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Luftfahrt Die Lufthansa arbeitet am Plan B – um eine Insolvenz zu verhindern

Vorstand und Aufsichtsrat stellen sich auf eine Ablehnung des Rettungspakets ein. Die Airline arbeitet mit Hochdruck an Alternativplänen.
24.06.2020 Update: 24.06.2020 - 16:53 Uhr Kommentieren
Auch bei einer Ablehnung des Rettungspakets für die Lufthansa am Donnerstag soll der Flugbetrieb weitergehen. Quelle: dpa
Flughafenbetrieb unter Corona-Bedingungen

Auch bei einer Ablehnung des Rettungspakets für die Lufthansa am Donnerstag soll der Flugbetrieb weitergehen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Als die Aufsichtsräte der Lufthansa am Mittwochvormittag um 11 Uhr zusammenkommen, lasten große Sorgen auf den Kontrolleuren. Einen Tag vor der außerordentlichen Hauptversammlung, die über das Rettungspaket der Bundesregierung entscheidet, sieht man bei der Lufthansa wenig Hoffnung auf die notwendige Zustimmung der Anteilseigner.

Großaktionär Heinz Hermann Thiele, der mit seiner Ablehnung das Rettungspaket kippen kann, scheint bei seiner harten Haltung zu bleiben. „Ich glaube kaum, dass sich Herr Thiele enthält. So, wie er sich im Vorfeld positioniert hat, bleibt nur ein Nein“, sagt eine Führungskraft des Unternehmens.

Die Hauptversammlung soll am Donnerstag über die mühsam mit dem Staat ausgehandelte Rettung abstimmen. Es ist das letzte und auch das entscheidende Votum. Stimmen die Aktionäre zu, erhält die Lufthansa das von der Bundesregierung zugesagte Stabilisierungspaket über neun Milliarden Euro und kann damit die Folgen der Coronakrise im Kern unbeschadet überstehen.

Wäre da nicht der streitbare Unternehmer Thiele. Mit seiner Beteiligung von 15,5 Prozent kann er die Kapitalerhöhung blockieren, die zwingend notwendig ist, damit der Staat für 300 Millionen Euro mit 20 Prozent bei der Airline einsteigen kann. Ohne Beteiligung werden auch die anderen Gelder nicht fließen – ein KfW-Kredit über drei Milliarden Euro sowie eine stille Einlage über insgesamt 5,7 Milliarden Euro.

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    Da aber schon klar ist, dass nur 38 Prozent des Grundkapitals bei dem virtuellen Treffen anwesend sein werden, kann Thiele mit seinem Paket die erforderliche Zweidrittelmehrheit verhindern. Eine Enthaltung Thieles würde den Weg für das Paket dagegen freimachen, weil diese Stimmen dann nicht mitgezählt werden.

    Doch daran glauben die meisten mittlerweile nicht mehr – weder im Management noch im Kontrollgremium. „Es ist eine bedrückende Sandwichposition, in der wir uns befinden“, sagt ein Manager. Auf der einen Seite stehe der Bund mit seinem Rettungsangebot, an dem die Politik nicht rütteln will. Auf der anderen Seite stehe Thiele, der Nachbesserungen fordert und sich an der hohen Staatsbeteiligung und dem Vorzugspreis für den Bund stört. 2,56 Euro muss der Staat pro Anteilsschein bezahlen. An der Börse kostet die Lufthansa-Aktie rund 9,50 Euro.

    Bund will nicht nachverhandeln

    Eine Lösung wird es vor dem Aktionärstreffen wohl nicht mehr geben. Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr hat den Kontrolleuren noch mal von seinen Eindrücken von dem Treffen zwischen Thiele, Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Montag berichtet. Die Beteiligten hatten zuvor öffentlich Stillschweigen vereinbart. Scholz sprach hinterher von einem freundlichen Gespräch, andere empfanden die Stimmung als frostig.

