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Luftfahrt Condor braucht nach dem geplatzten Verkauf einen Plan B

Die Rettung der Airline ist gescheitert. Der Staat könnte vorübergehend einspringen. Eine dauerhafte Lösung indes wird schwer zu finden sein.
14.04.2020 - 13:14 Uhr Kommentieren
Ein Engagement des Staates bei der Airline wird wahrscheinlicher. Quelle: imago images/Reichwein
Condor-Jet in Düsseldorf

Ein Engagement des Staates bei der Airline wird wahrscheinlicher.

(Foto: imago images/Reichwein)

Frankfurt Ralf Teckentrup verliert normalerweise auch in der Krise nie den Humor. „Ich bin froh, Sie an unserer Seite zu haben. Ich bin aber auch froh, wenn ich Sie bald nicht mehr jeden Tag sehen muss“, scherzte der Condor-Chef zuletzt mehrfach bei öffentlichen Auftritten in Richtung des Insolvenzexperten Lucas Flöther.

Der steht der Condor-Spitze seit Monaten als Sachwalter zur Seite und überwacht das laufende Schutzschirmverfahren bei dem Unternehmen. Das sollte eigentlich in diesen Tagen enden und Teckentrup wieder ohne Sachwalter agieren. Doch seit Ostermontag ist klar: Der Airline-Manager wird vorerst nicht wieder zur Normalität zurückkehren können.

Die polnische PGL, die Muttergesellschaft der Airline LOT, hat die Übernahme von Condor mit Verweis auf die massiven Verwerfungen durch die Coronakrise abgeblasen. Die Folge: Der ursprüngliche Sanierungsplan, dem alle Gläubiger zustimmen mussten, um das sogenannte Schutzschirmverfahren zu beenden, ist hinfällig. Nun muss ein Plan B her.

Wie der aussieht, blieb am Dienstag zunächst offen. In der Branche heißt es, dass es eventuell am Mittwoch vonseiten der Bundesregierung Details zur Condor-Zukunft geben könnte. Wahrscheinlich ist ein Engagement des deutschen Staates. Er habe sich schon vor einiger Zeit grundsätzlich bereit erklärt zu helfen, sollte der Verkauf an PGL nicht zustande kommen, ist aus Branchenkreisen zu hören.

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    Auch bei Condor selbst verweist man auf den Staat als möglichen Retter in der aktuellen Not. „Wir sind auf dieses Szenario vorbereitet und beabsichtigen nach wie vor, das Schutzschirmverfahren bald zu verlassen“, heißt es bei der Airline. Gleichzeitig verhandele man mit der PGL mögliche Ansprüche, die sich aus dem Rücktritt vom Kaufvertrag ergeben könnten. Vieles spricht also dafür, dass es schon sehr konkrete Überlegungen gibt, wie Condor vorübergehend gerettet werden könnte.

    Die Gewerkschaften jedenfalls hoffen auf den Staat. „Die aktuell laufende Unterstützung der Condor durch die Bundesregierung war gerechtfertigt und ist es auch weiterhin“, erklärte Janis Schmitt, der Sprecher der Piloten-Organisation Vereinigung Cockpit. Es dürfe nicht sein, dass die Mitarbeiter als Leidtragende in der für Fluggesellschaften ohnehin schon schwierigen Situation durch die Covid-19-Krise fallen gelassen würden.

    Ähnlich argumentiert die Luftfahrtgewerkschaft IGL. „Es kann nicht sein, dass die Condor als wichtiger touristischer Carrier in Deutschland jetzt vom Staat alleingelassen wird“, erklärte deren stellvertretender Vorsitzender Daniel Wollenberg. Auch Nicoley Baublies, der Sprecher der Kabinengewerkschaft UFO, sprach sich für eine Staatsbeteiligung aus.

    Viele Details sind noch unklar

    Doch wie genau der Staat helfen könnte – über einen direkten Einstieg bei Condor oder die Übergabe der Airline an einen Treuhänder –, ist noch nicht klar. Eine direkte Verstaatlichung oder Teilverstaatlichung gilt aktuell allerdings eher als unwahrscheinlich. Fest steht: Die Zeit drängt. Nicht nur die rund 4900 Mitarbeiter der Airline hängen aktuell wieder in der Luft, auch die vielen Partner des Unternehmens brauchen schnell Klarheit, wie es nun weitergehen wird.

