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Luftfahrt Das Flugchaos bei Eurowings kommt die Lufthansa teuer zu stehen

Die Integration von Air Berlin wird für die Lufthansa schwieriger als erhofft. Nur das boomende Geschäft rund um die Premiummarke verhindert Schlimmeres.
31.07.2018 - 16:29 Uhr 1 Kommentar
Lufthansa: Das Flugchaos bei Eurowings wird teuer Quelle: dpa
Passagiere am Eurowings-Schalter in München

Der von Köln aus gesteuerte Billiganbieter bereitet durch die zahlreichen Patzer im Flugbetrieb nicht nur der Kundschaft Sorgen, sondern auch dem Eigentümer.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Erst nach mehrfacher Nachfrage rückte Ulrik Svensson mit der Zahl heraus. 17 bis 18 Millionen Euro seit Jahresbeginn hätten die „Unregelmäßigkeiten“ im Flugbetrieb der Konzerntochter Eurowings gekostet, offenbarte der Finanzvorstand der Lufthansa am Dienstag vor Journalisten. Für Verspätungen und Flugausfälle habe man Entschädigungen gezahlt, ebenso Transport- und Hotelkosten gestrandeter Passagiere übernommen.

Im Halbjahresbericht des Dax-Konzerns, den Europas größter Luftfahrtanbieter am Dienstag veröffentlichte, finden sich noch weitaus höhere Sonderausgaben. Dort gibt die Billigtochter Eurowings die „Aufwendungen für Kompensationszahlungen infolge von Verspätungen und Streichungen“ nicht konkret an, erklärt aber, sie hätten 45 Millionen Euro über dem Vorjahr gelegen. Auf die unterschiedlichen Zahlen angesprochen korrigierte ein Konzernsprecher, es seien wohl 70 bis 80 Millionen an Verspätungs- und Ausfallkosten gewesen.

Klar ist in jedem Fall: Der von Köln aus gesteuerte Billiganbieter bereitet durch die zahlreichen Patzer im Flugbetrieb nicht nur der Kundschaft Sorgen, sondern auch dem Eigentümer. 199 Millionen Euro Betriebsverlust kamen bei Eurowings im ersten Halbjahr 2018 zusammen. Selbst das Ergebnis im zweiten Quartal von operativ vier Millionen Euro enttäuschte. Man habe mit 26 Millionen Euro Gewinn vor Steuern und Zinsen bei Eurowings gerechnet, erklärte Christoph Schlüter, Airline-Experte der Citi-Bank.

Die Integration der 77 von Air Berlin übernommenen Flugzeuge dauert länger als erhofft, sie wird zudem teuer. Viele Maschinen hätten sich bei der Übernahme in einem schlechten Wartungszustand befunden, berichtete Svensson. Hinzu kämen Umlackierungen und Schulungen der Mitarbeiter auf das Eurowings-Konzept.

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    Besonders bitter: Für die von Air Berlin übernommenen Start- und Landerechte, die sogenannten Slots, fanden sich weder genügend Maschinen noch ausreichend Personal. Flüge fielen massenhaft aus oder waren um Stunden verspätet. In der Folge mussten die Kölner von anderen Airlines Fluggeräte samt Mannschaften hinzumieten. Das aber erhöhte die Kosten. So verdoppelten sich die Aufwendungen für Flugzeugmieten („Operating Leases“) im ersten Halbjahr auf 40 Millionen Euro, das Chartern von Maschinen samt Crew („Wet Leases“) erzeugte Zusatzkosten von 36 Millionen Euro.

    Rettendes Traditionsgeschäft

    Dass die hohen Belastungen nicht den kompletten Konzern nach unten rissen, verdanken die Frankfurter ihrer Kernmarke Lufthansa. So sorgte das Traditionsgeschäft dafür, dass der Konzerngewinn mit 734 Millionen Euro im zweiten Quartal nur 0,8 Prozent unter Vorjahr lag. Erleichtert trieben Anleger den Aktienkurs am Dienstag um zeitweise fast acht Prozent auf rund 24 Euro in die Höhe.

    Die Expansion von Eurowings wird auch in den nächsten Monaten teuer. 70 Millionen Euro verschlang die Integration im ersten Quartal 2018, weitere 50 Millionen im zweiten. Bis Ende September fallen voraussichtlich noch einmal 50 Millionen Euro an, wie Finanzchef Svensson ankündigte. Erst 2019, erklärte er, werde Eurowings daher wohl die Rückkehr in die Gewinnzone schaffen.

