Logistikkonzern Gewinneinbruch bei der Post lässt die Börse kalt

Obwohl die Erträge schwinden, war die Post am Dienstag Hauptgewinner im Dax. Denn Konzernchef Appel will bei der Krisensparte durchgreifen.
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Die Post-Aktie war trotz Gewinneinbruch am Dienstag Spitzenreiter im Dax. Quelle: Reuters
Deutsche Post

Die Post-Aktie war trotz Gewinneinbruch am Dienstag Spitzenreiter im Dax.

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DüsseldorfDer US-Investmentriese Blackrock hatte den richtigen Riecher. Am Ende aber fehlte dem zweitgrößten Anteilseigner der Deutschen Post – allein die bundeseigene KfW-Bank hält noch mehr Aktien – das Börsenglück.

Nur einen Tag vor Bekanntgabe der Quartalszahlen am Dienstag teilte das Finanzunternehmen mit, man habe die Beteiligung auf 5,93 Prozent reduziert und sich von einem Teil der Post-Aktien getrennt. Deren Wert ließ sich – inklusive verkaufter Optionen – auf 325 Millionen Euro errechnen.

Den Pessimismus der Amerikaner bestätigten die Geschäftsergebnisse am Tag darauf. Mit einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 747 Millionen Euro lag der Bonner Dax-Konzern nicht nur elf Prozent unter dem Vorjahresergebnis, sondern auch unter den Erwartungen der Analysten. Die hatten im Schnitt mit 762 Millionen Euro gerechnet.

Der Quartalsgewinn pro Aktie sank von 50 auf 42 Cent, die Erlöse des ersten Halbjahres lagen mit 29,8 Milliarden Euro nur auf dem Niveau der Vorjahresperiode. Zu schaffen macht die Schwäche der Brief- und Paketsparte. Dort ging es zwar seit Jahresbeginn mit den Einnahmen nach oben, gestiegene Kosten für die Zusteller und den Transport aber zogen das Ergebnis herunter.

Im zweiten Quartal beschleunigte sich der Abstieg. So brach das operative Ergebnis der Division Brief/Paket von 260 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf 108 Millionen Euro ein – zum Teil wegen der seit Juni begonnenen Sanierungsmaßnahmen, mit denen die Sparte wieder in Form gebracht werden soll.

Doch selbst ohne die Restrukturierungskosten von 51 Millionen Euro und den zusätzlichen Investitionsaufwand von zehn Millionen Euro, der die Produktion effizienter machen soll, wäre das Ebit abgerutscht.

Trotz der enttäuschenden Zahlen ging es, anders als offenbar von Blackrock erwartet, mit der Aktie um zeitweise 3,8 Prozent auf 30,67 Euro nach oben. Börsianer honorierten die Ankündigung von Konzernchef Frank Appel, dass nun in der unter Druck geratenen Brief- und Paketsparte durchgegriffen werde.

Post Reisen und Allyouneed werden eingestellt

„Die Organisation ist zu komplex“, sagte er am Dienstag im Kreis von Analysten. „Wir haben uns deshalb entschlossen, den Urlaubsveranstalter Post Reisen und den Onlinemarktplatz Allyouneed einzustellen.“

400 Millionen Euro will der Post-Lenker 2018 zudem in ein Vorruhestandsprogramm für Beamte über 55 Jahre stecken. Ab 2020 werde dies den Jahresertrag um 160 Millionen Euro verbessern, versprach er.

Appel, der nach dem Rauswurf von Brief- und Paketvorstand Jürgen Gerdes die Sparte selbst führt, erklärte außerdem: „Wir werden nun unsere Preise und Kosten sowohl im Post- als auch im Paketbereich stärker in den Blick nehmen.“ Konkret will er Rabatte für Großkunden wie Amazon überprüfen, falls diese die verhandelten Paketmengen nicht einhalten.

Die in Aussicht gestellte Preiserhöhung im deutschen Paketgeschäft veranlasste Goldman-Sachs-Analyst Matija Gergolet, das Kursziel bei 45 Euro zu halten. Zu Hilfe eilen der Sparte zudem die übrigen Divisionen der Post, die ihre Erträge weiter steigerten. Im Expressgeschäft setze sich die Stärke fort, wertete Daniel Roeska vom US-Analysehaus Bernstein Research die Quartalsergebnisse. Und der bisher schwächelnde Frachtbereich lege wieder zu.

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