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Lieferdienste Liefer-Supermarkt Flink verbündet sich mit Rewe – und holt so im Kampf gegen Gorillas auf

Der Wettbewerb der Zehn-Minuten-Lieferdienste verschärft sich. Der Lebensmittel-Riese Rewe wird zum Zulieferer für den schnellen App-Supermarkt Flink.
04.06.2021 - 08:00 Uhr Kommentieren
Der Lieferdienst liefert Lebensmittel binnen weniger Minuten. Quelle: imago images/Michael Gstettenbauer
Flink

Der Lieferdienst liefert Lebensmittel binnen weniger Minuten.

(Foto: imago images/Michael Gstettenbauer)

Hamburg Der junge, superschnelle Liefer-Supermarkt Flink hat einen starken etablierten Partner gefunden: Rewe übernimmt eine Minderheitsbeteiligung und wird Zulieferer. Zugleich bekommt das erst zum Jahresbeginn aktiv gewordene Start-up insgesamt 240 Millionen Dollar Risikokapital von mehreren großen Investoren, wie Flink am Freitagmorgen mitteilt. Bislang stand Flink im Schatten des Vorreiters Gorillas, der einige Monate Vorsprung hat. Das könnte sich nun ändern.

Denn mit der langfristigen deutschlandweiten Liefervereinbarung mit Rewe bekommt Flink Zugriff auf das eingespielte Beschaffungsnetz des nach Edeka zweitgrößten deutschen Lebensmittelhändlers – und dürfte sich so günstige Einkaufskonditionen und Zugriff auf Eigenmarken sichern. Solche Bedingungen sind ein Plus im Wettbewerb.

Rewe-Chef Lionel Souque zeigte sich in einer Stellungnahme optimistisch: „Wir sind überzeugt, dass wir durch unsere Kooperation im Bereich Ware einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass Flink zur Nummer eins in seinem Segment in Deutschland wird. Zugleich können wir als Rewe Group von der Entwicklung des Marktsegments profitieren.“

Rewe liefert bereits seit Jahren selbst – allerdings mit festen Lieferfenstern und längerem Vorlauf. Souque hatte erst vor wenigen Wochen im Handelsblatt-Interview angekündigt, dass der Handelskonzern sich an weiteren Start-ups beteiligen wird. „Flink ist in diesem Segment ein Vorreiter mit sehr viel versprechenden Perspektiven“, betont Souque.

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    Flink und Gorillas liefern sich derzeit einen Wettstreit um die extrem schnelle Lieferung von Lebensmitteln per Smartphone-App. Aus kleinen Lagern in den Quartieren der Großstädte liefern sie per E-Bike in die direkte Nachbarschaft – und versprechen so Lieferzeiten von nur zehn Minuten. Beide Berliner Konkurrenten expandieren derzeit in schneller Folge in immer neue Städte.

    Hinter Flink stehen erfahrene Köpfe wie der frühere Home24-Vorstand Christoph Cordes. An dem Online-Möbelhändler war Rewe bereits früh beteiligt. Gorillas dagegen ist vom früheren Berater und Branchenneuling Kagan Sümer gegründet worden – und musste zuletzt den Weggang mehrerer Spitzenleute verkraften.

    Flink liefert schon in 18 Städten aus

    Rewe könnte Flink an einer entscheidenden Stelle helfen. Der Einkauf und die Planung der Waren gelten bislang als eine Schwachstelle des Systems der superschnellen Lieferanten.

    Ware ist oft nicht verfügbar, die entsprechende Software für die Analyse und Planung der Lagerhaltung soll noch in der Entwicklung stecken, heißt es etwa aus dem Umfeld von Gorillas. Dennoch wachsen die Berliner – und starten trotz der noch kaum eingespielten Abläufe selbst in umkämpften Städten wie London und New York. Gründer Sümer trägt dabei seine großen Ambitionen gern PR-trächtig nach außen.

    Flink und Gorillas liefern sich derzeit einen Wettstreit um die schnellste Lieferung. Quelle: obs
    Gorillas

    Flink und Gorillas liefern sich derzeit einen Wettstreit um die schnellste Lieferung.

    (Foto: obs)

    Flink gibt sich bislang verschlossener – und konservativer. London meide Flink bewusst, heißt es aus dem Unternehmen. Der Anbieter sucht stattdessen derzeit Arbeitskräfte in vielen deutschen Städten – bis hin zu mittelgroßen Orten wie Bottrop im Ruhrgebiet. Dazu kommen Großstädte in den Niederlanden wie Amsterdam und Den Haag sowie Paris und Lyon in Frankreich.

    Inzwischen gebe es das Angebot in 18 Städten, in denen Flink bereits 50 Lager samt Lieferantenstamm aufgebaut habe, teilte das Unternehmen mit. Alle zwei Tage komme ein neues Lager hinzu. Das ist nötig, weil die Fahrer nur jeweils im Umkreis weniger Kilometer um ein Lager herum ausliefern, um die kurze Lieferzeit gewährleisten zu können.