    Zwar könnte sich die Ferienfluggesellschaft in einem neuen Schutzschirmverfahren weiter vor den Gläubigeransprüchen schützen. Allerdings sieht das Gesetz vor, dass bei einem Scheitern eines Schutzschirmverfahrens eine geregelte Insolvenz eingeleitet werden muss, eine Lösung, die keiner will. Zum einen müssten die Bundesregierung und das Land Hessen einräumen, dass der nach der Insolvenz des Mutterkonzerns Thomas Cook gewährte Überbrückungskredit über 380 Millionen Euro, dessen Rückzahlung am Mittwoch fällig ist, verloren ist. Bund und Land hatten diese Mittel mit dem ausdrücklichen Verweis darauf freigegeben, dass Condor zukunftsfähig sei.

    Zum anderen hat die Coronakrise die gesamte Luftfahrt vor ihre wohl größte Herausforderung überhaupt gestellt. Die Flotten stehen wegen der starken Reisebeschränkungen weltweit am Boden. In dieser außergewöhnlichen Situation wäre es ein schlechtes Signal, würde die Politik die Airline nun fallen lassen.

    Eine Alternative könnte sein, den ursprünglichen Schutzschirmplan um einen neuen Eigner zu ergänzen – etwa einen Treuhänder, den der Staat benennt. Dann könnte Condor das Verfahren wie geplant verlassen und würde vorübergehend ein „Staatsunternehmen“. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte mehrfach erklärt, dass die Regierung sich vorübergehend auch an Unternehmen direkt oder indirekt beteiligen könnte, um diese in der aktuellen Krise zu sichern.

    In der Luftfahrt könnte das nicht nur bei Condor eintreten. Auch die weitaus größere Lufthansa spricht mit der Politik über die Möglichkeiten einer Beteiligung des Staates, sollte das notwendig werden. Condor wäre also kein Präzedenzfall. Auch in anderen europäischen Ländern wird über Staatsbeteiligungen bei Fluggesellschaften gesprochen. In Italien etwa ist bereits beschlossen, die seit drei Jahren insolvente Alitalia zu verstaatlichen. Die EU-Kommission, die sonst sehr kritisch auf solche Vorhaben schaut, hat bereits angedeutet, angesichts der schweren Krise einem solchen Plan grundsätzlich nicht im Wege stehen zu wollen.

    Condor war im vergangenen Jahr nach der Pleite der Muttergesellschaft Thomas Cook unter den sogenannten Schutzschirm geflüchtet. Dieses Verfahren ist an Chapter 11 in den USA angelehnt. Es soll Unternehmen, die ein grundsätzlich funktionierendes Geschäftsmodell haben und mehr oder weniger unverschuldet in eine Krisensituation geraten sind, vorübergehend vor Gläubigern schützen. Das Ziel ist es, die Zukunft der Firma zu sichern. Dafür bleiben den Beteiligten sechs Monate Zeit.

    Im Zuge dieses Verfahrens hat sich Condor von einigen Mitarbeitern getrennt. Zudem wurden Verträge etwa mit Lieferanten oder Vermietern gekündigt beziehungsweise angepasst. Zudem wurden Pensionsansprüche an den Pensionssicherungsverein ausgelagert. Dieser hatte zwar gegen den Schutzschirmplan geklagt in der Hoffnung, nicht auf den Kosten – die Rede ist von 500 Millionen Euro – sitzen zu bleiben.

    Doch das Gericht hatte den Einspruch vor wenigen Tagen abgewehrt. Condor hat also die eigenen Kosten in den zurückliegenden Monaten deutlich gesenkt. Zusammen mit den beantragten Coronahilfen dürfte die Airline damit vorübergehend über Liquidität verfügen. Doch ohne Einnahmen sind diese schnell aufgebraucht. Deshalb muss das Unternehmen nun aufgefangen werden.

    Es kann nicht sein, dass Condor jetzt vom Staat alleingelassen wird. Daniel Wollenberg, stellvertretender Vorsitzender IGL

    Selbst wenn am Ende der Staat als Retter einspringt, bleibt aber die große Herausforderung, eine dauerhafte Lösung für Condor zu finden. Das dürfte äußerst schwer werden. Das Coronavirus wird die Luftfahrt weltweit und nachhaltig verändern. Es wird wohl Monate dauern, bis der Geschäftsreiseverkehr wieder ein signifikantes Volumen erreicht hat.

    Auch Urlaubsreisen werden wohl nur langsam wieder aufgenommen werden. Viele Länder haben nicht notwendige Reisen bis auf Weiteres untersagt. Viele Fluggesellschaften reduzieren deshalb ihr Angebot. Übernahmen sind vorerst weit nach unten auf der Agenda vieler Airline-Manager gerutscht.

