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Beeindruckende Architektur

Der Riesen-Airport soll neue Standards für die Luftfahrt setzen.

(Foto: Reuters)

Luftfahrt Chinas neuer Airport setzt Maßstäbe – auch bei der Überwachung

Der Flughafen Peking Daxing ist in Rekordzeit gebaut worden. Mit Hilfe der Technologie deutscher Unternehmen zeigt der Airport, wie das Fliegen künftig funktionieren könnte.
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Peking, Frankfurt Andy Lesser ist die Begeisterung anzumerken. Die Ingenieurin ist Vize-Präsidentin bei T-Systems, der IT-Tochter der Deutschen Telekom, zuständig für den Bereich Data Intelligence. Lesser hat gerade ein Projekt zu Ende gebracht, das man – so die Managerin – nicht alle Tage auf den Tisch bekomme: den neuen Flughafen Peking Daxing.

T-Systems lieferte das hochkomplexe Flughafensteuerungssystem. Und dabei konnten sich die IT-Experten von T-Systems technologisch so richtig austoben. „Der neue Flughafen Peking Daxing ist führend, was den Einsatz moderner Informationstechnologie angeht“, ist Lesser überzeugt.

Mitte vergangener Woche wurde der neue Airport offiziell von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping eröffnet – pünktlich zum 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik am 1. Oktober, den die Kommunistische Partei als riesige Propaganda-Veranstaltung nutzt.

Eines hat die KP schon erreicht: International gibt es Anerkennung für die Schnelligkeit, mit der das riesige Bauvorhaben umgesetzt wurde. „In China geht man solche Projekte sehr zielgerichtet und mit großer Begeisterung an“, sagt Lesser, „so etwas hilft bei der Umsetzung.“

17,45 Milliarden US-Dollar hat Peking laut Angaben des Flughafens für den Bau ausgegeben, zeitweise arbeiteten 8000 Arbeiter gleichzeitig an der Konstruktion. Allerdings hat das riesige Infrastrukturprojekt, wie so oft bei Vorhaben dieser Art in China, auch Schattenseiten. 20.000 Menschen wurden wegen des Baus von der chinesischen Regierung umgesiedelt.

Das ist Pekings neuer Mega-Flughafen

Daxing – das ist in jeglicher Beziehung ein Flughafen der Superlative. Schon aus der Luft ist das riesige Gebäude mit der markanten Sternform gut erkennbar. Sind alle geplanten Erweiterungen umgesetzt – was allerdings noch bis 2040 dauern wird – kann der Airport beeindruckende Zahlen vorweisen.

Sechs Start- und Landebahnen, 186 Boarding-Gates, 422 Check-In-Schalter, 117 Sicherheitskontrolllinien, 3000 Fluginformationsdisplays, 50 Fluggastbrücken und 63 Gepäckbänder – um nur einige Daten zu nennen. Bis zu 100 Millionen Fluggäste sollen dann jährlich befördert werden. Schon heute ist der Beijing International Airport mit 100 Millionen Passagieren pro Jahr der zweitgrößte Flughafen der Welt.

Der neue Flughafen ist ein Prestige-Projekt der chinesischen Regierung. Infrastrukturprojekte dienen der Kommunistischen Partei nicht nur als Beweis für die Stärke Chinas, sondern seit Jahren auch als Beschleuniger für das Wirtschaftswachstum des Landes. Derzeit hat China solche Maßnahmen nötiger denn je.

Denn bereits seit längerem sinkt das Wirtschaftswachstum, der Handelsstreit mit den USA setzt der Volksrepublik zusätzlich zu.

Die Parteiführung ist stolz auf den neuen Mega-Airport der Hauptstadt. Quelle: Reuters
Im Schatten der Staatsführung

Die Parteiführung ist stolz auf den neuen Mega-Airport der Hauptstadt.

(Foto: Reuters)

Es sei „ein Meilenstein-Projekt, das persönlich geplant und gefördert wurde von Generalsekretär Xi Jinping“, sagte Chinas Vizepremier Han Zheng bei der Eröffnung. „Der Bau des Daxing Airport ist ein sehr gutes Beispiel für Xi Jinpings Gedanken zum Sozialismus chinesischer Prägung für die neue Ära.“

Daxing zeigt der weltweiten Luftfahrtbranche, was geht – baulich wie technologisch. Während der neue Hauptstadt-Flughafen in Berlin – wenn alles glattgeht – im Oktober 2020 mit einer dann 13-jährigen Verspätung an den Start gehen wird, dauerte es am Rand von Peking gerade einmal gut vier Jahre, bis das Gebäude stand.