    Laut Handelsblatt-Informationen haben die Minister unmissverständlich deutlich gemacht, dass es keine Nachbesserungen mehr geben wird. Daran hätten sie keinen Zweifel erkennen lassen, heißt es in Berliner Kreisen. Thiele wiederum habe seine Position deutlich gemacht, sich aber nicht in die Karten schauen lassen. „Seine Motive legte er nicht offen“, heißt es. Entsprechend angespannt sei die Atmosphäre gewesen.

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    Nun bereiten sich alle auf das Szenario eines Scheiterns am Donnerstag vor – auch wenn bei einigen noch ein Fünkchen Hoffnung zu spüren ist. „Der Bauch sagt, dass ein Scheitern eigentlich undenkbar ist, der Verstand sagt, dass alles möglich ist“, sagt eine Führungskraft.

    Sollte Thiele tatsächlich Nein sagen, stünden dem Lufthansa-Management noch hektischere Tage bevor, als sie es bisher schon waren. Zwar hat der Vorstand in den letzten Tagen immer wieder betont, dass bei einer Ablehnung eine zeitnahe Insolvenz nicht ausgeschlossen werden könne.

    Doch der Lufthansa-Spitze bleibt wohl noch ein kleines Zeitfenster, um einen Plan B zu entwerfen. Man wird nicht sofort zum Amtsgericht gehen müssen. Das geht aus Aussagen Spohrs in einem Mitarbeiterbrief hervor, der am Sonntagabend intern verschickt wurde. Der Vorstand werde „die verbleibende Zeit bis zur Anmeldung einer Insolvenz nutzen, um mit der Bundesregierung Optionen zu besprechen“, heißt es dort.

    Kleines Zeitfenster für die Suche nach Alternativen

    Vermutlich hat das Unternehmen allein wegen seiner Größe noch ein paar Möglichkeiten, um die für den Betrieb notwendige Liquidität durch verschiedene kurzfristige Maßnahmen für einige Tage zu sichern. Darauf deutet auch eine andere Aussage Spohrs in dem Mitarbeiterbrief hin. Lufthansa habe „umfangreiche Vorbereitungen getroffen, unter anderem, um ein Grounding zu verhindern“.

    Muss ein Unternehmen Insolvenz anmelden, werden alle Zahlungen umgehend gestoppt. In der Luftfahrt kann das drastische Folgen haben. Weil Partner wie Flughäfen, Treibstofflieferanten oder die Bodendienste Sorge um ausstehende Zahlungen haben, können sie unter Umständen Flugzeuge der Airline, die gerade am Flughafen etwa im Ausland stehen, als eine Art Pfand festsetzen.

    Wie viel Zeit der Lufthansa bleibt, um eine alternative Lösung für die heikle Situation zu finden, ist nicht bekannt. Auch wie diese Alternativen im Detail aussehen können, ist nicht klar. Fakt ist aber, dass während der wochenlangen Verhandlungen mit der Bundesregierung über die Rettung des Unternehmens mehrere Varianten durchgespielt wurden.

    Darunter war auch der Vorschlag, dass der Bund in einem ersten Schritt Aktien bis zu einer maximalen Grenze von zehn Prozent des Grundkapitals erwirbt. Das wäre durch einen entsprechenden Vorratsbeschluss der Aktionäre gedeckt, bräuchte also nicht die erneute Zustimmung in einer Hauptversammlung. Durch verschiedene Instrumente könnte der Schutz vor einer feindlichen Übernahme gesichert werden. Damit wäre das Hauptanliegen der Bundesregierung gewahrt.

    Bei den Verhandlungen wurde diese Variante abgelehnt. Vor allem die SPD wollte nach außen ein klares Zeichen setzen, dass es eine Staatshilfe in der Dimension wie bei der Lufthansa nur gegen einen signifikanten Aktienanteil des Staates gibt. Möglicherweise wird der Plan aber unter den geänderten Bedingungen einer Ablehnung des Rettungspakets wieder hervorgeholt.