    Dennoch kursiert aktuell vor allem ein Szenario: Danach könnte Condor früher oder später doch noch bei Lufthansa landen. Die nach Umsatz größte europäische Fluggesellschaft hatte sich um Condor bemüht, als Thomas Cook vor der Pleite zunächst versucht hatte, seine Airlines zu verkaufen.

    Zudem war Lufthansa früher an Condor beteiligt, hatte sich aber im Zuge der stärkeren Konzentration auf den Geschäfts- und Premiummarkt von der Tochter komplett getrennt. Unmittelbar vor dem Beginn der Coronakrise hatte Lufthansa aber erklärt, wieder stark im Privatreisemarkt wachsen zu wollen.

    Insofern würde eine Integration von Condor zumindest auf dem Papier sinnvoll erscheinen. Zumal sich die EU-Kommission, die noch vor mehreren Monaten eine Übernahme von Condor durch Lufthansa kaum genehmigt hätte, in der aktuellen Coronakrise großzügiger zeigen könnte. Doch es gibt Hürden für ein solches Szenario.

    So hat Lufthansa bereits angekündigt, das touristische Langstreckenangebot des Ablegers Eurowings reduzieren zu wollen. Konzernchef Carsten Spohr hat zwar erklärt, dass man froh darüber sei, in den zurückliegenden Jahren ein stärkeres Standbein im Privatreisemarkt aufgebaut zu haben. Das helfe in der aktuellen Krise, in der man nicht wisse, wann und wie stark der Geschäftsreiseverkehr zurückkommen werde. Doch die Reduzierung bei Eurowings zeigt, dass man auch im Ferienfluggeschäft erst einmal vorsichtig plant.

    Sich in dieser Phase eine neue Airline ins Haus zu holen dürfte schwierig werden. Zumal Lufthansa gerade erst angekündigt hat, den Flugbetrieb von Germanwings zu schließen. Einen eigenen Flugbetrieb einzustellen und kurze Zeit später einen anderen zu übernehmen – das dürfte nicht zuletzt gegenüber den Arbeitnehmern und den Gewerkschaften nur schwer zu erklären sein.

    Haben Finanzinvestoren Interesse?

    Die Frage ist, wie sich die Lufthansa-Spitze im Zweifel verhalten würde, wenn die Politik sanften Druck in Richtung Übernahme der Condor ausüben sollte. Einige Branchenkenner schließen ein solches Szenario nicht aus. „Die Politik könnte – sollte die Coronakrise irgendwann beendet sein – mit dem Verweis auf vielleicht bis dahin erfolgte Staatshilfen für Lufthansa an die gesellschaftspolitische Verantwortung des Konzerns appellieren“, sagt ein Airline-Manager.

    Lufthansa-Chef Spohr hat bisher allerdings eines deutlich gemacht: Bei Staatshilfen und auch der aktuell diskutierten Staatsbeteiligung müsse die unternehmerische Entscheidungsfreiheit im Konzern bleiben.

    Eine andere Möglichkeit ist die Übernahme von Condor durch einen Finanzinvestor. So hatte sich die PGL gegen ein Konsortium um den Finanzinvestor Apollo und deutschen Reiseveranstaltern auf der einen und den britischen Investor Greybull auf der anderen Seite durchgesetzt. Auch Greybull hatte sich die Unterstützung von Reiseveranstaltern eingeholt. Beide könnten nun erneut angesprochen werden.

    Das Problem: Wegen der Coronakrise hängen auch Reiseveranstalter wie DER Touristik oder FTI in der Luft. Keiner weiß, wann der Markt etwa mit Pauschalreisen wieder anspringen und wie er nach Corona aussehen wird. Welche Hotels werden überleben, welche Länder lockern die Reisebeschränkungen wieder – alles das sind bislang ungeklärte Fragen. Ob Finanzinvestoren unter diesen Bedingungen feste Zusagen von Veranstaltern bekommen würden und zu einer Offerte für Condor bereit sind, ist offen.

    Condor braucht aber die Unterstützung von Reiseveranstaltern. Die nehmen in der Regel größere Sitzplatzkontingente ab. Das Management um Teckentrup hat zwar das Schutzschirmverfahren dazu genutzt, den sogenannten Einzelplatzverkauf – den Vertrieb jenseits der Reiseveranstalter – auszubauen. Doch damit allein bekommt Condor seine rund 50 Flugzeuge nicht gefüllt.

    Mehr: Warum Condor noch eine Chance verdient hat

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