Von Beginn an wurde eine rund 41 Kilometer lange Hochgeschwindigkeitstrasse mitgeplant. Reisezeit in die Hauptstadt Chinas: rund 30 Minuten. Das zweitgrößte deutsche Drehkreuz in München dagegen hat bis heute keine schnelle Bahnverbindung. Innen drin im „Seestern“ sollen alle Wege nicht länger als 800 Meter sein. Daxing soll Fluggästen zeigen, wie komfortabel Fliegen in Zukunft sein wird – schon am Boden. 

100 Millionen Passagiere sollen am neuen Flughafen pro Jahr transportiert werden. Quelle: Reuters
Neues Drehkreuz

100 Millionen Passagiere sollen am neuen Flughafen pro Jahr transportiert werden.

(Foto: Reuters)

Möglich machte das eine exakte Planung, die wiederum eine äußerst straffe Taktung erlaubte, berichtet Lesser von T-Systems: „Wir hatten einen sehr engen Zeitplan. Im Dezember 2017 haben wir den Vertrag unterschrieben, mittlerweile läuft das System und es ist bereits abgenommen.“ Zu Spitzenzeiten seien bis zu 80 Mitarbeiter von T-Systems mit dem Projekt beschäftigt werden – inklusive eines Teams vor Ort, was Voraussetzung für den Erfolg bei der Ausschreibung gewesen sei.

Der Preis für das Versprechen des komfortablen Fliegens ist allerdings absolute Transparenz der Reisenden. Die werden schon beim Betreten biometrisch erfasst, das soll auch die  Sicherheitskontrollen und den Check-in beschleunigen. Die chinesischen Telekommunikationsunternehmen Huawei und China Unicom bieten für Passagiere von China Eastern Airlines sogar an, komplett per Gesichtserkennung einzuchecken.

Digitale Infostände sollen durch Scannen des Gesichtes Auskünfte über Abflugzeiten und das Wetter am Ankunftsort geben. Die Passagierdaten würden sehr sicher gespeichert, und sofort nach Betreten des Flugzeugs gelöscht, heißt es in einer Mitteilung der Unternehmen.

Eine Mitarbeiterin zeigt das neue Gesichtserkennungssystem am Beijing Daxing International Airport. Quelle: dpa
Einchecken per Gesichererkennung

Eine Mitarbeiterin zeigt das neue Gesichtserkennungssystem am Beijing Daxing International Airport.

(Foto: dpa)

Auf so manchen Fluggast aus dem Westen dürfte das intensive Sammeln von Daten dennoch durchaus befremdlich wirken. Fluggäste aus China sind die Technologien hingegen bereits gewöhnt. Der chinesische Staat überwacht öffentliche Plätze schon jetzt umfassend mit Kameras, die teilweise mit Gesichtserkennungssoftware arbeiten. Chinesen bezahlen zudem meistens digital, wobei sie ebenfalls Datenspuren hinterlassen.

Der neue Flughafen wird das Potenzial moderner Technologien voll ausschöpfen. Für die Passagiere werde das aber auch Vorteile bringen, ist Lesser überzeugt: „Sie werden intelligent geleitet und bekommen Echtzeitinformationen zum Reiseverlauf, die das Fliegen so komfortabel wie möglich gestalten.“

Durch die Vernetzung der einzelnen technischen Komponenten könne das System auch bei Unregelmäßigkeiten sofort Alternativen nennen. „An welchem Gate kann das Flugzeug andocken? Was sind die kürzesten Wege für die Passagiere? Ich bin sicher, die Reiseerfahrung in Peking wird eine besondere sein“, prophezeit die T-Systems-Managerin.

So wurden in Peking zum Beispiel von Beginn an alle Systempartner technologisch eng miteinander vernetzt. Alleine T-Systems habe 70 Partnersysteme an die eigenen angebunden, berichtet Lesser. Eine der Achillesfersen der Luftfahrtbranche ist die starke Fragmentierung der Wertschöpfungskette. In kaum einer anderen Branche sind so viele unterschiedliche Partner beteiligt, mit zum Teil sehr unterschiedlichen Interessen.

Der neue Flughafen verfügt über sechs Start- und Landebahnen. Quelle: Reuters
Reichlich Platz

Der neue Flughafen verfügt über sechs Start- und Landebahnen.

(Foto: Reuters)

Hakt es auch nur an einer Stelle, hat das sofort Folgen – etwa in Form von Verspätungen. Tatsächlich schneidet der alte Beijing International im internationalen Vergleich nur mittelmäßig ab, was die Pünktlichkeit angeht. Beim aktuellen Ranking des Reisenachrichtendienstes OAG belegt der Flughafen nur Platz 16.

