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Logistikkonzern US-Postchef beugt sich der Kritik und sichert pünktliche Zustellung von Briefwahl-Unterlagen zu

Der von Donald Trump ernannte CEO der USPS, Louis DeJoy, will mit seinen Änderungen bis nach den Wahlen warten. Damit reagiert er auf den Vorwurf, die Briefwahl verzögern zu wollen.
18.08.2020 Update: 18.08.2020 - 20:26 Uhr Kommentieren
Die US-Post ist seit Jahren für schlechten Service und marode Finanzen bekannt. Quelle: Reuters
Briefträger im Bundesstaat Michigan

Die US-Post ist seit Jahren für schlechten Service und marode Finanzen bekannt.

(Foto: Reuters)

New York Wer in diesen Tagen einen Brief in den USA verschickt, muss viel Zeit einkalkulieren. Selbst Briefe von New Jersey in den Nachbarstaat New York können eine Woche oder länger brauchen. Vor allem die Demokraten sehen durch die langsame Zustellung bereits die Briefwahl für den 3. November gefährdet und fordern 25 Milliarden Dollar, umgerechnet knapp 21 Milliarden Euro, an Zuschüssen für die Post.

Grund für die langsame Zustellung ist der neue Sparkurs des von Donald Trump ernannten neuen Chefs des United States Postal Service (USPS)  Louis DeJoy. Der hat jedoch am Dienstag überraschend bekanntgegeben, mit seinem neuen Sparkurs doch erst nach den Wahlen richtig loszulegen.

Damit beugt sich der ehemalige Spendensammler von Donald Trump der Kritik, mit seinen Änderungen die Briefwahl behindern zu wollen. Der Logistikexperte DeJoy hatte bereits damit begonnen, Briefkästen und Sortiermaschinen ebenso abzubauen wie die Überstunden der Briefträger. Nur nach heftigen Protesten hat DeJoy am Dienstag nachgegeben.

So teilte er in Washington mit, Briefwahlpost werde „pünktlich und innerhalb unserer gut etablierten Servicestandards“ zugestellt. Reformen, die er angestoßen habe, würden vorerst gestoppt. „Um auch nur den Anschein einer Auswirkung auf die Briefwahlpost zu vermeiden, setze ich diese Initiativen bis nach der Wahl aus.“

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    DeJoy hatte seinen drastischen Kurs mit den hohen Verlusten des staatlichen Brief- und Paketdiensts begründet. Er will den Postriesen wieder in die Gewinnzone bringen und hat dafür bisher auch längere Zustellungszeiten in Kauf genommen.

    Mit der Diskussion um eine mögliche Gefährdung der Briefwahl sind auch die desolaten Finanzen der Post ins Rampenlicht gerückt. Im Geschäftsjahr 2019 hat USPS 8,8 Milliarden Dollar verloren. In den neun Monaten bis Ende Juni häufte die Post bereits ein Minus von 7,5 Milliarden Dollar an.

    „Die Post ist ein Witz“, sagte US-Präsident und Briefwahlkritiker Donald Trump jüngst in Washington. Sie solle ihre Paketpreise einfach vervierfachen, riet er. Außerdem fordert er seit Jahren, dass sie ihre günstigen Konditionen für den Onlinehändler Amazon ändern sollte. Der ist dem Präsidenten schon lange ein Dorn im Auge.

    DeJoy hatte sich von der Kritik an seinem Kurs lange unbeeindruckt gezeigt. Er kündigte sogar an, dass er Wahlbriefe nicht automatisch als „Priority Mail“ einstufen werde, die schneller befördert werden muss.

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    In einem Schreiben an seine Mitarbeiter gab DeJoy sogar zu, dass Briefe und Pakete unter seiner Führung länger brauchen: „Leider hat diese Transformationsinitiative unbeabsichtigte Konsequenzen gehabt, die unseren Service insgesamt verschlechtert haben“, schreibt er dort. Sein Strategieplan werde aber zu finanzieller Stabilität des verlustträchtigen Unternehmens führen.

    An der Misere ist nicht nur das Management der Post schuld. „Der Grund, weshalb USPS so viel Geld verliert, liegt an dem Gesetz aus dem Jahr 2006, das die Post dazu verpflichtet, jedes Jahr 6,5 Milliarden Dollar in einen Fonds für die zukünftigen Gesundheitskosten von Mitarbeitern zu zahlen“, erklärt James O’Rourke, Managementprofessor an der University of Notre Dame.

