, berichtet Rehbock. Entsorger ist dort das DSD.

Experten halten den Vorstoß der Schwarz-Gruppe in den Entsorgungsmarkt für vielversprechend – auch wenn der Erfolg nicht garantiert ist. „Das ist ein innovativer, aber mutiger Schritt, der sich noch beweisen muss“, sagt Haluk Sagol von der Unternehmensberatung Inverto, einer Tochter der Boston Consulting Group. In einer Analyse von rund 850 Beratungsprojekten hat Inverto ermittelt, dass die Handelsunternehmen im Bereich Entsorgung ein ungenutztes Einsparpotenzial von durchschnittlich 19 Prozent haben.

„Die Schwarz-Gruppe hat erkannt, welches Potenzial darin besteht, die Entsorgung professionell selber zu organisieren“, sagt Sagol. „Die Entsorgung ist sehr komplex und gehört bei den Händlern nicht zum Kerngeschäft. Deshalb wird dieser Bereich häufig schlecht gemanagt.“

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