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Luftfahrt Die große Leere am Gate: So dramatisch ist die Situation für deutsche Flughäfen

Der Luftverkehr zieht nur langsam wieder an. Für viele Airports in Deutschland wird die Situation immer bedrohlicher. Fließt nicht bald Geld, wird es eng.
13.07.2020 - 15:45 Uhr Kommentieren
Auch wenn langsam wieder mehr Fluggäste in die Jets steigen, ist das Aufkommen an den deutschen Flughäfen sehr gering. Quelle: dpa
Leeres Terminal am Flughafen Frankfurt

Auch wenn langsam wieder mehr Fluggäste in die Jets steigen, ist das Aufkommen an den deutschen Flughäfen sehr gering.

(Foto: dpa)

Frankfurt Der Frankfurter Flughafen, das größte Drehkreuz in Deutschland, hat im ersten Halbjahr 2020 fast zwei Drittel weniger Passagiere als im Vorjahreszeitraum abgefertigt. Was in normalen Zeiten einer Katastrophe gleichkäme, ist in der Corona-Pandemie mittlerweile die neue Normalität. Es wird kaum noch geflogen. Das belastet die Fluggesellschaften, das belastet aber auch zunehmend die deutschen Flughäfen.

Stefan Schulte, der Vorstandsvorsitzende des Flughafenbetreibers Fraport aus Frankfurt, rechnet damit, dass die Passagierzahlen selbst in den kommenden Jahren um 15 bis 20 Prozent unter dem Normalniveau liegen werden. Deshalb müsse man die Personalkapazitäten entsprechend anpassen.

Rechnerisch bedeutet das: Von den weltweit 22.000 Stellen in der Unternehmensgruppe stehen bis zu 4000 zur Disposition. Schulte verspricht, den Abbau möglichst sozialverträglich vorzunehmen, schließt betriebsbedingte Kündigungen aber nicht grundsätzlich aus.

Dass selbst Fraport zu solchen Maßnahmen greifen muss, zeigt die Dramatik, die mittlerweile bei den deutschen Flughäfen herrscht. Der Flughafenbetreiber aus Frankfurt ist nicht nur der größte in Deutschland. Er ist auch weltweit präsent, hält zahlreiche Beteiligungen an ausländischen Flughäfen oder betreibt Airports über sogenannte Konzessionsverträge. Zudem ist das Unternehmen börsennotiert, hat damit Zugang zum Kapitalmarkt, um sich zu refinanzieren.

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    Den nutzt das Management in der Krise. So hat sich der Flughafenbetreiber nach Angaben von Finanzvorstand Matthias Zieschang seit März – als die Folgen der Pandemie immer heftiger wurden – 1,3 Milliarden Euro an neuer Liquidität besorgt. Mit den Mitteln von zuletzt 2,3 Milliarden Euro könne man auch „eine lange Durststrecke durchstehen“, sagte Zieschang kürzlich der „Börsen-Zeitung“. Von Staatshilfe will Konzernchef Schulte deshalb nichts wissen, auch wenn das Unternehmen aktuell pro Monat zwischen 80 und 100 Millionen Euro Verlust macht.

    Passagierzahlen bleiben niedrig

    Andere Flughäfen haben dagegen deutlich eingeschränktere Möglichkeiten, durch die Krise zu kommen. „Die deutschen Flughäfen kämpfen weiterhin mit den Folgen der Covid-19-Pandemie“, sagt Ralph Beisel, der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV. Zwar befänden sich die Airports aktuell in einer Phase des moderaten Neustarts. „Die wirtschaftliche Situation an vielen Flughäfen ist aufgrund der fehlenden Einnahmen aber besorgniserregend“, warnt Beisel.

    Die Verkehrsflughäfen befinden sich in einem Dilemma. Einerseits sind schon vor Beginn der Pandemie die Passagierzahlen gesunken. Die Pleiten großer Airlines wie Air Berlin rissen Lücken, die von anderen nicht wieder komplett gefüllt wurden. Corona hat diese Entwicklung nun massiv beschleunigt – ohne Aussicht auf baldige Besserung.

    Mit den ausbleibenden Passagieren brechen aber nicht nur Einnahmen auf der Gebührenseite weg. Auch den Läden und gastronomischen Betrieben an den Flughäfen fehlen die Kunden. Viele haben seit Monaten geschlossen. Da viele Flughafengesellschaften entweder an den Umsätzen im Handel und der Gastronomie beteiligt werden oder diese Geschäfte teilweise sogar selbst betreiben, bleiben auch hier die Einnahmen aus.

    Andererseits sind die Flughäfen gehalten, ihre Pisten und Abfertigungssysteme in Betrieb zu halten – für eine Grundversorgung etwa beim Transport von Lebensmitteln oder auch für Notfalleinsätze. Wirtschaftlich wäre es sinnvoll gewesen, einige der Flughäfen vorübergehend zu schließen.

    Grafik

    Doch das lehnte die Bundesregierung ab. Sie wollte, dass alle Flughäfen offen bleiben. „Das war ein ausdrücklicher Wunsch der Bundesregierung, damit Deutschland zumindest eine Minimalversorgung hat, etwa in der Fracht oder bei Flugverbindungen in andere Länder“, erklärte Fraport-Chef Schulte die besondere Situation kürzlich gegenüber der „Wirtschaftswoche“.

    Das kostet viel Geld. Auf bundesweit 150 Millionen Euro schätzt der ADV diese monatlichen Vorhaltekosten der Flughäfen für die politisch gewollte Betriebsbereitschaft. Deshalb fordert der ADV unterstützt von Flughafenchefs wie Walter Schoefer vom Stuttgarter Airport die Übernahme dieses Aufwands durch den Bund. Sieben Millionen Euro pro Monat seien das allein in Stuttgart, rechnete Schoefer kürzlich vor.

