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Luftfahrt Das Lockerbie-Verfahren könnte neu aufgerollt werden

Der Bombenanschlag auf eine Boeing 747 gibt immer noch Rätsel auf. Nun könnte es beim schlimmsten Terrorangriff auf europäischem Boden neue Erkenntnisse geben.
21.12.2019 - 14:33 Uhr Kommentieren
Anfang 2020 will die Scottish Cases Review Commission (SCCRC), die sich mit Justizirrtümern befasst, darüber entscheiden, ob das Attentat juristisch neu aufgerollt werden muss. Quelle: dpa
Überreste des abgestürzten Flugzeugs in Lockerbie

Anfang 2020 will die Scottish Cases Review Commission (SCCRC), die sich mit Justizirrtümern befasst, darüber entscheiden, ob das Attentat juristisch neu aufgerollt werden muss.

(Foto: dpa)

Frankfurt Es ist ein Polit-Thriller, der alles bietet: Ein fürchterliches Attentat, politische Verstrickungen und noch viele offene Fragen. Vor 31 Jahren, am 21. Dezember 1988, zerriss eine Bombe über dem schottischen Lockerbie eine Boeing 747 der US-Airline Pan-Am in der Luft. 259 Menschen an Bord und elf am Boden starben. Es war der bislang schlimmste Terrorangriff auf europäischem Boden. Nun könnte der Fall neu aufgerollt werden.

Anfang 2020 will die Scottish Cases Review Commission (SCCRC), die sich mit Justizirrtümern befasst, darüber entscheiden, ob das Attentat juristisch neu aufgerollt werden muss. Im Vorfeld hatte die Institution neue Ermittlungen vorgenommen.

Dabei halfen auch deutsche Behörden. „Zur Aufklärung der Hintergründe liegen der Staatsanwaltschaft Berlin Rechtshilfeersuchen aus Schottland vor, aufgrund derer mehrere mutmaßliche Stasi-Mitarbeiter unter anderem in Berlin vernommen werden“, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Berlin im März 2019 mit. Was dabei herauskam, ist bisher nicht bekannt.

Hat die frühere Staatssicherheit in der DDR beim Lockerbie-Attentat mitgemischt? Bislang galten Libyen und dessen früherer Staatschef Muammar al-Gaddafi als die Drahtzieher des Attentats. Die Regierung hat sich zwar niemals offiziell zu dem Anschlag bekannt. Aber sie hat Entschädigungen gezahlt. Auch wurde der libysche Geheimdienstoffizier Adel Bassit al-Megrahi für das Attentat Anfang 2001 zu einer lebenslangen Haft verurteilt.

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    Er wurde 2009 wegen einer Krebserkrankung begnadigt und starb im Mai 2012 in Libyen. Immer wieder wurden Zweifel an seiner Schuld laut. Er selbst hatte Berufung gefordert. Angehörige von ihm haben sich deshalb an das SCCRC gewandt und dort Beschwerde gegen dessen Verurteilung eingereicht – ein Auslöser für die erneuten Untersuchungen.

    Schon früh führten Spuren nach Deutschland – sowohl in den damaligen Ost- als auch den Westteil des Landes. Da ist etwa die Platine, die mit Teilen eines Radios verbaut die rund 400 Gramm Plastiksprengstoff gezündet haben soll. Sie stammte von der Schweizer Firma Mebo AG. Solche Bauteile waren zuvor zwar bei libyschen Geheimagenten gefunden worden.

    Spur der Bombe führt nach Deutschland

    Mebo belieferte aber auch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in der DDR. Das wiederum unterhielt damals gute Kontakte zu palästinensischen Organisationen. Auch das Bauteil selbst stellte die Ermittler vor Rätsel. Dort war ein „M“ eingeritzt. Nach Aussage von Mebo war das damals ein Kennzeichen für einen Prototyp, mit dem eigentlich keine Bombe gezündet werden konnte.

    Seltsam ist zudem der Fundort der Platine in einem Wald. Experten erklärten damals, dass ein so leichtes Bauteil aus der Flughöhe von 9400 Metern und bei den herrschenden Winden viel weiter entfernt von der Absturzstelle hätte zu Boden gehen müssen.

    Die Spur der Bombe selbst führte ebenfalls nach Deutschland. Pan-Am bot damals mehrere Flüge unter der gleichen Flugnummer an. PA 103 begann am 21. Dezember bereits in Frankfurt – als Zubringerflug nach London-Heathrow mit einer kleineren Boeing 727. Dort stiegen die Fluggäste dann in die 747 für den Flug nach New York.

    Die Ermittler vermuteten, dass ein Koffer, der keinem Passagier zugeordnet werden konnte, aus Malta kommend in Frankfurt in die Boeing 727 gelangte und von dort dann in den Gepäckraum der 747. Das Bundeskriminalamt wiederum hatte dafür keine Belege gefunden, dass die Bombe über Malta und Frankfurt in den Jet gelangte.

    Ob eine solche Bombe in Frankfurt aber überhaupt gefunden worden wäre, ist offen. Es hatte vor dem Attentat von Lockerbie eine Warnung gegeben. Am 5. Dezember hatte ein anonymer Hinweisgeber die US-Botschaft in Helsinki darauf hingewiesen, dass eine Bombe in kommenden zwei Wochen auf einen Pan-Am-Flug von Frankfurt in die USA geschmuggelt werde.

    Die US-Flugaufsicht FAA verteilte die Warnung daraufhin breit. Pan-Am erhöhte die Gepäckkontrollen. In Frankfurt allerdings ging die Warnung damals in einem Papierstapel unter und wurde zu spät zur Kenntnis genommen. Zudem waren die Sicherheitsdienste dort damals noch nicht in der Lage, den Plastiksprengstoff Semtex mit der vorhandenen Röntgentechnik zu finden.

    Auch möglicher Täter aus Syrien im Spiel

    In den Jahren nach dem Attentat machten verschiedene Theorien über die Hintergründe des Anschlags die Runde, einige davon ebenfalls mit einem Bezug zu Deutschland. So fanden Fahnder des Bundeskriminalamtes in einer Werkstatt der sogenannten „Front zur Befreiung Palästinas“ Bomben, die in Radios eingebaut werden sollten. Vier davon wurden gefunden, Zeugen zur Folge wurden aber fünf gebaut. War die fünfte die von Lockerbie?

    Geklärt wurde das nicht. US-Medien berichteten wiederum, dass die Bombe von Lockerbie wie auch die für das Attentat auf die Berliner Diskothek „La Belle“ im Jahr 1986 von einem Geheimdienstagenten Gaddafis gebaut wurden, einem anderen allerdings als der verurteilte Megrahi. Das FBI brachte auch einen Täter aus Syrien ins Spiel.

    Viele ungeklärte Spuren und Fragen also. Umso spannender ist, ob die schottische Behörde SCCRC bei ihren Recherchen neue Hinweise gefunden hat, die ein neues Verfahren rechtfertigen. Nur eines steht fest: Für die US-Airline Pan-Am war Lockerbie eine Katastrophe. 4,5 Milliarden Dollar kostete das Attentat die Airline.

    Schlimmer noch: Das Image als sichere US-Staats-Airline, das Pan-Am damals besaß, war dahin. Die Buchungszahlen gingen rapide in den Keller. 1991 musste die Fluggesellschaft Insolvenz anmelden.

    Mehr: Weltweit bereiten sich die Fluggesellschaften auf die Wiederzulassung der Boeing 737 Max vor. Doch noch immer fehlen viele Informationen über die Fehler des Unglücksflugzeugs.

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