    Anleger vertröstet er unterdessen auf weit entfernt liegende Gewinne. „Wir werden die Strukturen schaffen, um die Profitabilität von Eurowings in den nächsten drei bis vier Jahren auf das Niveau der wichtigsten Wettbewerber zu heben“, sagte er.

    Als Benchmark nannte er Easyjet. Der britische Billigflieger, der freilich in den ersten Monaten dieses Jahres wegen einer ähnlichen Expansion Verluste schrieb, hat 2017 bei umgerechnet 5,75 Milliarden Euro Umsatz eine Rendite von 8,4 Prozent eingeflogen. Eurowings, mit einem Halbjahresumsatz von 1,94 Milliarden Euro nur noch um ein Fünftel kleiner als Easyjet, müsste demnach künftig einen Betriebsgewinn von 336 Millionen Euro abliefern.

    Ein solches Ziel halten Marktbeobachter für realistisch. „Wenn es Eurowings gelingt, seine Strukturen zu vereinheitlichen, stehen die Chancen dafür gut“, glaubt der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt. Eurowings besitze einen großen Heimatmarkt und könne so Skaleneffekte nutzen.

    Noch aber fehle es an einer Homogenität, die Rivalen wie Easyjet oder Ryanair auszeichnet. „Durch die Untergesellschaften LGW oder Germanwings gibt es bei Eurowings unterschiedliche Tarifvereinbarungen und Flugdienstregelungen“, gibt Großbongardt zu bedenken. Solange daran nicht gearbeitet werde, reduziere dies die Flexibilität der Airline.

    Einen klugen Schachzug habe Eurowings aber bereits vollzogen, glaubt er: Die Verantwortung für die Billig-Langstrecke traten die Kölner an die Lufthansa-Tochter Brussels ab, die seit Jahrzehnten, vor allem durch Flüge nach Afrika, Erfahrungen in diesem Geschäft gesammelt hat.

    Von den Gesamtzahlen des Konzerns zeigten sich Analysten dennoch beeindruckt. Independent Research etwa stufte Lufthansa nach der Ergebnisveröffentlichung von „halten“ auf „kaufen“ hoch – mit einem Kursziel von 27 Euro. Trotz der Integration von Air Berlin und hoher Treibstoffkosten habe die Fluggesellschaft beim Ergebnis die Erwartungen übertroffen, erklärte Analyst Sven Diermeier.

    Auch wegen steigender Treibstoffpreise hatten die Märkte im Schnitt nur mit 946 Millionen Euro Betriebsgewinn gerechnet. Dass es am Ende doch für 983 Millionen Euro reichte – ein Minus von 3,2 Prozent –, sorgte für Optimismus. Auch der Konzerngewinn von 734 Millionen Euro im Quartal, ein Minus von 0,8 Prozent, fiel höher aus als erwartet. Analysten hatten mit einem Einbruch um 14 Prozent gerechnet.

    Insgesamt hält der Lufthansa-Konzern an seiner Prognose für das Gesamtjahr fest. Trotz der Mehrkosten, allein um 850 Millionen Euro wird das Kerosin teurer, werde das Betriebsergebnis (Ebit) nur leicht unter dem Vorjahr erwartet. Der Grund: Während Lufthansa die Stückkosten um ein Prozent senkte, ging es mit den Ticketpreisen nach oben. Die Air-Berlin-Pleite, so scheint es, hat für Lufthansa auch eine gute Seite.

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    1 Kommentar zu "Luftfahrt: Das Flugchaos bei Eurowings kommt die Lufthansa teuer zu stehen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Prognose wurde bestätigt, das bedeutet, dass es zwar nicht leicht ist Air Berlin zu integrieren, aber Lufthansa diese Aufgabe gewachsen ist. Lufthansa hat schon häufiger übernommene Gesellschaften gut integriert und ist zudem eine 5 Sterne Luftfahrtgesellschaft!
      Sieht man auf Ryainair, dann wird einem klar - billig geht nicht auf immer und ewig. Die Piloten und Flugbegleiter möchten vernünftig bezahlt werden. Und Passagiere wollen einen vernünftigen Service und dann auch tatsächlich abfliegen und ankommen.

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