    Intransparente Bilanz

    Der Post-Kenner O’Rourke ist in diesen Tagen ein gefragter Experte. „Der Gesundheitsfonds ist auch für Post-Rentner geschaffen, die erst in 75 Jahren in Rente gehen. Viele davon sind heute noch nicht einmal geboren.“ Die Post sei die einzige staatliche Behörde, die für die Krankenversorgung ihrer pensionierten Mitarbeiter mit einem solchen Zukunftsfonds aufkommen müsse.

    Ein Blick auf die Ergebnisse der vergangenen 20 Jahren zeigt: In den vier Jahren vor dem Gesetz wies der USPS durchaus Gewinne aus. Danach kommen nur noch rote Zahlen. „Gesundheits- und Pensionskosten stellen signifikante Kosten für uns dar“, schreibt der USPS in der Bilanz für das Geschäftsjahr 2019. „Mit 497.000 Festangestellten und mehr als 600 000 Rentnern und Invaliden, die Zahlungen erhalten, sind unsere Ausgaben für Gesundheits- und Rentenkosten signifikant“, heißt es weiter.

    Wer sich allerdings selbst ein Bild machen will, wie viel Geld die Post für aktuelle und zukünftige Rentner aufwendet, wird schnell entmutigt. Die Gewinn-und-Verlust-Rechnung listet zwar verschiedene Milliardenposten auf. „Aber die Zahlungen in den Zukunftsfonds für Gesundheit etwa tauchen dort gar nicht auf“, kritisiert Wirtschaftsprofessor O’Rourke.

    Das liege auch daran, dass USPS nicht an Rechnungslegungsstandards gebunden sei wie etwa börsennotierte Unternehmen. „Sie halten ihre Zahlen mit Absicht intransparent, damit keiner durchblickt.“  

    Nach Ansicht von O’Rourke sei es gar nicht nötig, weitere Milliarden zuzuschießen. Vielmehr sollte der Kongress stattdessen das Gesetz abschaffen, das die Post zu den jährlichen Zahlungen verpflichtet. „Die bisher zurückgelegten rund 39 Milliarden Dollar könnten dann für das laufende Geschäft gebraucht werden“, schlägt O’Rourke vor.

    Keine Teilverkäufe möglich

    Die pensionierten Mitarbeiter sollten dann in den Genuss von Medicare kommen, der Krankenversicherung für ältere Menschen, die auch Soldaten oder anderen Behördenmitarbeitern zur Verfügung steht. Die garantierten Rentenzahlungen dagegen sollten wie bei Privatunternehmen und einigen Behörden in sogenannte 401K-Pläne umgewandelt werden, bei denen die Mitarbeiter selbst die Investmententscheidungen treffen.

    „Wenn die Post dagegen gar nicht reformiert wird, dann muss sie im nächsten Sommer schließen“, ist O’Rourke überzeugt. Dabei schwebt ihm nicht die Rosskur des neuen Postchefs vor. „Verliert USPS Geld? Ja. Könnten sie effizienter arbeiten? Absolut. Aber ist es nötig in diesen Zeiten, Briefkästen abzubauen und Sortiermaschinen abzuschaffen? Nein“, kritisiert O’Rourke einige der jüngsten Sparmaßnahmen. 

    Der Postchef ignoriere, dass in dem Namen United States Postal Service auch das Wort „Service“ – also Dienst – stecke. Die Post sei per Verfassung dazu verpflichtet, auch das letzte Haus in Montana zu bedienen. Gerade in einem Flächenstaat wie den USA kostet so etwas Geld. Da die Post in den USA immer noch eine staatliche Behörde ist, können Manager auch nicht einfach Unternehmensteile abstoßen, wie sie das bei einem Privatunternehmen tun könnten.

    Die Regierung lege es dagegen darauf an, dass die Post pleitegeht, glaubt O’Rourke. Auf die Frage, ob der Postchef es absichtlich darauf angelegt habe, die Zustellung der Wahlbriefe zu verlangsamen, sagt er: „Wenn man sieht, wie er handelt, ist das die unausweichliche Schlussfolgerung.“

    Mit seiner Entscheidung am Dienstagnachmittag, mit den Neuerungen bis nach den Wahlen zu warten, kommt DeJoy seinen Kritikern aber nun doch entgegen. 

    Mehr: Das Schicksal der US-Wahl liegt in der Hand des Post-Chefs.

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