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Logistik Deutsche Airlines fürchten Konkurrenz durch russische Frachtflieger

Die Volga-Dnepr-Gruppe will mit einem deutschen Ableger ins europäische Frachtgeschäft expandieren. Die deutsche Luftfahrt fürchtet massive Wettbewerbsnachteile.
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Die britische Cargologic setzt auf großes Gerät beim Warentransport.
Boeing 747-Frachter

Die britische Cargologic setzt auf großes Gerät beim Warentransport.

FrankfurtAuf den ersten Blick klingt es nicht sonderlich aufregend: Mit fünf zu Frachtmaschinen umgebauten Boeing 737 will die Cargologic Germany in den nächsten Wochen in Leipzig den Betrieb aufnehmen. Das Ziel: Expressfracht auf innereuropäischen Strecken. Doch der neue Ableger der russischen Gruppe Volga-Dnepr (VD) sorgt in der Branche für Ärger. Deutsche Airlines – darunter Lufthansa – fürchten ungleiche Wettbewerbsbedingungen in der Luftfahrt.

„Dass Russland im Luftverkehr nach seinen eigenen Regeln spielt, zeigt die Tatsache, dass Russland bis heute nicht die Transitvereinbarung der Chicago Convention unterzeichnet hat“, warnt Michael Engel, der Hauptgeschäftsführer des Airlineverbands BDF: „Auf diese Weise sind schon heute keine fairen Spielregeln bei Verhandlungen über Verkehrsrechte zwischen Deutschland und Russland möglich.“

Tatsächlich erschwert Russland den Zugang zum eigenen Luftraum für fremde Airlines seit Jahren. Hebel sind die sogenannten „Royalties“, beim Überflug fällige Gebühren. Die sind nicht nur sehr hoch. Allein Lufthansa zahlt nach Angaben von Insidern jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag. Das Geld fließt zum Teil auch noch an die russische Aeroflot, die nach dem Willen der Regierung zu einer weltweit führenden Airlinegruppe ausgebaut werden soll.

In Luftfahrtkreisen wird nun vermutet, dass Russland das Gleiche im Frachtverkehr vorhat – mit der Volga-Dnepr-Gruppe als Kristallisationspunkt. 1990 gegründet, zählt das Unternehmen mit rund 650.000 Tonnen beförderter Fracht (2015) zu den größeren Anbietern. Zum Vergleich: Lufthansa Cargo, eine der führenden Airlines in diesem Markt, schaffte 2017 etwa 1,6 Millionen Tonnen.

Der letzte offiziell von VD genannte Umsatz stammt von 2015 und betrug damals umgerechnet 1,45 Milliarden US-Dollar, bei einem Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 238,8 Millionen Dollar.

Schon seit Längerem beobachten deutsche Airlinemanager die Aktivitäten des russischen Rivalen mit Argwohn. So hat VD zum Beispiel mit der Cargologic Air Ltd. eine Tochter in Großbritannien gegründet, um auch innereuropäische Flüge anbieten zu können. Doch längst werden auch internationale Strecken aus Europa heraus bedient – die britische Cargologic befördert etwa Fracht von Frankfurt über mehrere Zwischenhalte bis nach Hongkong.

Der neue deutsche Ableger soll zwar offiziell die europäische Betriebserlaubnis (AOC) nach einem harten Ausstieg Großbritanniens aus der EU sichern. Nach einem Brexit verlieren britische Airlines ihre Zulassungen in Europa.

Doch deutsche Luftfahrtmanager fürchten, dass vor allem das internationale Geschäft von VD mithilfe des neuen Flugbetriebs noch weiter ausgebaut werden soll. Und das mit staatlicher Unterstützung. Denn der deutsche VD-Ableger – so die Sorge – könnte auf den wichtigen Frachtverbindungen Richtung Asien etwa beim Thema Überflug über Russland gegenüber ausländischen Airlines bevorzugt werden.

