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LNG-Tanker in Singapur

Die Nachfrage nach Flüssiggas wächst, die Charterraten steigen.

(Foto: Reuters)

LNG Griechische Reeder setzen auf den Flüssiggas-Boom

Die Nachfahren des Reeder-Tycoons Onassis investieren Milliarden in LNG-Tanker. Branchenexperten warnen vor Überkapazitäten – aber die Griechen wollen gerüstet sein.
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AthenDas Jahr 2018 ging im griechischen Piräus mit einer Premiere zu Ende. Am vorletzten Tag des alten Jahres dockte die „Maria Energy“ in Revithoussa an. Auf der Felseninsel vor Piräus befindet sich ein großes Flüssiggasterminal. Das Schiff kam aus Corpus Christi in Texas und transportierte 150.000 Kubikmeter verflüssigtes Erdgas (LNG). Es war die erste Lieferung von Flüssiggas aus den USA für Griechenland.

Dass es von einem griechischen Tanker transportiert wurde, ist kein Zufall. Die unter der Flagge Liberias fahrende „Maria Energy“ gehört der Tsakos Group, der fünftgrößten griechischen Reederei. Nicht nur Nikolas Tsakos, CEO der Tsakos Energy Navigation (TEN), setzt auf Gastanker.

Kurz vor Weihnachten bestellte die Reederei Gaslog des griechischen Schiffseigners Peter Livanos bei Samsung Heavy Industries in Südkorea zwei weitere LNG-Tanker. Die Schiffe sollen jeweils 178.000 Kubikmeter Gas transportieren. Der Auftragswert beläuft sich auf 378 Millionen Dollar. Bereits im August hatte Gaslog zwei solche Schiffe bei Samsung bestellt.

Schief gehen kann für Livanos bei der Investition eigentlich nichts: Er hat die Schiffe, die in der zweiten Jahreshälfte 2021 ausgeliefert werden, bereits auf sieben Jahre an den amerikanischen Energiekonzern Cheniere verchartert. Das im texanischen Houston beheimatete Unternehmen betreibt Pipelines und Terminals für den Export von verflüssigtem Schiefergas – wie es jetzt die „Maria Energy“ aus Texas nach Revithoussa brachte.

Die griechischen Reeder wollen an dem Flüssiggas-Boom mitverdienen. Die Werften in Fernost haben 2018 insgesamt 65 Bestellungen für LNG-Tanker in die Bücher genommen. 33 dieser Orders kamen aus Griechenland. Insgesamt haben die griechischen Reeder im vergangenen Jahr Schiffe im Wert von 8,9 Milliarden Dollar geordert. Zwei Drittel der Auftragssumme entfallen auf Gastanker.

Ihrem untrüglichen Gespür für die Trends in der Frachtschifffahrt verdanken die griechischen Reeder ihren Erfolg. Sie verfügen über die weltgrößte Flotte und kontrollieren ein Fünftel der globalen Tonnage, vor Japan, China und Deutschland.

LNG als neuer Erlösbringer

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es griechische Reeder wie Livanos, Niarchos, Lemos und Latsis, die mit ihren Tankern die internationalen Öltransporte dominierten. Der „Tankerkönig“ Aristoteles Onassis wurde damals als Retter der deutschen Werftindustrie gefeiert, weil er in den Nachkriegsjahren in Bremen, Kiel und Hamburg 18 Schiffe bauen ließ. Der Stapellauf der „Tina Onassis“, des damals größten Tankers der Welt, wurde 1953 in Hamburg zu einem von 100.000 Schaulustigen gefeierten Volksfest.

War bisher das Erdöl für die griechischen Reeder das „schwarze Gold“, setzen sie jetzt auf LNG als die Ladung, mit der sich schnell viel Geld verdienen lässt. LNG (Liquified Natural Gas) entsteht, wenn man Erdgas auf eine Temperatur von minus 165 Grad herunterkühlt. Es wird dabei auf ein 600stel seines Volumens komprimiert.

So lässt es sich in flüssiger Form in Tankern transportieren. Abnehmerländer werden dadurch von Pipelines und Lieferanten unabhängiger. LNG hat den Gashandel flexibler und zu einem weltumspannenden Geschäft gemacht.

2018 stand bei den griechischen Reedern ganz im Zeichen der Gastanker. Die Livanos-Reederei Gaslog fährt bereits mit 26 LNG-Tankern, weitere neun sind im Bau. Die Firma TMS Cardiff Gas des Reeders George Economou. hat 2018 insgesamt acht Gastanker bei zwei Werften bestellt. Der Reeder Vangelis Marinakis gab vier Gastanker in Auftrag.

Nicht nur Livanos legte zum Jahresende noch rasch bei den Bestellungen nach. Anfang Dezember orderte die Reederfamilie Angelicoussis für ihre Firma Maran Gas bei der koreanischen Daewoo-Werft zwei Gastanker im Wert von 370 Millionen Dollar.