    So wird nach Informationen aus dem Unternehmensumfeld an einem Vorschlag gearbeitet, bei dem der Bund durch eine Kapitalerhöhung in einem ersten Schritt nahezu zehn Prozent des Grundkapitals erwirbt – unter Ausschluss des Bezugsrechts für Altaktionäre. In einem zweiten Schritt könnte der Bund nach und nach aufstocken. Das wäre zum Beispiel über Zukäufe am Markt möglich. Oder es werden weitere Kapitalerhöhungen durchgeführt, bei denen dann aber auch Altaktionäre kaufen können.

    Für den Bund hätte das den Nachteil, dass der Preis für die direkte Beteiligung an der Lufthansa steigen würde. Aber das könnte über die anderen Elemente des Rettungspakets ausgeglichen werden. Der Vorteil wäre: Die Altaktionäre könnten mitmachen, die Zustimmung zum Rettungspaket wäre bei einer solchen Lösung weniger gefährdet. Auch könnte zum Beispiel Thiele Anteile zeichnen, um seine Position bei der Lufthansa zu festigen. Den finanziellen Spielraum dafür hätte er. Er hat kürzlich acht Millionen Anteile an seinem Unternehmen Knorr-Bremse verkauft und so gut 700 Millionen Euro eingenommen.

    Regierung muss von Plan B überzeugt werden

    Bis jetzt ist das allerdings nur ein Plan B auf dem Papier. Es ist völlig offen, ob die Bundesregierung und insbesondere die SPD bereit sind, sich auf einen solchen neuen Deal einzulassen. Zwar soll für Donnerstag nach dem Ende der Hauptversammlung bereits prophylaktisch eine Sitzung des Ausschusses des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) angesetzt sein, auf der es um das weitere Vorgehen bei der Lufthansa gehen soll. Im WSF sitzen Vertreter verschiedenster Ressorts, er ist das Vehikel des Bundes, über den die Rettung der Lufthansa im Wesentlichen läuft. Der WSF ist es auch, der Aktionär des Unternehmens werden soll.

    Doch bei der Sitzung dürften auch andere Maßnahmen diskutiert werden – etwa die Vorbereitung eines Massekredits für den Fall, dass die Lufthansa doch Insolvenz in Form eines sogenannten Schutzschirmverfahrens anmelden muss. In Berlin wird befürchtet, dass sich in dem Fall Thiele anbieten könnte, seinerseits den Massekredit zu stellen. Den könnte er dann später in Eigenkapital umwandeln.

    Aus Sicht eines Sachwalters, der bei einem Schutzschirmverfahren über alle Angelegenheit der „Masse“ streng wacht und dabei immer die Interessen aller Gläubiger im Blick hat, könnte ein solches Angebot attraktiv sein. Denn der Kredit müsste nicht getilgt werden, es würden weniger Mittel abfließen. Um gegenzuhalten, müsste der Bund für seinen Massekredit wahrscheinlich Konditionen formulieren, die im Grund „unschlagbar“ sind.

    Die Situation bleibt also vorerst undurchsichtig. Und die Sorge um die Lufthansa wächst von Tag zu Tag. Auch bei den deutschen Flughäfen. Die Lufthansa sei für die deutsche Luftfahrt und die Anbindung ungeheuer wichtig, wirbt Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, vehement für die Rettung der Airline. Von den rund 600 Flugzielen, die von Deutschland aus erreichbar seien, werden zwei Drittel von der Lufthansa bedient.

    „Auch die Passagiere an den kleineren Flughäfen profitieren davon, dass sie per Kurzstrecke an die Drehkreuze gebracht werden. Für ein föderales Land wie Deutschland mit seinen starken Unternehmen in den Regionen ist das ein echtes Pfund“, so Beisel: „Fiele die Lufthansa aus oder würde stark geschwächt, wäre die Folge ein ausgedünntes Netz. Wettbewerber könnten das nicht ausgleichen. Low-Cost-Airlines haben ein anderes Geschäftsmodell.“

    Mehr: Diese Optionen hat Lufthansa-Großaktionär Thiele

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