„Die deutsche Regierung würde zum Steigbügelhalter russischer Expansionspläne im europäischen Luftverkehr, wenn sie der Cargologic eine deutsche AOC erteilen würde. Das kann weder im Interesse Deutschlands noch Europas liegen“, warnt Engel vom BDF.

Dagegen hat Ulrich Ogiermann, der für die neue Frachtflug-Airline zuständige Managing Director, gegenüber dem Fachportal Cargoforwarder betont, dass man sich ausschließlich auf innereuropäische Expressfracht konzentrieren will, die etwa durch den Onlinehandel entsteht. Allerdings hat VD erst kürzlich eine Kooperation mit dem chinesischen Amazon-Rivalen Alibaba vereinbart.

Luftfahrt-Bundesamt prüft

Die erste Boeing 737 hat Cargologic Germany vor einem Monat nach Leipzig geflogen. Abheben darf die Maschine noch nicht. Cargologic Germany wartet auf die Betriebserlaubnis. Das Luftfahrt-Bundesamt hat den Antrag zur Prüfung dem übergeordneten Bundesverkehrsministerium vorgelegt. Das dürfte in den kommenden Tagen entscheiden.

Sollte die Betriebserlaubnis erteilt werden, würde Cargologic Germany in Wettbewerb mit Lufthansa Cargo treten. Die betreibt zusammen mit DHL das Joint Venture Aerologic – Standort ist ebenfalls Leipzig. Lufthansa will sich nicht äußern. Eine von Ogiermann ins Gespräch gebrachte Kooperation von Cargologic Germany und Lufthansa Cargo wurde aber verhalten aufgenommen.

Doch das Vorpreschen der russischen VD-Gruppe sorgt auch jenseits von Lufthansa für Irritation, denn die Beschränkungen im russischen Luftraum treffen viele deutsche Fluggesellschaften. Suspekt sind Airlinemanagern etwa die Eigentumsverhältnisse von Cargologic Germany. Laut EU-Vorschrift bekommt eine Airline nur dann eine Zulassung in einem EU-Land, wenn sie mehrheitlich in europäischer Hand liegt und aus einem EU-Mitgliedsstaat heraus gesteuert wird.

Hinter VD steht der Oligarch Alexey Isaikin. Er hat nach offiziellen Angaben sowohl einen russischen als auch einen zypriotischen Pass. Angeblich bekam er Letzteren im Zuge des sogenannten „Staatsbürgerschaftsprogramms für Investitionen“, bei dem Zypern rund 4.000 ausländischen Investoren Pässe im Gegenzug für Investitionen ausstellte.

Mit diesem Pass eines europäischen Mitgliedslandes konnte VD schon den britischen Ableger gründen und würde auch die Zulassungsbedingungen für die geplante deutsche Frachtairline erfüllen.

Bleibt die Frage, ob die Fluggesellschaft auch tatsächlich aus Deutschland heraus gesteuert würde. Ogiermann erklärte gegenüber Cargoforwarder, dass das der Fall sei. Alle Voraussetzungen seien erfüllt, Cargologic Germany sei ein selbstständiges Unternehmen. Doch in deutschen Branchenkreisen wird das bezweifelt. Schon finanziell sei der Ableger von Entscheidungen der russischen Mutter abhängig, nennt ein Airlinemanager einen Grund.

Und da ist noch eine Sache, die allen deutschen Fluggesellschaften große Sorgen bereitet, auch jenen, die selbst gar keine Fracht befördern: Mit einer Zulassung als deutsche Fluggesellschaft könnte Cargologic Germany künftig einen Vertreter in das Gremium entsenden, das über die Vergabe von Verkehrsrechten in Deutschland entscheidet – auch über die für Passagierflüge.

„Man stelle sich nur vor, dass bei zukünftigen Verkehrsrechteverhandlungen Vertreter der russischen Airline auf beiden Seiten des Tisches sitzen“, so Engel vom BDF: „Auf der einen Seite ein Vertreter der russischen Muttergesellschaft und auf der deutschen Seite ein Vertreter von deren Tochter Cargologic. Wie soll dann in Verhandlungen deutschen Interessen Rechnung getragen werden?“

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