„Kein anderer Kunde hat bisher Kollaborationsstrategien mit so vielen Stakeholdern implementiert wie der neue Flughafen“, sagt Lesser, die bei T-Systems zahlreiche Flughäfen weltweit betreut. Für die Managerin steht jedenfalls fest, dass von Erfahrungen in Daxing künftig auch westliche Flughäfen profitieren werden: „Aus unserem Projekt in Peking sind viele Innovationen in unsere Lösung eingeflossen, die wir nun auch in Europa anbieten können.“

Zwar ist etwa in Europa und vor allem in Deutschland der Bau neuer Flughäfen aktuell kein Thema. Selbst Erweiterungen etwa der Bahn- oder Terminal-Kapazitäten stoßen hier auf teilweise erbitterten Widerstand der Bevölkerung. Dennoch sieht Lesser auch in der Heimat großen Bedarf an modernen Flughafen-Steuerungssystemen. Das Passagier- und Frachtaufkommen werde weiterwachsen.

Und die Flughäfen kämen irgendwann an einen Punkt, an dem sie ihre Systeme noch stärker digitalisieren müssten. „Die Digitalisierung und der Einsatz von Data Intelligence erlauben es, Prozesse am Flughafen zu automatisieren. Hier sehen wir noch viel Potential für deutsche Flughäfen, aber auch weltweit.“

Mehr: In China gelingt seit Jahrzehnten das Wirtschaftswunder per Regierungsdekret. Doch die Spannungen im Land mehren sich. Wie lange geht das noch gut? 

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6 Kommentare zu "Luftfahrt: Chinas neuer Airport setzt Maßstäbe – auch bei der Überwachung"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich muss ehrlich sagen, je öfter ich vom Ausland nach Deutschland zurück komme, desto weniger Hoffnung habe ich noch für Deutschland.
    Ob nun die totale Überwachung a la China ein Vorbild ist...naja, ich weiß nicht. Aber die Technologieoffenheit und insbesondere der Wille und die Geschwindigkeit, gerade Infrastrukturprojekte umzusetzen, ist beeindruckend. Das gilt nicht nur für China, sondern praktisch für jedes asiatische Land. Und dort funktioniert es auch: z.B. saubere und pünktliche Züge, kurze Wege. In Deutschland hingegen, wie im Artikel zutreffend bemerkt, wird jedes noch so kleine Infrastrukturprojekt von jeder Menge Kleinstgruppen mit Partikularinteressen erbittert bekämpft...häufig mit Unterstützung der meist gleichen Parteien und unterstützt durch ein Justizsystem, das zwar einerseits jetzt schon komplett überlastet ist, das sich andererseits aber nicht dafür zu schade ist, jedes noch so hanebüchene Argument und jedes noch so kleinste individuelle Interesse durch alle Instanzen zu jagen.

    So wird das nach meiner Überzeugung nichts mehr. Insbesondere bei den Infrastrukturprojekten benötigen wir dringendst den großen Befreiungsschlag in Deutschland, damit endlich mal wieder was vorwärts geht. Aber ich muss ehrlich sagen, ich habe die Hoffnung darauf (leider) schon aufgegeben.

  • Herr Henseler,
    Die Bestrafung der Firmen, die diesen Mist gebaut haben, der Vorstände und Geschäftsführer dieser Firmen, sowie Regressnahme ist möglich. Auch die Bestrafung bei ggf. Vorteilsnahme Beteiligter ist in unserem Rechtssystem immer möglich - wenn man es nur will.
    Auch die Bestrafung der beteiligten Politikern bei ggf. Vorteilsnahme ist ebenfalls möglich wenn man es nur will ;-)

  • China übertrifft bereits heute selbst die allerschlimmsten Überwachungs-Dystopien mit seinem "Social Credit System". Nächste Stufe der Totalüberwachung: Verlinkung von Gesichtserkennungs-Kameras mit diesem System:
    https://www.zerohedge.com/technology/china-unveils-super-surveillance-camera-can-link-its-social-credit-system
    China kann NIEMALS ein "Vorbild" für freiheitliche Gesellschaften sein - höchstens für Möchtegern-totalitäre Organisationen wie die EU.
    Das Gute ist: jeder totalitäre Staat zerstört sich früher oder später selber - und China muss auch "der Welt" zunehmend seine hässliche totalitäre Fratze zeigen - siehe aktuell Hongkong.

  • Herr Koehler, es ist mir bekannt, dass die Todesstrafe in D abgeschafft wurde. Aber die
    Einfuehrung der Straflosigkeit wurde noch nicht beschlossen - steht aber wahrscheinlich
    kurz bevor.

  • @ H. Kohler
    In Deutschland darf man auch k e i n e n Beamten regresspflichtig machen, im Gegensatz zu "normalen" Beschäftigten.

    Also, laßt euch alle ruhig viel Zeit. Der Steuerzahler hilft.

  • In Deutschland darf man Menschen nicht aufhängen, Herr Henseler.
    Man darf sie aber vor ein Gericht stellen, wenn sie Straftaten begangen haben.