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Logistik Hohe Sanierungskosten und Pensionslasten – Deutsche Post erlebt schweren Einbruch

Das Paket- und Briefgeschäft muss saniert werden, Pensionslasten drücken auf die Bilanz. Für den Post-Vorstand war das Jahr 2018 „ein Rückschritt“.
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Der jahrelange Konzernchef der Deutschen Post kann 2018 nur ein mageres Ergebnis vorlegen. Quelle: dpa
Post-Chef Frank Appel

Der jahrelange Konzernchef der Deutschen Post kann 2018 nur ein mageres Ergebnis vorlegen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Deutschen Post ist im vergangenen Jahr das Ergebnis weggebrochen. Der Vorstand verspricht aber, schon in diesem Jahr wieder kräftig zuzulegen. Deshalb lenkt Post-Finanzchefin Melanie Kreis den Blick auch auf einen „weiter gefassten Zeithorizont“. Profitabilität müsse auf längere Sicht gesehen werden.

Ziel seien sechs Prozent Ebit-Marge im Konzern, sagte die Vorständin am Donnerstag bei der Bilanzvorlage. Daran ändere auch nichts, dass es in 2018 „einen Rückschritt“ gegeben habe.

In Zahlen heißt das: Der Umsatz stieg zwar um 1,8 Prozent auf 61,6 Milliarden Euro, das operative Ergebnis (Ebit) fiel dagegen um 15,5 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro, der Konzerngewinn sogar um fast ein Viertel auf zwei Milliarden Euro.

Als Gründe führte die 47 Jahre alte Post-Vorständin, die das US-amerikanische „Times Magazin“ gerade neben Angela Merkel zu einer der 100 einflussreichsten Frauen der Welt kürte, unter anderem die mit 502 Millionen Euro hohen Sanierungskosten im Brief- und Paketgeschäft an. Außerdem belasten zusätzliche Pensionslasten und Belastungen aus Kundenverträgen über 92 Millionen Euro sowie neue Bilanzierungsregeln für Leasingverträge das Ergebnis.

Das Geschäftsjahr 2018, so die Botschaft, soll das Jahr der einmaligen Sonderlasten bleiben. Ab jetzt geht es wieder Richtung Ziellinie. 2020 will die Post mindestens fünf Milliarden Euro operativen Gewinn machen. Das bekräftigten Kreis und Postchef Frank Appel.

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Optimismus ist offensichtlich erste Pflicht in Bonn, aus gutem Grund. Im vergangenen Sommer gab die Post eine Gewinnwarnung heraus, kurz nachdem Vorstandsmitglied Jürgen Gerdes das Unternehmen verlassen musste. Gerdes verantwortete unter anderem das Post- und Paketgeschäft. Kreis räumte jetzt ein, dass dort in den letzten Jahren „unterinvestiert“ worden sei.

Die Aktie des Bonner Logistikkonzerns verlor im vergangenen Jahr 40 Prozent an Wert, erholte sich allerdings seit Jahresbeginn wieder von ihrem Tiefststand von 24 Euro. Auch am Donnerstag lag das Postpapier im Plus. Analysten sehen die Post im Rahmen der Erwartungen, die Berenberg-Bank sieht allerdings die Liquiditätsentwicklung mit Sorge.

Post will dennoch weiter investieren

„Man hätte jetzt denken können, dass wir nach einem solchen Jahr wie 2018 auf die Bremse treten“, sagte Kreis. Das Gegenteil sei aber der Fall. Der Konzern werde jetzt jährlich 150 Millionen Euro in die Verbesserung der Produktivität stecken. Die Post kündigte an, 5.000 neue Mitarbeiter in diesem Jahr in Deutschland einstellen zu wollen.

Auch Gefahren durch die Turbulenzen der Weltwirtschaft sieht der Konzern keine. Postchef Appel sagte: „Man muss seine Hausaufgaben machen und nicht immer sagen, es ist alles so schrecklich.“ Bislang habe die schwächelnde europäische Wirtschaft keine Spuren in der Postbilanz hinterlassen. Und Appel erwartet auch keine. Aber selbst für den Fall sei der Konzern gut vorbereitet.

Erneut bekräftigte Appel, dass er den Brexit für „keine gute Idee“ hält. Er kenne kein Land, das mit Protektionismus erfolgreich war, sagte der Konzernchef auch mit Blick auf den Handelsstreit zwischen China, den USA und Europa. Gerade deshalb sei es „wichtig, dass alle Menschen wählen gehen“, um für ein gemeinsames Europa ein Signal zu setzen.

Der Postkonzern ist inzwischen so abhängig vom internationalen Geschäft wie nur wenige Unternehmen. Das Post- und Paketgeschäft in Deutschland trägt nur noch zu einem Viertel des Konzerngewinns bei. Das weltweit ausgerichtete DHL-Geschäft soll in diesem Jahr 3,4 bis 3,5 Milliarden Euro Ebit zum erwarteten Gesamtgewinn von 3,9 bis 4,3 Milliarden Euro beitragen.

Die Spanne der Vorhersage ist deshalb so weit, weil die Post auf die Genehmigung zur Portoerhöhung wartet. Die Bundesnetzagentur wollte 4,8 Cent für Briefe genehmigen. Das ist der Post zu wenig. Der Bundeswirtschaftsminister hatte sich eingeschaltet und nachträglich die Verordnung zur Preisfestsetzung geändert. Appel sagte, es gehe um ein reguliertes Geschäftsvolumen von 2,9 Milliarden Euro. Allerdings: Die Zahl der versandten Briefe sinke, die Kosten stiegen. Das Problem muss der neu bestellte Postvorstand Tobias Meyer lösen. Der ehemalige McKinsey-Berater ist seit 2013 bei der Post und gilt als Mann für schwierige Fälle.

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