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Luftfahrt Die Finanzhilfen für Airlines werden in der Branche zum Wettbewerbsproblem

Steuergeld führt zu einem ruinösen Wettbewerb im Ferienfluggeschäft – und ist ein ordnungspolitisches Desaster. Die Lösung könnte ein Zusammenschluss sein.
07.12.2020 - 15:57 Uhr 1 Kommentar
Die deutsche Ferienfluggesellschaft prüft Schritte gegen die Kündigung der Partnerschaft durch Lufthansa. Quelle: imago images/Arnulf Hettrich
Condor-Jet startet in Frankfurt

Die deutsche Ferienfluggesellschaft prüft Schritte gegen die Kündigung der Partnerschaft durch Lufthansa.

(Foto: imago images/Arnulf Hettrich)

Frankfurt Die staatliche Stützung der durch die Pandemie gebeutelten deutschen Luftfahrtbranche bereitet zunehmend Probleme. Mit den Finanzhilfen für Lufthansa, Condor und den Reisekonzern Tui samt Tuifly festigt die Bundesregierung Überkapazitäten im Markt für Privat- und Urlaubsreisende. Der dadurch wachsende Wettbewerb könnte am Ende Jobs gefährden.

Einen Vorgeschmack auf das, was droht, liefert der Streit zwischen Lufthansa und Condor. Lufthansa hat ein Abkommen gekündigt, das es Condor ermöglicht, Kapazitäten für Zubringerflüge zu eigenen Langstreckenverbindungen bei Lufthansa einzukaufen. Hintergrund der Kündigung sind Lufthansa-Pläne, selbst das Geschäft mit Privatreisenden auszubauen. Die Condor-Spitze wittert den Versuch, die kleine Airline aus dem Markt zu drängen.

Branchenkenner überrascht der Vorgang nicht. „Deutschland braucht keine drei großen Ferienfluggesellschaften“, sagt Gerald Wissel von der Beratungsgesellschaft Airborne Consulting. Zumal auch Billigairlines wie Ryanair oder Wizz Air beliebte Urlaubsziele ansteuern würden. „Die aktuelle Konstellation ist ordnungs- und wirtschaftspolitisch ein absolutes Desaster“, sagt Wissel. Der bereits existierende Preiskampf werde mithilfe von Steuergeldern verstärkt und könne für manche existenzbedrohend werden.

Der Experte sieht nur einen Weg aus dem Dilemma: „Die Lösung ist die Zusammenlegung der touristischen Fluglinien von Lufthansa, Condor und Tuifly.“ Das könne zum Beispiel unter dem Dach von Condor geschehen, die über einen Markennamen verfügt, der etabliert und geschätzt werde. „Oder man sucht einen neuen, einen neutralen.“

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    Lufthansa und Tui könnten sich an dem konsolidierten Anbieter beteiligen und so von dem Geschäft profitieren. „Denkbar wäre auch eine Beteiligung weiterer Reiseveranstalter“, sagt Wissel. „Das würde nicht nur für eine stabile Auslastung der Flotte sorgen. Eine solche ,Genossenschaft‘ dürfte auch nicht auf große Wettbewerbsbedenken bei den Kartellhütern stoßen.“

    Finanzhilfen bergen politischen Sprengstoff

    Das klingt nach einer verwegenen Idee. Lufthansa etwa dürfte kaum Interesse an einer solchen Konstruktion haben. Das Airline-Management hat Privatreisen als künftiges Wachstumsfeld identifiziert.

    Andererseits birgt die aktuelle Situation Zündstoff, nicht zuletzt für die Politik. Sollte tatsächlich einer der Anbieter wegen des Wettbewerbs aufgeben müssen, würden die verantwortlichen Politiker in Erklärungsnöte geraten.

    Bei den Airlines weiß man das. Lufthansa hat die Politik in Berlin vorab über das Vorgehen bei Condor informiert. „Mit diesen Maßnahmen soll die Auslastung auf Strecken, die Lufthansa mit ihren eigenen Flugzeugen bedient, geschützt werden. Dies geschieht vor allem vor dem Hintergrund, Lufthansa-Arbeitsplätze bei ihrer Stammmarke zu erhalten“, heißt es in dem Schreiben.

    Auch das Management von Condor – so ist zu hören – hat die Politik auf die eigene Situation hingewiesen und den Vorwurf des Missbrauchs der Marktmarkt durch Lufthansa adressiert. Dort habe man das Thema durchaus zur Kenntnis genommen, heißt es im Umfeld der Fluggesellschaft.

    Eine Lösung ist nicht in Sicht. Das Thema dem Markt zu überlassen, wird kaum funktionieren. Lufthansa hat grundsätzlich das Recht, frei zu entscheiden, mit wem man eng zusammenarbeitet. Auch muss die Lufthansa-Spitze dafür sorgen, dass die milliardenschweren Staatshilfen möglich rasch refinanziert werden können. Das geht am besten über gut ausgelastete Jets.