Die LNG-Flotte der Familie Angelicoussis wächst mit den neuen Schiffen auf 37 Einheiten. Davon sind 27 bereits in Betrieb und zehn im Bau. Die Angelicoussis Shipping Group festigt damit ihre Position als größter griechischer Reeder. Die Gruppe kontrolliert 125 Schiffe mit einer Transportkapazität von 24 Millionen DWT.

Die griechischen Reeder haben nicht nur früher als ihre internationalen Konkurrenten den Trend zu LNG-Tankern entdeckt. Sie haben auch das Design der Schiffe maßgeblich beeinflusst, beispielsweise bei der Entwicklung besonders leichter Gastanks. Eine Innovation ist auch die „Boris Sokolov“. Der Gastanker wurde im Auftrag der griechischen Reederei Dynagas auf einer Werft im chinesischen Guangzhou gebaut und vor vier Wochen dem Betreiber übergeben.

Die Besonderheit des 214 Meter langen Schiffes, das 45.000 Kubikmeter verflüssigtes Erdgas transportiert: Die „Boris Sokolov“ ist ein Polartanker und kann bis zu 1,80 Meter dickes Eis durchbrechen. Das Schiff soll Flüssiggas von der Halbinsel Jamal in der Arktis zu den Abnehmern in aller Welt transportieren. Kein anderer Tanker kann bisher Jamal ganzjährig anlaufen.

Die griechischen Reeder versprechen sich von ihren Milliardeninvestitionen in die neuen LNG-Tanker eine gute Rendite. Denn die Nachfrage nach Flüssiggas wächst, die Charterraten steigen. Katar setzt für seine Gasexporte in großem Stil auf LNG, wie auch die USA, Ägypten, Algerien und Australien.

Die größten Abnehmer sind Japan, Südkorea und China. Die Chinesen importierten in den ersten elf Monaten 2018 fast 48 Millionen Tonnen Flüssigerdgas – 44 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Anteil am Energieverbrauch dürfte stark ansteigen

Weltweit sind derzeit rund 100 LNG-Tanker im Bau. Viele Experten warnen bereits vor Überkapazitäten. Deshalb halten sich auch deutsche Reeder mit Bestellungen von Gastankern eher zurück.

Die griechischen Schiffseigner sehen das anders. Anfang der 2020er Jahre werde es zwar ein Überangebot an LNG-Tonnage geben, sagen Branchenexperten in Piräus. Mit dem weiteren Ausbau der globalen Terminal-Infrastruktur werde aber etwa ab 2023 die Nachfrage nach Flüssiggas-Transportkapazität stark ansteigen. Und dafür wollen die Reeder von Piräus gerüstet sein.

Noch hat LNG am weltweiten Erdgasverbrauch einen Anteil von nur zehn Prozent. Aber nach einer Schätzung des Energiekonzerns BP könnte es im Jahr 2035 bereits die Hälfte des global gehandelten Gasvolumens ausmachen.

Für Länder in Mitteleuropa, die ein gutes Pipelinenetz und eine direkte Anbindung an Förderländer haben, wie Deutschland mit der Ostseepipeline Nord Stream, mag das relativ teure LNG noch eine untergeordnete Rolle spielen. Deutschland hat bisher kein eigenes LNG-Terminal. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat sich aber dafür ausgesprochen, eine Flüssiggas-Infrastruktur aufzubauen.

Auch die USA drängen Deutschland, sich für LNG zu öffnen. Um eigene Terminals wird Deutschland schon deshalb nicht herumkommen, weil LNG in der Handelsschifffahrt als Ersatztreibstoff für das extrem umweltbelastende Schweröl in Zukunft eine wachsende Rolle spielen dürfte. Die „Aida Nova“ fährt bereits als erstes Kreuzfahrtschiff mit Flüssiggas statt Diesel.

Für Peripherieländer wie Griechenland bekommt Flüssiggas schon jetzt wachsende Bedeutung. Noch ist Revithoussa, wo die „Maria Energy“ ihre Ladung löschte, das einzige griechische LNG-Terminal. Aber eine zweite große Anlage entsteht jetzt beim nordgriechischen Hafen Alexandroupolis.

Dieses Terminal könnte osteuropäische Länder unabhängiger von russischen Gaslieferungen machen. Deshalb fördert die Europäische Union das Projekt, und die USA unterstützen es politisch. Bulgarien hat bereits Interesse an einer Beteiligung geäußert.

Auch beim Terminal in Alexandroupolis ist ein griechischer Reeder im Spiel: An dem Betreiber Gastrade hält Peter Livanos mit seinem Unternehmen Gaslog 20 Prozent der Anteile. Mit der Beteiligung an dem Terminal kann Livanos am erwarteten LNG-Boom gleich doppelt verdienen – auf See und an Land.

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