Ludwig Beck Münchener Nobelkaufhaus vermisst die Russen

Der Münchener Einkaufstempel Ludwig Beck schlägt sich besser als die großen Kaufhausketten. Das Unternehmen leidet zwar darunter, dass weniger Russen nach Bayern reisen. Der Gewinn schießt trotzdem durch die Decke.
Das Unternehmen zeigt, dass man mit Kaufhäusern in Deutschland Geld verdienen kann. Quelle: Imago
Ludwig Beck am Marienplatz

Das Unternehmen zeigt, dass man mit Kaufhäusern in Deutschland Geld verdienen kann.

(Foto: Imago)

MünchenIm dritten Stock, gleich gegenüber der Rolltreppe, da hängt die Ahnengalerie der Ludwig Beck AG. Ein gutes Dutzend Chefs in 155 Jahren, das zeugt von Beständigkeit. Nicht alle Unternehmensführer aber haben es lange an der Spitze des Münchener Kaufhauses ausgehalten. Anfang der 1990er-Jahre etwa wollten die Bayern ganz Deutschland mit Filialen erobern, eröffneten sogar einen Ableger an der Fifth Avenue in New York – und waren danach fast pleite. Der Ausflug war ein Desaster, die Verantwortlichen verloren ihre Jobs.

Danach hat sich die börsennotierte Aktiengesellschaft fast komplett auf das Münchener Stammhaus konzentriert – und ist gut damit gefahren. Mit einer Marge vor Zinsen und Steuern von fast 14 Prozent im vergangenen Jahr steht Ludwig Beck ausgezeichnet da. Wettbewerber Karstadt schreibt schon seit Jahren Verluste, und der Handelskonzern Metro war vergangenes Jahr himmelfroh, als er seine Tochter Kaufhof endlich loswurde.

Ludwig Beck zeigt, dass sich mit einem Kaufhaus in Deutschland gutes Geld verdienen lässt. Das Erfolgsrezept allerdings lässt sich schlecht kopieren. Denn ein großer Pluspunkt des Geschäfts ist die günstige Lage am Münchener Marienplatz, direkt gegenüber dem Rathaus und mit unterirdischem Zugang zu U- und S-Bahn. So strömen jeden Tag Tausende Touristen ins Haus.

Darüber hinaus hat das Management in den vergangenen Jahren alle unteren Preislagen rausgeworfen. Und: Die Ware wird regelrecht inszeniert. Dabei beschränkt sich Ludwig Beck am Rathauseck auf einige ausgewählte Sortimente: CDs und Platten, Wäsche, Strümpfe und Socken sowie Düfte und hochwertige Kleidung.

Mit den schwarzen Zahlen der vergangenen Jahre ist bei Ludwig Beck 2015 der Wagemut zurückgekehrt: Im Frühjahr hat das Unternehmen den Filialisten Wormland übernommen, einen bundesweit tätigen Männerausstatter.
Die Akquisition hat das Zahlenwerk gehörig durcheinander gewirbelt, wie der am Dienstag vorgelegte Geschäftsbericht zeigt. So ist der Umsatz des Konzerns um mehr als 50 Millionen Euro auf knapp 159 Millionen Euro in die Höhe geschossen. Ohne die Neuerwerbung hätte Ludwig Beck lediglich ein mageres Plus von gut einem Prozent ausweisen können.

Diese Geschäfte werden Sie bald häufiger sehen
CCC
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Insgesamt gibt es 475 Einkaufszentren in Deutschland – und es werden immer mehr. Zu den Shooting Stars in den zwölf Shopping Centern, die im vergangenen Jahr neu in Deutschland eröffneten, gehört CCC. Das polnische Unternehmen ist mit gleich vier Läden vertreten. Das Unternehmen, das in Polen mit hunderten Läden unter verschiedenen Marken erfolgreich ist, bietet Schuhe im Discountstil wie Deichmann an, zum Beispiel in Aquis-Plaza in Aachen und im Werk-Statt Limburg.

