Logistikkonzern Deutsche Post erwartet Gewinnrückgang – Aktie verliert bis zu 9 Prozent

Eine Milliarde weniger Gewinn: Die Deutsche Post muss ihre Jahresprognose kassieren. Die Aktie geht auf Talfahrt.
Update: 08.06.2018 - 13:42 Uhr Kommentieren
Deutsche Post: Aktie verliert mehr als 8 Prozent Quelle: Reuters
Frank Appel

Der Post-Chef kassiert seine Gewinnprognose.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfNoch auf der Hauptversammlung Ende April hatte Post-Chef Frank Appel freudig berichtet, das Geschäft laufe planmäßig, die gesetzten Ziele würden für 2018 erreicht. Umso überraschender, dass er am heutigen Freitag die Prognose in weiten Teilen kassierte.

Statt der angepeilten 1,5 Milliarden Euro, die man zuvor als Betriebsgewinn (Ebit) für die Sparte „Post – eCommerce – Parcel“ (PeP) erwartet hatte, werden es in diesem Jahr demnach nur noch 1,1 Milliarden Euro sein. Auch im Gesamtkonzern sei nun nicht mehr mit einem Ebit von 4,15 Milliarden Euro zu rechnen. Stattdessen stellte Appel nur noch 3,2 Milliarden Euro in Aussicht.

Der Dax-Wert brach daraufhin um mehr als acht Prozent ein, erholte sich aber im Tagesverlauf etwas. Dabei hatten bereits die durchwachsenen Ergebnisse des ersten Quartals Ungutes erahnen lassen. Anfang Mai hatte die Post mitgeteilt, ihr Betriebsgewinn sei gerade einmal um 2,3 Prozent auf 905 Millionen Euro gewachsen. Analysten wie Dirk Schlamp von der DZ Bank erklärten, insbesondere die Kostenentwicklung im Brief- und Paketgeschäft habe sie „negativ überrascht“.

Mit der Gewinnwarnung bestätigt die Deutsche Post indirekt einen Bericht des Handelsblatts, wonach sich der Abtritt von Vorstand Jürgen Gerdes an der Spitze der Brief- und Paketsparte nicht ganz freiwillig vollzog. Für den 53-Jährigen hatte der Aufsichtsrat eigens ein neues Ressort geschaffen, in dem er sich nur noch um neue Geschäftsbereiche wie den Streetscooter kümmern soll.

Auf Anfrage des Handelsblatts, ob nach dem Vorstandsumbau mit einer Gewinnwarnung zu rechnen sei, hatte der Konzern ausweichend reagiert. Man sei in einer „Quiet Period“ und dürfe daher zu Prognosen keine Stellung nehmen, erklärte damals eine Sprecherin.

Nun aber äußert Konzernchef Appel in seiner Ad-hoc-Meldung kaum verdeckte Kritik an Gerdes. Die Verlagerung der Aktivitäten mit schrumpfenden Brief- und steigenden Paketvolumina habe „nicht zu einer entsprechenden Anpassung der indirekten Kosten geführt“, erklärte er. „Darüber hinaus hat der Konzern in den letzten Jahren nicht in ausreichendem Maße in die Weiterentwicklung des operativen Geschäfts investiert.“

Das will Vorstandschef Appel, der die Brief- und Paketsparte kommissarisch von Gerdes übernahm, nun nachholen. So kündigt er eine „Reihe von Maßnahmen“ an, mit denen er das „nachhaltige Ergebniswachstum im Unternehmensbereich Post – eCommerce – Parcel“ sichern will.

Sie zielen laut Appel auf eine Verbesserung der Produktivität, der indirekten Kosten und des Ertragsmanagements im Post- und Paketgeschäft. Durch betriebliche Zusatzausgaben von 100 bis 150 Millionen Euro will der 56-Jährige eine positive Ergebnisentwicklung in den Jahren 2019 und 2020 sicherstellen.

„Wir sind sehr zuversichtlich, unsere Ziele für 2020 zu erreichen“, sagte er. Danach soll die PeP-Sparte in zwei Jahren einen Betriebsgewinn von 1,7 Milliarden Euro abwerfen, der Gesamtkonzern fünf Milliarden.

Das Maßnahmenpaket umfasse eine weitere Automatisierung und Digitalisierung des Brief- und Paketgeschäfts. Vor allem die Haustürzustellung will Appel professioneller organisieren. „Letztlich wird dieses zusätzliche Kostenbudget zu einem besseren Kundenservice und einer höheren Produktivität sowie Einsparungen von 150 bis 250 Millionen Euro pro Jahr führen“, verspricht Appel.

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Zudem kündigte er „indirekte Kostensenkungen“ an. So werde der Konzern angesichts des kontinuierlichen Rückgangs der Briefvolumina die Fixkosten reduzieren. Kernelement sei dabei ein Vorruhestandsprogramm, das sich an Beamte richtet, von denen zum Jahresende noch 30.468 im Konzern beschäftigt waren – bei insgesamt 472.208 Vollzeitkräften.

Für dieses Programm, das für 2018 und 2019 geplant ist, fielen dieses Jahr 500 Millionen Euro Restrukturierungsaufwendungen an. Am Ende aber soll es die Kosten jährlich um mindestens 200 Millionen Euro drücken.

Zudem hofft Appel auf eine Entscheidung der Bundesnetzagentur. Sie soll dem Vernehmen nach der Post die Erlaubnis erteilen, das Standardbrief-Porto zum Jahreswechsel um zehn Cent anzuheben.

Doch noch eine schlechte Nachricht für die Aktionäre hielt Vorstandschef Appel bereit. Die für Jürgen Gerdes neu geschaffene Konzernsparte „Corporate Incubations“, ließ er mitteilen, werde 2018 voraussichtlich ein Gesamtjahresergebnis von minus 70 Millionen Euro erzielen.

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