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Schwerlast-Transport von Schenker in Italien

Bei der Bahntochter dreht sich erneut das Führungskarussell.

(Foto: Deutsche Bahn AG)

Logistik Bahn-Tochter Schenker baut den Vorstand um

Die Spedition der Deutschen Bahn richtet sich neu aus. Drei frische Manager sollen den europäischen Logistik-Riesen internationaler machen.
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Düsseldorf Zum Jahreswechsel wird Alexander Doll, so viel ist bekannt, bei der Deutschen Bahn zusätzlich das Finanzressort übernehmen. Bis dahin aber möchte der gelernte Investmentbanker noch bei der Speditionstochter Schenker aufräumen.

Nach Informationen des Handelsblatts aus Aufsichtsratskreisen von Schenker steht dem dortigen Vorstand ein umfangreicher Umbau bevor. Drei neue Manager sollen einziehen, die Führung des Logistikunternehmens wird von sechs auf sieben Posten aufgestockt.

Frachtchef Ewald Kaiser wird der Vorlage zufolge das Unternehmen verlassen, Tom Schmitt, Chef der Kontraktlogistik, war bereits im Sommer gegangen. DB-Schenker-Vorstandschef Jochen Thewes genießt das Vertrauen von Doll.
Erst seit April dieses Jahres bekleidet Doll den neu geschaffenen Vorstandsposten für Güterverkehr und Logistik im Konzernvorstand der Deutschen Bahn. Damit ist er für Schenker und für die Gütereisenbahn DB Cargo verantwortlich. Schenker ist mit 16,4 Milliarden Euro Umsatz, 477 Millionen Euro bereinigtem Betriebsergebnis und 72.000 Beschäftigten die größte Bahn-Tochter.

Die Abgänge soll ein internationales Trio ersetzen, die Aufgaben werden neu verteilt. Das Unternehmen will sich zu den Aufsichtsratsunterlagen nicht äußern.

Der Amerikaner Xavier Garijo wird den Informationen zufolge ab dem 1. Januar die stark wachsende Kontraktlogistik im Schenker-Vorstand verantworten. Darunter fallen langfristige Verträge beispielsweise mit Industriekunden über Transport, Lagerung und auch Montagearbeiten. Garijo arbeitete zuvor unter anderem für die Konsumgüterhersteller Reckitt Benckiser und Revlon, kommt also von der Kundenseite. Das könnte in seinem künftigen Job von großem Vorteil sein.

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Seit Langem schon lagern produzierende Unternehmen Aufgaben bis hin zum Reparaturservice aus und lassen sie durch Logistiker wie Schenker erledigen. Die meisten Unternehmen halten das Outsourcing geheim, weil die Konsumenten nicht erfahren sollten, dass die gekauften Produkte gar nicht vom Hersteller instandgesetzt oder montiert werden.

Die Margen für das Dienstleistungsunternehmen in diesem Geschäft sind deutlich höher als bei reinen Transportaufträgen. Und Schenker erhofft sich offenbar erhebliche Wachstumsperspektiven. Kontraktlogistik machte bei Schenker 2017 zwar nur 16 Prozent des Geschäftsvolumens aus, aber ein Viertel des Betriebsergebnisses.

Wachstum vor allem in Amerika und Asien

Zwei Manager teilen sich in Zukunft das Frachtressort auf, das bislang für 84 Prozent der Umsätze stand und als Megaressort für zu groß angesehen wird. Der Vorstandsposten des künftigen Landtransportchefs geht an Christian Drenthen. Der Niederländer ist seit 2015 im Schenker-Konzern, war bei TNT Express und Fedex und bringt langjährige Erfahrungen für sein Einsatzgebiet mit.

Schenker will vor allem in Asien und Amerika wachsen. Landverkehre machen fast in allen Ländern der Welt bis zu 70 Prozent des gesamten Transportvolumens aus. Daran wird sich auch künftig wenig ändern. Schenker setzt vor allem auf den boomenden E-Commerce, das heißt das Bestellgeschäft in Onlinekaufhäusern durch Konsumenten und damit den Transport von Päckchen und Paketen zu Endkunden.

Der dritte Neuzugang heißt Thorsten Meincke – und wird wohl erst im Laufe des nächsten Jahres zu Schenker kommen. Schenker-Chefaufseher Doll hat den Manager beim Schweizer Konkurrenten Kühne + Nagel abgeworben. Seit 2014 leitet Meincke dort das weltweite Seefrachtgeschäft. Bei Schenker bekommt er noch die Luftfracht dazu.

Diese Personalien soll der Schenker-Aufsichtsrat auf seiner Sitzung am 29. November beschließen. Ziel ist es neben der verstärkten Ausrichtung auf internationales Geschäft ebenso, die größte Bahn-Tochter profitabler zu machen. Meinckes Noch-Arbeitgeber gilt da als Benchmark.

Der Schweizer Wettbewerber Kühne + Nagel ist mit 16,1 Milliarden Euro Umsatz nur unwesentlich kleiner als DB Schenker, wo 2017 16,4 Milliarden Euro zusammenkamen. Die Gewinnmarge (Ebit) liegt aber mit fünf Prozent im Geschäftsjahr 2017 deutlich über der von Schenker mit 2,9 Prozent.

Aufbruch mit Ex-Managern von Fedex und Kühne + Nagel. Quelle: dpa
Alexander Doll

Aufbruch mit Ex-Managern von Fedex und Kühne + Nagel.

(Foto: dpa)

Schenker sieht sich mit seiner Profitabilität im Mittelfeld der Logistikbranche. Das sei „nicht schlecht“, hatte Bahn-Vorstand Doll schon vor einiger Zeit gesagt. Aber der Ansporn, zum Wettbewerber aufzuschließen, dürfte groß sein.

Eher eine grundlegende Sanierung braucht dagegen Dolls zweites Aufgabengebiet. Der Eisenbahngüterverkehr unter Regie der Bahn-Tochter DB Cargo läuft seit Jahren schlecht. Trotz wiederholter und anderslautender Ankündigungen kommt Cargo nicht aus den roten Zahlen heraus.

An der Gütereisenbahn des Staatskonzerns geht auch der seit Jahren andauernde Wirtschaftsboom komplett vorbei. Mehrere Managementwechsel sowohl auf Konzernebene mit Verantwortung für den Schienengüterverkehr wie auch im Vorstand der Cargo AG selbst brachten keine nachhaltige Wende. Jetzt geht der Vertriebsvorstand Raimund Stüer nach nur anderthalb Jahren. Es wird nicht der letzten Wechsel im Cargo-Management sein, vermuten Beobachter.

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