    Die Gespräche über Finanzhilfen gestalten sich schwierig. Das liegt unter anderem am föderalen System. Die meisten Flughäfen befinden sich in der Hand von Kommunen oder Ländern. Der Bund sieht deshalb erst einmal diese Eigentümer in der Pflicht, die Flughafenbetreiber zu unterstützen. Den Flughäfen wird bisher kein Zugang zum Stabilisierungsfonds oder KfW-Kredite gewährt. Beide Vehikel stehen ausschließlich privatwirtschaftlichen Unternehmen zur Verfügung.

    Da sich aber viele Flughafenbetreiber anders als etwa Fraport nicht am Kapitalmarkt bedienen können, wird es langsam eng. Zwar gibt es Überlegungen, die Gebühren anzuheben. Doch ohne signifikanten Verkehr nützt das wenig.

    Kampagnen gegen Fördermittel für Airports

    Bleibt die Möglichkeit, mit den Gesellschaftern auf kommunaler und Länder-Ebene über Zuschüsse und Beihilfen zu sprechen. Auch das ist langwierig. Zudem muss die EU-Kommission solchen Hilfen in der Regel zustimmen.

    Die Wettbewerbshüter in Brüssel hatten aber Beihilfen für die Flughäfen schon vor Corona im Visier gehabt. Eigentlich sollen die demnächst nicht mehr möglich sein. Zwar dürften die Kartellwächter wegen Corona großzügig über Hilfen urteilen – aber wohl nur vorübergehend.

    Hinzu kommt: Einige Kommunen und Länder tun sich mit Finanzhilfen schwer. Wegen der Folgen der Pandemie fehlt es überall an Geld. Außerdem genießt der Luftverkehr wegen der Klimabelastung nicht gerade den besten Ruf.

    Erst vor wenigen Tagen haben Vertreter des Bundes Naturschutz (BN) und des Aktionsbündnisses „aufgeMUCkt“ dem Landtag in München eine Petition übergeben, die die „sofortige Einstellung des Förderprogramms der Flughafen München GmbH für Flugverbindungen“ fordert. Unterzeichnet ist sie von 25.500 Menschen. Solche Kampagnen erhöhen den öffentlichen Druck auf die Politik.

    Fließt nicht bald Geld, dürfte es für den einen oder anderen Flughafen äußerst eng werden. „Erhalten sie keine Unterstützung, droht vielen von ihnen das Ende“, warnt Fraport-Chef und ADV-Präsident Schulte eindringlich. Gleichzeitig fordert er die Ausweitung der Kurzarbeit. Statt bis zum März kommenden Jahres müsse sie mindestens bis zum Sommer 2022 gelten.

    Verzweifelter Hilferuf von Mitarbeitern der Luftfahrt: Angesichts der Ankündigung vieler Unternehmen, Stellen zu streichen, wachsen die Sorgen um die Jobs in der Branche. Quelle: dpa
    Proteste von Mitarbeitern der Luftverkehrsbranche

    Verzweifelter Hilferuf von Mitarbeitern der Luftfahrt: Angesichts der Ankündigung vieler Unternehmen, Stellen zu streichen, wachsen die Sorgen um die Jobs in der Branche.

    (Foto: dpa)

    Zwar steigen langsam wieder mehr Menschen in die Maschinen. So verzeichnete Fraport in Frankfurt exakt 599.314 Passagiere im Monat Juni. Damit betrug das Minus gegenüber dem Vorjahr 91 Prozent. Das ist immerhin etwas besser als die Minusraten der vergangenen Monate, die nahe einhundert Prozent lagen. Auch scheint es zumindest im chinesischen Xi`an eine deutliche Erholung zu geben. Dort reduzierte sich das Minus bei den Passagierzahlen auf 32 Prozent. Fraport ist an dem chinesischen Airport mit 24.5 Prozent beteiligt.

    Doch klar ist: Die Fluggesellschaften werden sich vorerst auf die größeren Flughäfen konzentrieren. Nur hier haben sie überhaupt die Chance, ihre Jets irgendwann wieder so auszulasten, dass auch die Kosten eingeflogen werden.

    Viele andere Flughäfen müssen dagegen fürchten, dass ihnen immer mehr Airlines den Rücken kehren werden. So will Lauda zum Beispiel die Basis in Stuttgart schließen. Beim Ableger von Ryanair wird derzeit hart um geänderte Tarifverträge gerungen. Das Management fordert vom fliegenden Personal einen massiven Verzicht. Dagegen wehren sich Teile der Belegschaft.

    Der britische Billig-Anbieter Easyjet wiederum will seine Präsenz in Berlin deutlich reduzieren. So soll die Flotte der dort stationierten Flugzeuge bis Ende des Jahres von 34 auf 18 schrumpfen. Easyjet hatte Anfang 2018 die Berliner Teile der insolventen Air Berlin übernommen. Doch der Markt dort ist sehr preisintensiv. Es fällt den Airlines schwer, ausreichend Geld zu verdienen. Nun sind nach Gewerkschaftsangaben fast 740 der gut 1500 Stellen bei Easyjet in Berlin bedroht.

    „Wir werden zwar Berlins größte Airline bleiben“, sagte Easyjet-Chef Johan Lundgren der Nachrichtenagentur Reuters: „Aber wir müssen unseren Flugplan an die Nachfrage nach der Pandemie anpassen und uns auf profitables Fliegen konzentrieren.“

    Mehr: Airbus und Boeing stellen sich auf eine lange Krise ein.

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