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Luftfahrt Air Baltic sucht weitere Investoren, um seinen Wachstumskurs zu finanzieren

Die lettische Fluggesellschaft zeigt, dass auch kleine Anbieter erfolgreich sein können und will mit zusätzlichen A220 jenseits des Baltikums wachsen.
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Die lettische Airline plant den Kauf von mindestens 50 Airbus A220 (Computeranimation im Bild). Quelle: Air Baltic
Air Baltic

Die lettische Airline plant den Kauf von mindestens 50 Airbus A220 (Computeranimation im Bild).

(Foto: Air Baltic)

BerlinMartin Gauss hat Größeres vor. „Wir haben 50 A220 bestellt und eine Option auf weitere 30 A220. Diese zusätzlichen Flugzeuge wollen wir gerne außerhalb des Baltikums stationieren“, sagte der Chef der lettischen Airline Air Baltic dem Handelsblatt am Rande der Tourismusmesse ITB in Berlin: „Um dieses Wachstum zu finanzieren, suchen wir Investoren.“

Aktuell sind die Spezialisten von Greenhill damit beauftragt, potenzielle Investoren zu finden. Grundsätzlich gebe es drei mögliche Szenarien, so Gauss: „Unsere bisherigen Shareholder erklären sich bereit, die Investitionen zu stemmen. Dann könnten wir eine Anleihe begeben. Oder wir finden ein Private-Equity-Unternehmen, das Air Baltic spannend genug für ein Investment hält.“

Aus seinem Lieblingsszenario macht der Manager kein Geheimnis. Er sei mit den bisherigen Anteilseignern sehr zufrieden. Schließlich habe sich die neue Regierung klar zu der Airline bekannt. „Wenn ich mir als CEO aber etwas wünschen darf, dann wäre der Einstieg eines Privat-Equity-Investors verbunden mit einem perspektivischen Börsengang meine favorisierte Lösung“, sagt Gauss: „Das wäre auch für das Baltikum attraktiv, denn es gibt dort bislang nicht so viele größere Börsengänge.“

Air Baltic ist eine Ausnahmeerscheinung in der europäischen Luftfahrt. Als Gauss 2011 bei der Fluggesellschaft den CEO-Posten übernahm, stand die Airline vor dem Aus. Im September 2011 meldete das Unternehmen Insolvenz an, nur mit Hilfe des Staates wurde der Betrieb damals aufrechterhalten. Nach einer harten Sanierung machte Gauss aus dem reinen Billigflieger eine Fluggesellschaft, die auf der einen Seite mit Niedrigstpreisen im Ultra-Lowcost-Geschäft unterwegs ist. Gleichzeitig gibt es aber eine Business-Klasse, bei der wie etwa bei Lufthansa der Mittelsitz freibleibt.

Im Zuge der Insolvenz hatte Lettland 99,8 Prozent der Anteile übernommen. 2015 verkaufte die Regierung dann 19,95 Prozent der Anteile an den deutschen Investor Ralf-Dieter Montag-Girmes. Der gab das Paket im April 2017 an den dänischen Investor Lars Thuesen weiter, der ein breites Portfolio hat, das von Bier bis in die Luftfahrt reicht. Vor zwei Jahren beschloss die damalige lettische Regierung, den verbleibenden Staatsanteil auf rund 50 Prozent zu reduzieren und für das Aktienpaket einen strategischen Investor zu suchen.

Die Investmentbank Lazard hatte sogar schon verbindliche Angebote eingeholt. Aber dann wurde die eigentlich für Dezember 2017 erwartete Entscheidung vertagt – auch weil der Handlungsdruck wegen der wirtschaftlichen Genesung der Airline sank. Ob die Regierung nun im Zuge der Investorensuche ihren Anteil verringern wird, hängt maßgeblich davon ab, ob es Greenhill gelingt, Investoren zu finden.

Das Interesse könnte da sein. „Wir haben als Airline einiges zu bieten. Wenn wir in Zukunft alle 80 A220 einsetzen, werden wir einen Umsatz von über 1,5 Milliarden Euro erreicht haben“, wirbt Gauss für die kleine Fluggesellschaft. Die Airline profitiert davon, dass sie im Heimatmarkt Riga einen Marktanteil von 57 Prozent hat. Auch fällt Air Baltic durch eine gewisse Risikobereitschaft auf. Die Airline zählte zu den wenigen Kunden, die sich für die C-Serie entschied, der erste Mittelstreckenjet, den der kanadische Hersteller Bombardier auf den Markt brachte.

Mittlerweile wurde das Programm von Airbus übernommen und wird nun A220 genannt. Die Flugzeugwahl war insofern überraschend, als dass Airlines üblicherweise sehr darauf achten, dass etwa die Wartung sichergestellt ist und die Betriebskosten stimmen. Hier vertrauen viele Einkäufer eher den großen Anbietern Airbus und Boeing.

Doch Gauss ist nach wie vor sehr zufrieden mit dem Jet, will die Flotte sogar schneller als ursprünglich geplant komplett auf dieses Flugzeugmuster umstellen. Schon in diesem Herbst soll die letzte Boeing 737 die Flotte verlassen, ein Jahr früher als geplant. „Die Vermarktung der Boeing-Maschinen läuft bereits. Wir machen das im Winter, wo wir sowieso weniger Jets benötigen. Für den Sommer 2020 müssen wir dann eine Übergangslösung finden, aber das wird gelingen“, erklärt Gauss.

Deutschland ist ein wichtiger Markt

Beim künftigen Wachstum setzt der Air Baltic-CEO auch auf Deutschland. „Deutschland ist ein Lufthansa-Markt. Aber es ist ein Markt mit großer Kaufkraft und deshalb wichtig für uns. Es ist unser zweitgrößter Markt.“ Die Fluggesellschaft ist etwa in Frankfurt, Berlin, Düsseldorf, Hamburg und München aktiv. „In Deutschland sind wir an sieben Flughäfen, neu dazukommen wird ab März Stuttgart. Die bisherigen Buchungen dort sehen sehr gut aus“, sagte Gauss.

Die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr legt das Unternehmen Ende März vor, deshalb gibt sich der Airline-Chef hier etwa zugeknöpft. Nur so viel lässt er sich entlocken: „Wir haben unsere Ziele, mehr als 400 Millionen Euro Umsatz und mehr als vier Millionen Passagiere im Jahr, erreicht.“

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