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Livello-Gründer Alexander Eissing Gesundes Essen auf Knopfdruck: Dieser Mann macht's möglich

Ungesunde Snacks kommen Alexander Eissing nicht in den Automaten: Der Erbe des Kantinen-Versorgers Apetito will eine Alternative zu Snickers und Pommes bieten.
02.07.2018 - 17:02 Uhr Kommentieren

Neuss n d

Mit seinem Start-up Livello will er gesunde Alternativen zum Kantinenessen bieten – aus dem Automaten. Quelle: Livello Pressebild
Alexander Eissing

Mit seinem Start-up Livello will er gesunde Alternativen zum Kantinenessen bieten – aus dem Automaten.

(Foto: Livello Pressebild )

Hanf-Kakao-Kekse, Rohkostriegel und Salate mit Quinoa, Bulgur oder roten Linsen füllen einen großen Kühlschrank, mit einem Kartenlesegerät neben dem Bambusgriff. Auf die Glasscheibe hat der Hersteller seine Kontaktdaten gedruckt: Bei Fragen [email protected]

Die Livello-Kühlschränke sind Alexander Eissings Antwort auf die Frage nach der Zukunft unserer Essgewohnheiten. Anstatt ungesunder Snacks wie Snickers und Cola finden sich hier nur nahrhafte Zwischenmahlzeiten.

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    Bis hierhin wirkt Alexander Eissing wie ein gewöhnlicher Gründer – begeistert von der eigenen Idee und voller Tatendrang. Aber Eissing hat noch ein weiteres Unternehmerleben: Er ist auch Erbe des Cateringriesen Apetito, einem Konzern mit einem Umsatz von 829 Millionen Euro und mehr als 8.000 Mitarbeitern.

    Einer der Hauptabnehmer des Lieferservice: Kantinen in Unternehmen und Schulen. Der 34-Jährige verzichtet nicht nur auf den Einstieg ins operative Geschäft, er entwickelt außerdem ein Geschäftsmodell, dass das des Familienunternehmens teilweise ersetzen könnte.

    Dabei achtet Eissing penibel darauf, sein eigenes Ding zu machen. Er will zeigen, dass er es allein schaffen kann. Deswegen finanziert Eissing sein Start-up bislang vollständig von seinem privaten Vermögen. Doch er würde sich nie von der Familie abwenden. Apetito ist Teil seiner Identität. „Wenn ich in unsere Hauptzentrale in Mutterstadt komme, dann fühle ich mich zu Hause“, sagt Eissing.

    Nahe an zu Hause sind auch die aktuellen Büroräume von Livello. Sie befinden sich in der Nähe von dem Anwesen seiner Eltern. Vom Fenster aus kann Eissing seinen Vater beim Gärtnern beobachten. „In unserem Familienunternehmen arbeiten wir alle aus dem Hintergrund – zuletzt war mein Onkel im Vorstand, aber seitdem ist keiner mehr in das Tagesgeschäft gewechselt“, sagt Eissing.

    Lebensmittel lange gemieden

    Die Möglichkeit, sich zu Apetitos nächstem Vorstand hochzuarbeiten, war da, die passende Ausbildung auch. Nach dem Master in Business Administration und Management gründete er acht Start-ups mit. Mit zweien wurde er erfolgreich: Von Decayenne, einem sozialen Netzwerk für eingeladene Mitglieder, verkaufte er die Technologie.

    Copernica, eine Marketing-Software fusionierte mit einem niederländischen Unternehmen. 2011 ging Eissing dann in die USA, als Kreativdirektor bei der Mediengruppe NBC Universal. Dort kam ihm die Idee zu den Kühlschränken. Mit der Umsetzung begann er erst 2016: Zuvor hatte er die Lebensmittelbranche gemieden, um nicht im Schatten des Familienunternehmens zu stehen.

    Doch jetzt will Eissing eine Marktlücke nutzen. Wenn seine Mittagspause knapp ausfiel, konnte er sich in New York ein Sandwich aus dem Automaten ziehen. An jeder Ecke fand er dort gesunde und schnelle Optionen für sein Mittagessen. Zurück in Deutschland gab es nur das schwere Kantinenessen, Imbissbuden mit Currywurst oder Schokoriegel aus dem Automaten. Livello soll genau hier ansetzen. Mit seinem Geschäftsmodell will Eissing Bequemlichkeit und gesundes Essen miteinander verbinden.

    Statt mit einer Greifzange, die die Produkte in einem verschlossenen Automaten auswählt und in den Ausgabeschacht wirft, kann der Kunde den Livello-Kühlschrank selbst bedienen. Der Kühlschrank funktioniert mit einer selbst entwickelten Sensoren-Technologie, welche die Produkte erkennt, die entnommen werden und meldet.

    Mehrmals die Woche befüllen Lieferanten die Kühlschränke mit den Gerichten. Die Kunden können sich bei dem Kühlschrank per App, EC- oder Mitarbeiterkarte registrieren und ihn dann damit öffnen. Nehmen sie ein Produkt aus dem Kühlschrank und schließen die Tür, wird der fällige Betrag automatisch von ihrem Konto abgebucht. Die Produkte kosten zwischen 1,50 Euro und 4,99 Euro und orientieren sich Eissing zufolge an den regulären Supermarktpreisen für hochwertige Produkte.

