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Luftfahrt Boeing stoppt die 737-Max-Produktion

Die Wiederzulassung verzögert sich immer weiter. 400 Jets stehen auf Halde. Nun stellt der Airbus-Konkurrent die Produktion vorläufig ein.
16.12.2019 Update: 17.12.2019 - 00:33 Uhr Kommentieren

Boeing stellt 737-Max-Produktion ab Januar vorrübergehend ein

Frankfurt, New York Der US-Flugzeugbauer Boeing stellt die Produktion des Unglücksmodells 737 Max vorübergehend ein. Damit zieht der Airbus-Konkurrent die Konsequenz aus dem immer länger andauernden Prozess zur Wiederzulassung des Flugzeugs. Nach zweitägigen Beratungen gab die Boeing-Führung am Montag nach Börsenschluss den Produktionsstopp bekannt.

Nach zwei Abstürzen in Indonesien und in Äthiopien mit fast 350 Toten ist die 737 Max seit März weltweit aus dem Verkehr gezogen. Das Modell war bis dahin ein wichtiger Bestseller aus dem Hause Boeing, und so hat der US-Konzern die Maschinen auch weiter produziert. Nach dem Flugstopp hatte Boeing die Produktion lediglich von 52 auf 42 Flugzeuge pro Monat reduziert.

Doch mittlerweile stehen rund 400 Flugzeuge auf Halde, und die Wiederzulassung zögert sich immer weiter hinaus. Der Konzern weiß schlicht nicht mehr, wohin mit den Maschinen. Zu dem Parkproblem gesellt sich der aufwendige Unterhalt der nicht ausgelieferten Flugzeuge. Sie müssen gepflegt werden, damit sie keinen Schaden nehmen.

An der Börse lösten bereits die Erwägungen einen Kursrutsch aus. Der Aktienkurs verlor zwischenzeitlich bis zu drei Prozent. „Sie haben immer wieder Versprechungen gemacht, die sie nicht eingehalten haben“, kritisiert der Analyst Ron Epstein von Bank of America. „Das Management kommuniziert nicht gut“, stellt er fest. Es habe bei den Investoren und Kunden viel Glaubwürdigkeit verspielt.

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    Erst vergangene Woche hat der Vorsitzende der US-Luftfahrt-Aufsicht FAA, Steve Dickson, den Boeing-CEO Dennis Muilenburg in Washington dazu aufgerufen, nicht mehr das Ende des Jahres als wahrscheinliches Datum für das Okay der Behörde zu nennen. Boeing hatte in den vergangenen Monaten immer wieder über die Fortschritte bei der erneuten Prüfung des Jets informiert und damit Erwartungen geweckt, das Flugzeug könne bald wieder eingesetzt werden. Mittlerweile gilt Mitte Februar als frühestmöglicher Termin für die Wiederzulassung.

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    Doch selbst wenn die FAA die 737 Max wieder zertifiziert, würde damit nur das Fliegen in den USA wieder zugelassen. Weil offensichtlich schon bei der Erstzulassung der Max bei der FAA nicht alles ganz sauber gelaufen sein soll, haben die Aufsichtsbehörden in anderen Ländern eigene Prüfungen angekündigt und wollen sich nicht wie sonst üblich auf das Votum der FAA verlassen.

    Die europäische EASA hat bereits angedeutet, dass man nach einem positiven Bescheid der FAA weitere sechs Wochen brauche. Auch bei den chinesischen Behörden soll es noch erhebliche Bedenken geben. Das ist ein großes Problem für Boeing, denn die dortigen Billigairlines setzen stark auf die Max.

    Zeugen sagen gegen Boeing aus

    Zuletzt haben auch Anhörungen im US-Kongress dem Vertrauen in die 737 Max weiter geschadet. Dort sagte ein FAA-Zeuge vergangene Woche unter Eid aus, dass Sicherheitsbedenken von FAA-Mitarbeitern von der Behörde vernachlässigt wurden. Ein Boeing-Mitarbeiter aus der 737-Max-Fabrik erklärte, er habe seine Manager Monate vor den Abstürzen gewarnt, dass die Produktion in Renton zu stark unter Stress stand und dass daher chaotische Zustände herrschten. Doch auch seine Beschwerden bekamen kein Gehör.

    Bei der Wiederzulassung geht es vor allem um das sogenannte MCAS-System. Das Softwaresystem soll eine der Hauptursachen für die schrecklichen Unglücke sein. Das System soll eigentlich verhindern, dass das Flugzeug zu steil nach oben fliegt und damit durch den sogenannten Strömungsabriss abstürzen kann.

    Die 737 Max – eine überarbeitete Version der bisherigen 737 – hat sehr schwere und große Triebwerke. Diese mussten weiter vorn und näher zum Rumpf hin befestigt werden. Deshalb neigt die Maschine dazu, steil aufzusteigen. Doch das MCAS steht in Verdacht, wegen fehlerhafter Sensordaten zu stark in die Flugsteuerung eingegriffen zu haben. Es steuerte die Flugzeuge immer wieder nach unten, auch als die Piloten versuchten, nach oben gegenzusteuern.

    Seit Monaten arbeitet Boeing deshalb an einem Update des Systems. Mit dem soll die „Macht“ des MCAS begrenzt werden. So sollen die Piloten die Befehle des Systems leichter als bisher überstimmen können, um den Jet also per Hand wieder in eine sichere Fluglage zu bringen. Außerdem soll das System jetzt ständig die Daten von zwei Sensoren vergleichen und auswerten, um Messfehler auszuschließen.

    Boeing 737 Max: „Der Jet ist in seiner Grundstruktur nicht mehr zeitgemäß“

    Auch die Schulung der Piloten wurde angepasst. Kürzlich sickerten Informationen aus einem „Briefing“ durch, das Boeing für Piloten und Experten mit dem überarbeiteten System durchgeführt hatte. Danach berichteten Flugzeugführer davon, dass die Max nun außerordentlich stabil fliege. Dennoch herrscht weiter Unklarheit darüber, wann die Behörden den Einsatz des Flugzeugs wieder erlauben werden.

    Für die Fluggesellschaften hat die Unsicherheit Konsequenzen: Sie müssen immer wieder ihre Flugpläne anpassen oder alte Maschinen länger fliegen lassen. American Airlines hat den Einsatz der Max jüngst von Anfang März auf Anfang April verlegt – nicht die erste Verschiebung. Auch der irische Billiganbieter Ryanair musste seine Planung erneut umwerfen.

    Bereits im Sommer hatte das Boeing-Management darüber nachgedacht, die Produktion stärker zu drosseln. Doch es kam nicht so weit. Im Oktober hatte Muilenburg dann offiziell gesagt, dass Boeing die Produktion der 737 Max drosseln müsse, falls sich die Zulassung in das Jahr 2020 verschiebt.

    Probleme für Zulieferer

    Ein Produktionsstopp wird Konsequenzen für die Zulieferbetriebe haben. Nimmt Boeing ihnen die Teile nicht mehr ab, geraten viele davon in Bedrängnis, vor allem jene, die nicht so groß und finanziell gut gepolstert sind.

    Gute Nachrichten hat der Flugzeugbauer indes für die 12.000 Mitarbeiter in der 737-Max-Fabrik in Renton bei Seattle. Boeing wolle sie erhalten, teilte das Unternehmen mit. „Die betroffenen Mitarbeiter werden anderen Teams zugeordnet.“

    Mehr: Der US-Flugzeugbauer gerät im Fall der 737 Max weiter in Bedrängnis - ein Ex-Manager schildert große Probleme in der Produktion bei Boeing.

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