    Auch bei der Werbung ist Flink bislang weniger offensiv als der bekanntere Wettbewerber: Während Gorillas die Städte mit auffälligen Plakaten mit Slogans wie „2021 in a nutshell: Gorillas“ zukleistert, setzt Flink auf sachlichere Motive in Kooperation mit Markenherstellern wie Ritter Sport. Das hält die Werbekosten niedriger. Flink jedoch setzt stark auf Gutscheincodes, die etwa die Liefergebühr auf null setzen – statt regulär 1,80 Euro.

    Beim eingesammelten Kapital zieht Flink nun fast mit Gorillas gleich, das Ende März 245 Millionen Dollar Risikokapital erhalten hatte – also fast exakt die gleiche Summe wie Flink zuletzt. Gorillas und Flink dürften damit beide mit über einer Milliarde Dollar bewertet sein – und gelten daher als „Einhörner“. Allerdings soll Gorillas derzeit schon wieder neues Kapital in Höhe von rund einer halben Milliarde Dollar suchen, berichteten mehrere Fachmedien.

    Mit der aktuellen Runde für Flink dürften auch Spekulationen vom Tisch sein, wonach das Start-up bereits jetzt komplett an einen Konkurrenten oder etablierten Händler verkauft werden soll. Infrage gekommen wäre neben Gorillas etwa der türkische Anbieter Getir oder der Dax-Konzern Delivery Hero, die beide angekündigt haben, ebenfalls in Deutschland ins schnelle Geschäft mit Lebensmitteln einsteigen zu wollen. Auch der US-Lieferdienst Gopuff könnte nach Deutschland kommen.

    Grafik

    Risikokapitalgeber hinter der aktuellen Flink-Runde sind Prosus, Bond und Mubadala Capital. Sie wollen ihren Teil vom milliardenschweren deutschen Lebensmittelmarkt abbekommen. „Flink bedeutet die seltene Kombination eines großartigen Gründer-Teams, das einen großen Markt angeht, mit einer echten disruptiven Leistung“, erklärt Amer Alaily von Mubadala Capital aus Abu Dhabi in der Mitteilung. Bislang seien nur drei Prozent des deutschen Lebensmittelmarkts vom E-Commerce abgedeckt.

    Edeka hat ebenfalls einen Lieferdienst – doch der ist langsamer

    Das ist auch das Argument der frühen Seed-Investoren: Bei Gorillas war Atlantic Food Labs aus Berlin erster Geldgeber, bei Flink Cherry Ventures. Allerdings nimmt der Wettbewerb absehbar noch weiter zu. Rewes größter Wettbewerber Edeka hat seinen Lieferdienst Bringmeister gerade an die Holding Rockaway verkauft. Die Tschechen wollen den bislang nur in Berlin und München aktiven Onlinehändler in weitere deutsche Städte bringen.

    Doch auch der Hamburger Händler Edeka behält einen Fuß im Markt: Er wird Bringmeister weiterhin beliefern. Außerdem ist Edeka an dem Liefer-Start-up Picnic beteiligt, für das es auch als exklusiver Großhändler einen großen Teil der Waren inklusive vieler Eigenmarken beisteuert. Edeka und Rewe liefern sich so einen indirekten Wettbewerb in dem Markt.

    Dabei geht es auch um den Wettstreit der Konzepte: Lieferdienste wie Bringmeister und Picnic setzen eher auf längere Zeitfenster und wollen so den wöchentlichen Großeinkauf per Lieferwagen zu den Kunden bringen. Flink und Gorillas richten sich stärker an Spontankäufer – und wollen diese schrittweise dazu bringen, größere Warenkörbe zu bestellen. Kehrseite sind hohe Anlaufverluste, die die Finanzierungsrunden abdecken müssen.

    Genau das hatte Rewe-Chef Souque noch vor wenigen Wochen im Handelsblatt-Interview sehr kritisch kommentiert. „Es kommen ja zurzeit sehr viele neue Anbieter, die mit viel Kapital von internationalen Finanzinvestoren in Deutschland expandieren.“ Aber egal, wie viele Milliarden man da reinstecke, irgendwann müsse man damit Geld verdienen. „Das wird sportlich“, betonte Souque.

    Unbekannte Größe in dem Rennen ist der weltweit erfahrene Berliner Lieferdienst Delivery Hero: Für seinen Neustart in Deutschland als Lebensmittellieferant verspricht der Dax-Konzern sogar ein Lieferfenster von nur sieben Minuten. Losgehen soll es noch im Sommer in Berlin. Wie schnell es danach in weitere Städte gehen soll, lässt der Konzern bislang offen.

    Mehr: Delivery Hero startet mit Foodpandas in Berlin neu.

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