    Was die Deutschen in der Kantine am liebsten essen
    Platz 10: Steinofenpizza „Mozzarella-Tomate“
    1 von 10

    Die Apetito AG aus dem westfälischen Rheine ist ein deutscher Großcaterer, als Nummer fünf der Branche beliefert sie Kantinen im ganzen Land. Und: Seit 25 Jahren veröffentlicht sie das Ranking der Menüs, die in ihren Kantinen bestellt werden. Bei der Pizza bevorzugen die Deutschen es mehrheitlich simpel: Tomatensoße und als Käse Mozzarella reichen dem durchschnittlichen Kantinengänger zu seinem Glück. Diese Pizza wurde allerdings nicht für deutsche Büroangestellte, sondern für Camilla, Herzogin von Cornwall und Ehefrau von Prinz Charles, zubereitet.

    Quelle: Apetito AG

    (Foto: Reuters)
    Platz 9: Hähnchengyros
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    Auch das griechische National-Fast-Food erfreut sich großer Beliebtheit in der deutschen Mittagspause – allerdings nicht aus dem traditionellen Schweinefleisch, sondern aus Hähnchen. Dazu wählt die Mehrheit dann wie üblich Zwiebeln – über die Beliebtheit von Tsatsiki und damit einhergehendem Knoblauch-Atem schweigt sich das Ranking allerdings aus.

    (Foto: AFP)
    Platz 8: Lasagne Bolognese
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    Auch der Skandal um Pferdefleisch in der Lasagne konnte den Kantinengängern der Republik das Nudelgericht offenbar nicht verleiden. Das Ranking ergänzt trotzdem vorsichtshalber „vom Rind“.

    (Foto: Reuters)
    Platz 7: Bami Goreng
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    Wieder Nudeln, diesmal in der asiatischen Variante. Das aus Indonesien stammende Wok-Gericht wird in der Regel mit Hühnerfleisch zubereitet und mit süßer oder pikanter Sojasoße gewürzt.

    (Foto: Imago)
    Platz 6: Cappelletti-Pesto-Pfanne
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    Die Cateringbranche wächst – laut Apetito Geschäftsführung auch, weil gesündere Ernährung in der Betriebskantine mittlerweile ein klarer Faktor ist Die Cappelletti (kleine, traditionell gern mit Kürbis gefüllte Nudeln) mit Pesto sind das beliebteste vegetarisches Gericht in der Apetito-Menühitliste und schafft es nun auch bis ins „normale“ Ranking.

    (Foto: Imago)
    Platz 5: Jägerschnitzel
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    Es wird wieder deftiger: Das Schnitzel, vom Schwein, nach Jägerart mit Pilzsoße ist Klassiker und Dauerbrenner beim Kantinenessen. Statt der Pommes Frites werden Röstkartoffeln als Beilage bevorzugt. Das Schnitzel gehört allerdings auch zu den Förderern des gefürchteten „Kantinenkomas“ – einem drastischen Absacken der Konzentration nach dem Essen. Auch deshalb setzen Unternehmen auf gesündere Ernährung.

    (Foto: Imago)
    Platz 4: Köttbullar
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    Nicht nur in den Restaurants einer gewissen schwedischen Möbelmarktkette – auch in den deutschen Kantinen sind Köttbullar ein Renner. Zu den Hackfleischklößchen in Rahmsoße sind dann tatsächlich Pommes die beliebteste Beilage.

    (Foto: dpa)

    Der Gründer hat sich hohe Ziele gesetzt: Bis Ende 2019 sollen 400 Kühlschränke in Hotel-Lobbys, Anwaltskanzleien, Agenturen und mittelständischen Unternehmen stehen. Jeder, der einen Livello Kühlschrank aufstellt, zahlt eine Servicegebühr von bis zu 500 Euro. Der Umsatz aus dem Verkauf der Sandwiches und Salate geht auch komplett an Livello.

    Im Juli steigt Eissing mit den ersten 50 Exemplaren in den Markt ein, für die Hälfte von ihnen hat er bereits Verträge mit Unternehmen abgeschlossen. In der Testphase hatte er zehn Prototypen in verschiedenen Unternehmen und Hotels untergebracht. Besonders in Industriegebieten kam der Kühlschrank gut an.

    Auch Apetito könnte ins Spiel kommen

    „Wenn die Infrastruktur in Büronähe nicht so optimal ausgebaut ist, freut man sich über einen schnell besorgten frischen Snack“, sagt Cornelia Morawietz, Teamleiterin am Empfang beim Beratungsunternehmen Baker Tilly in Düsseldorf.

    Damit sich das Unternehmen tatsächlich weiterentwickeln und die angestrebten 400 Kühlschränke auf den Markt bringen kann, muss Eissing von seiner „Ich schaffe das allein“-Mentalität abrücken und Investoren finden. Genau wie bei der Bestückung des Kühlschranks passt er sich damit an den Markt an.

    Er selbst gibt zu, dass er anfangs eine ideale Welt vor Augen hatte: „Ich wollte die Kühlschränke nur mit Salaten füllen, kein Fleisch anbieten und die Produkte am besten in fair gehandeltem Palmenlaub verpacken“, sagt er. Aber der Kunde will dann eben doch sein Sandwich mit Hühnchen. Manches kann er auch im eigenen Unternehmen nicht ändern.

    Die meisten der anderen Start-ups, die Eissing mitgründete, mussten wieder eingestampft werden. Damit Livello nicht das gleiche Schicksal ereilt, hat Eissing vorgesorgt: „Sollte es mit der Betriebsverpflegung nicht so laufen wie geplant, würden wir uns stärker auf den Verkauf der Technologie oder auf die Entwicklung eigener Produkte fokussieren.“

    Außerdem will er Caterer als Kunden gewinnen und Kooperationen eingehen. Da könnte dann auch Apetito ins Spiel kommen: „Eine Art Zusammenarbeit in der Zukunft ist nicht ausgeschlossen“, sagt Eissing. Ganz kann der Einmannbetrieb dann doch nicht aus dem Schatten des Familienunternehmens treten.

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