    Der oberste Lufthanseat kämpft hart für den Erfolg seines Projektes
    Lufthansa-Chef Carsten Spohr

    Der oberste Lufthanseat kämpft hart für den Erfolg seines Projektes "Ocean", einer Plattform für touristische Flüge.

    (Foto: dpa)

    Richtig ist zudem, dass Lufthansa schon immer auch einen großen Teil an Privatkunden befördert. Doch bisher gab es eine überwiegend friedliche Koexistenz zwischen Lufthansa, Condor und Tuifly. Die ist nun wegen der Pandemie und des Drucks, die Staatshilfen rasch wieder abzulösen, gefährdet. Vor allem die kleinen Anbieter wie Tuifly und Condor werden den Vorstoß von Lufthansa zu spüren bekommen.

    Condor ist nach dem Verlassen des sogenannten Schutzschirmverfahrens ein grundsätzlich gesundes Unternehmen. Die Airline hat nach Aussagen von Unternehmenskennern eine Kostenstruktur, die niedriger ist als die des Billiganbieters Easyjet, und damit gute Zukunftsaussichten.

    Doch die Kündigung der Partnerschaft mit Lufthansa ist ein Rückschlag. Das bisherige Abkommen stellte zum Beispiel sicher, dass sich bei einer Verspätung des Zubringerfluges die Airlines um den Weitertransport des Passagiers kümmerten.

    „Herauslösung dieses Geschäft logischer Schritt“

    Kauft Condor die Zubringertickets künftig am freien Markt ein, fällt das weg. Für Verspätungen haften dann Reiseveranstalter wie Alltours oder etwa Schauinsland Reisen. Die haben Condor bisher stets die Treue gehalten, könnten sich angesichts solcher Risiken aber nun doch für Lufthansa entscheiden.

    Sind solche Wettbewerbsspielchen von Firmen normalerweise kein Thema in der Politik, liegt dieser Fall anders. Condor braucht einen neuen Eigner. Nur dann können die Staatshilfen abgelöst werden, alleine kann die Airline die Kredite nicht tilgen. Dieser Investor findet sich nur, wenn das Unternehmen eine attraktive Marktposition hat und behält.

    Für Berater Wissel sind das alles Gründe, die für seine Idee eines Zusammenschlusses der Anbieter sprechen. Nicht nur für die Investoren wäre das attraktiv, die Verbraucher müssten auch nicht zwingend mit höheren Preisen rechnen, schließlich gebe es noch Airlines aus dem Ausland, die viele der Ziele ansteuern, so Wissel.

    Fest steht für den Berater jedenfalls, dass die aktuelle Situation in Deutschland kaum zu vermitteln ist. Die hohen Staatshilfen etwa für die Lufthansa könne man mit der Systemrelevanz begründen. „Das bezieht sich jedoch ausschließlich auf die Liniendienste, so wie es auch die Bundesregierung sieht.

    Aktivitäten wie touristische Angebote fallen eigentlich nicht darunter, werden aber dennoch mit Steuergeldern unterstützt.“ Deshalb sei eine Herauslösung dieses Geschäfts aus der Lufthansa ein logischer Schritt, sagt Wissel und fügt mit Blick auf Staatshilfen für mehrere nationale Wettbewerber hinzu: „In keinem anderen Land in der EU gibt es einen vergleichbaren Vorgang.“

    Mehr: Wie Corona das Flugnetz ausdünnt.

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    1 Kommentar zu "Luftfahrt: Die Finanzhilfen für Airlines werden in der Branche zum Wettbewerbsproblem"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Hilfen für Lufthansa sind Kredite, die mit bis zu 9,5% Zinsen zurückzuzahlen sind. Ganz richtig, Herr Koenen, das bedeutet, dass Lufthansa auch neue Wege wie Privatfliegen gehen muss und es auch tut.
      Schön, dass Condor eine günstigere Kostenstruktur als Easyjet hat - da wird wohl an den Mitarbeitern gespart.
      Aber Condor wird aufgrund dieser wundervollen Kostenstruktur im Konkurrenzkampf mit Lufthansa, die eine deutlich ungünstiger Kostenstruktur wie Easyjet - weil gut bezahlte Mitarbeiter hat, sehr gut in Zukunft bestehen können. Ferner werden auf dem Markt plötzlich neue Anbieter auftreten, die sich günstige Maschinen und Crews besorgen - ein neues Geschäftsmodell. Würde man die strategische Ausrichtung von Lufthansa einschränken, dann sind auch die 9 Milliarden Hilfe verloren.
      Und ich bevorzuge die guten Leistungen der Lufthansa und lege keine Wert auf Billigflieger, weil dort die Leistung im Vergleich zum Preis eben nicht stimmt.

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