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Luftfahrt Der Flugverkehr in Deutschland schrumpft

Erstmals seit vielen Jahren schrumpft die deutsche Luftverkehrswirtschaft. Die globalen Konflikte stellen die Branche auch 2020 vor große Herausforderungen.
10.02.2020 - 12:00 Uhr Kommentieren
Deutschland droht hinter die weltweite Entwicklung zurückzufallen. Quelle: LAIF
Flughafen Frankfurt

Deutschland droht hinter die weltweite Entwicklung zurückzufallen.

(Foto: LAIF)

Frankfurt Der deutsche Luftverkehr wird im laufenden Jahr voraussichtlich um 1,8 Prozent schrumpfen. Damit droht Deutschland hinter die weltweite Entwicklung zurückzufallen. Der Weltairline-Verband erwartet für 2020 ein Wachstum von 4,1 Prozent für den Passagierverkehr.

Klaus-Dieter Scheurle, der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), begründete die Entwicklung am Montagvormittag mit der eingetrübten Konjunktur, den andauernden Handelskonflikten sowie den Unsicherheiten durch den Brexit.

Hinzu kommen die Folgen der Insolvenzen von Air Berlin und Germania. „Die Airlines haben hier nach der Insolvenz deutlich aufgestockt und sind dabei auch über das Ziel hinausgeschossen. Nun werden die Überkapazitäten aus dem Markt genommen“, sagte Scheurle, der im Hauptamt der Chef der Deutschen Flugsicherung (DFS) ist, bei der Jahrespressekonferenz des BDL in Langen.

Die Entwicklung hat sich bereits im vergangenen Jahr abgezeichnet. So stieg an den deutschen Flughäfen zwar die Zahl der an- und abfliegenden Passagiere 2019 um 1,5 Prozent. Doch während die Nachfrage im ersten Halbjahr noch um 4,2 Prozent wuchs, brach sie zwischen Juli und Dezember 2019 auf minus 0,7 Prozent ein.

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    Grund ist laut BDL-Präsident Scheurle auch hier die nachlassende Wirtschaftsdynamik sowie der Abbau von Überkapazitäten, der bereits im vergangenen Jahr begonnen hat. „Unternehmen haben zudem von alternativen Verkehrsmitteln Gebrauch gemacht“, sagte Scheurle mit Verweis etwa auf die neue Schnellverbindung der Bahn zwischen Nürnberg und Berlin.

    „Ohne die Germania-Pleite zu Beginn des Jahres 2019 wäre das Angebot der Fluggesellschaften aber auf dem weltweiten Niveau gewachsen“, sagte Scheurle. Auch weltweit gibt es deutliche Zeichen dafür, dass der jahrelange Boom in der Luftfahrt vorerst zu Ende ist.

    Grafik

    So wuchs der internationale Luftverkehr laut IATA 2019 um 4,2 Prozent. Das ist das erste Mal seit der Finanzkrise 2009, in der die Passagiernachfrage unter dem durchschnittlichen Wachstum von jährlich rund 5,5 Prozent gefallen ist. Und auch im laufenden Jahr wird die Branche wohl unterhalb dieses Durchschnitts bleiben.

    Erhöhung der Ticketsteuer belastet die Branche

    Wer die Widrigkeiten, mit denen die Branche aktuell kämpfen muss, erfassen will, muss sich nur die ersten Wochen des neuen Jahres anschauen. Im Iran wurde ein Passagierjet vom Militär abgeschossen. Der Ausbruch des Corona-Virus lähmt den weltweiten Luftverkehr immer stärker.

    Wie lange diese Krise dauern wird, ist ungewiss. Und die Wiederzulassung der wegen erheblicher Konstruktionsmängel zwangsgeparkten Boeing 737 Max – ein äußerst beliebter Jet – dauert länger als erwartet. Zu den weiteren Auswirkungen des Corona-Virus hielt sich Scheurle bedeckt. „Prognosen sind in der Luftfahrt schwierig.“

    Experten würden einen Rückgang bei den Infektionszahlen ab Mitte März erwarten. Sollte das so eintreffen, dürfte es keine erheblichen Folgen für die Luftfahrt geben, sagte der BDL-Präsident. Im Passagierverkehr machen Verbindungen zwischen China und Deutschland laut Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer des BDL, nur rund ein Prozent aus.

    „Im Frachtverkehr sieht das etwas anders aus. Hier macht der China-Verkehr rund 15 Prozent des gesamten deutschen Warenverkehrs aus.“ Als weitere Belastung kommen in Deutschland Entscheidungen hinzu wie die Erhöhung der Ticketsteuer ab April. Das hatte die Bundesregierung im Zuge des Klimapakets beschlossen – zum Leidwesen der Branche.

    „Mit dieser Steuer werden sich die Rahmenbedingungen für die deutschen Airlines weiter verschlechtern“, mahnte Scheurle. Die unterschiedlichen Steuern müssten endlich harmonisiert und das Aufkommen in die Förderung von innovativen Technologien wie regenerative Kraftstoffe fließen.

    Scheurle verwies darauf, dass nationale Alleingänge wie der in Deutschland massive Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit der Airlines in dem Land hätten. So hätten die deutschen Fluggesellschaften kontinuierlich Marktanteile an den Heimatflughäfen verloren. Seit 2012 sei ihr Marktanteil um zwölf Prozentpunkte zurückgegangen – von 67 auf 55 Prozent im Jahr 2019.

    Interessant ist noch eine andere Zahl, die der BDL am Montag veröffentlichte. Danach sind die Ticketpreise für Flugziele innerhalb Europas gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen – innerhalb Deutschlands dagegen nicht. Das zeigt, dass der Wettbewerb in Deutschland trotz der Kapazitätsanpassungen der Airlines weiterhin hoch ist. Zur weiteren Preisentwicklung im laufenden Jahr wagte von Randow keine Prognose.

    Mehr: Boeing hat die US-Behörden auf die neuen Probleme beim 737 Max aufmerksam gemacht. Der Zeitplan für die Wiederzulassung soll aber eingehalten werden.

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