Quelle: EHI-Shopping-Center-Report

Reserved
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Mit insgesamt drei Läden startete „Reserved“ in den neuen deutschen Shopping Malls. Das polnische Unternehmen verkauft junge Mode für junge Frauen, unter anderem die Kollektion von Model und Mick-Jagger-Tochter Georgia May Jagger, und ist in etwa vergleichbar mit dem viel größeren Konzern H&M aus Schweden. Im Einkaufszentrum „Minto“ in Mönchengladbach, das mit einem hochwertigeren Angebot punkten will, belegt „Reserved“ gleich zwei Etagen.

Fynch-Hatton
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Die Marke hört sich very british an, kommt aber aus Mönchengladbach. Das Label ist nach dem britischen Abenteurer Denys Finch-Hatton benannt. Bisher verkaufte das Unternehmen seine hochwertige Herrenkleidung für junge Männer ab etwa 30 Jahren vor allem in sogenannten Shop-in-shops bei seinen Handelspartnern. Jetzt wagt sich „Fynch-Hatton“ mit zwei eigenen Läden in große Einkaufsmeilen wie in das „Minto“ in Mönchengladbach.

Quelle: Minto.de

Chisu
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Der Textilhändler aus Ransbach-Baumbach in Rheinland-Pfalz importiert Designermode aus Italien und Frankreich. Er will sich mit wöchentlich wechselnden Kollektionen von der Masse im Modemarkt abheben. Das erst 2006 gegründete deutsche Unternehmen setzt auf ein Franchise-Konzept und hat ehrgeizige Ziele: Es will bis 2021 mit etwa 450 Chisu-Boutiquen mehr als 110 Millionen Euro umsetzen, zum Beispiel im Forum Hanau.

Sergent Major
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Die französische Kindermodemarke „Sergent Major“ ist im vergangenen Jahr in zwei neuen Einkaufsmeilen gestartet – unter anderem im Einkaufszentrum Neuer Markt in Neumarkt/Oberpfalz. Sie wirbt mit detailreicher und fantasievoller Mode für ganz junge Kunden. Das Unternehmen setzte 2014 nach Angaben des Fachmagazins Textilwirtschaft 2014 mit 550 Verkaufspunkten rund 215 Millionen Euro um.

Superdry
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Die britische Marke mit dem japanischen Touch hat große Expansionsziele. CEO Euan Sutherland will vor allem in Deutschland stark wachsen – der zweitwichtigste Markt nach dem Heimatmarkt Großbritannien. Superdry ist eine junge Marke, erst zwölf Jahre alt, und setzt auf ein schnörkelloses Design für Freizeitmode, das stark an den japanischen Purismus erinnert. Sie ist gleich in drei der neuen Shoppingcenter vertreten, zum Beispiel im „Minto“ in Mönchengladbach. Und folgende bekannten Label wachsen weiter...

Orsay
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Das Unternehmen, vor 40 Jahren in Baden-Württemberg gegründet, gehört zur französischen Mulliez-Gruppe. Es verkauft Mode für junge Frauen in 26 Ländern Europas und expandiert weiter. Es hat in sechs der neuen Shopping-Center neue Läden eröffnet, wie in der Holsten-Galerie in Neumünster.

Doch Vorstand Dieter Münch nennt einen guten Grund, warum es nicht kräftiger aufwärts ging: „Wir hatten erneut 40 Prozent weniger Umsatz mit russischen Kunden“, sagte der Manager in München. Hätten die Russen gleich viel wie im Vorjahr ausgegeben, wären die Einnahmen stärker gestiegen, versicherte Münch. Schon 2014 verzeichnete das Nobelkaufhaus weniger Gäste aus dem Osten. Die verzichten vor allem wegen der Abwertung des russischen Rubel auf Reisen ins Ausland. Dass etwas mehr Besucher aus der Schweiz kamen und auch die zahlungskräftige Klientel aus den Golfstaaten munter bei Ludwig Beck einkaufte – den Schwund aus Osteuropa konnte das nicht ausgleichen. Insgesamt sind rund ein Drittel aller Besucher Touristen.

„Das ist ein Rohdiamant, der geschliffen werden muss“
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