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Luftfahrt Die Partnersuche für Alitalia bleibt vertrackt

Die Frist für die Rettung der Airline endet am Montag. Bislang scheint kein Kandidat gut genug zu sein. Und mancher hätte gern die Lufthansa dabei.
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Alitalia: Die Partnersuche für die Airline bleibt vertrackt Quelle: AP
Flugzeuge von Alitalia und Lufthansa in Mailand

Die größte europäische Airline spielt im Bietergefecht keine Rolle mehr, was mancher in Rom bedauert.

(Foto: AP)

Rom, Frankfurt Der italienische Industrieminister Luigi Di Maio gibt sich entschieden. „Dieses Mal gibt es keine Fristverlängerung“, sagte der Vizepremier und Chef der Bewegung Fünf Sterne, zu Beginn der Woche. „Wir sind kurz vor einer Lösung.“ Am 15. Juli soll endgültig die Zeit ablaufen, in der Bewerber für einen Einstieg bei Alitalia ein Angebot abgeben können. Dreimal wurde die Frist schon verlängert.

Gesucht ist ein vierter Partner, der 35 bis 40 Prozent der Anteile übernimmt, die bei der Neuaufstellung der seit mehr als zwei Jahren insolventen Alitalia noch nicht verteilt sind. Es geht um rund 300 Millionen Euro.

Nach Angaben des Ministeriums von Di Maio besteht das Konsortium bisher aus folgenden Bietern: Circa 35 Prozent hält die staatliche italienische Eisenbahngesellschaft Ferrovie dello Stato (FS), zwischen zehn und 15 Prozent Delta Airlines und rund 15 Prozent das Wirtschafts- und Finanzministerium.

Für den Rest sind drei Interessenten im Rennen. Doch bei allen dreien gibt es Bedenken. Da ist einmal der Besitzer des Fußballklubs Lazio Rom, Claudio Lotito. Von dem habe Minister Di Maio „Garantien für eine solide Finanzierung“ gefordert, die nicht kamen. Dann bietet die Gruppe Toto mit Carlo Toto, dem Ex-Chef von Air One.

Ein Neuzugang und seit Wochenbeginn in Rom zu Gesprächen ist zudem German Efromovich, der aus Bolivien stammende Hauptaktionär der kolumbianischen Airline Avianca. Er sei bereit, bis zu 400 Millionen Euro zu zahlen, heißt es. Aber er hat angeblich alle gegen sich, angefangen vom Ministerium bis zum Finanzberater des Deals, der Investmentbank Mediobanca. Zudem will er den Vorsitz im Verwaltungsrat.

Ein vierter Name fehlt in der Liste: Lufthansa. Das Team um Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat schon vor längerer Zeit ein recht konkretes Angebot vorgelegt. Alitalia soll als eigenständige Marke erhalten bleiben, aber mit einem angepassten Kurz- und Langstreckennetz. Das geht nur über eine radikale Sanierung und den Abbau von Arbeitsplätzen.

Sehnsucht nach der Lufthansa

Viele Beschäftigte, so argumentiert Lufthansa, würden allerdings in der großen Lufthansa-Gruppe Unterschlupf finden. Doch Minister Di Maio hat den 11.000 Beschäftigten öffentlich eine Garantie für ihren Job gegeben. Das passt nicht zusammen.

Lufthansa hat wiederholt betont, dass man zu dem Angebot stehe, allerdings zu den genannten Bedingungen. Lufthansa will bei Alitalia die Führung übernehmen, mittelfristig auch gerne 100 Prozent der Anteile. Den Staat als Aktionär lehnt man deshalb ab. Allenfalls mit der staatlichen Eisenbahngesellschaft FS könne man sich arrangieren, heißt es.

Deshalb spielt die größte europäische Airline im Bietergefecht keine Rolle mehr, was mancher in Rom bedauert. Ein Einstieg der Deutschen wäre gut gewesen, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Man hoffe noch auf ein Wunder.

Der Amtsvorgänger Di Maios spricht es offen aus: „Das wäre eine ernsthafte Lösung gewesen. Die Pläne für die Mittelstrecke waren gut. Über die Zahl der Stellenstreichungen hätte man noch verhandeln müssen“, sagt Carlo Calenda, heute in der Opposition.

Nun muss nach anderen Lösungen gesucht werden. „Es sieht nach einer komplizierten Schachpartie aus“, schreibt ein Leitartikler in Rom. Denn es gibt noch einen weiteren Kandidaten, der sich bisher zurückhält: Atlantia, die Vermögensverwaltung der Benetton-Familie. Das wäre der Wunschpartner für Ferrovie dello Stato und Delta. Doch Atlantia ist als Betreiber von Straßen seit dem Brückeneinsturz in Genua nicht gut gelitten bei der Regierung, auch wenn keine Schuld nachzuweisen ist.

Streit in der Regierungskoalition

Fest steht: Die Politik muss eine Lösung finden. Und das möglichst bald, denn das Geld aus dem Überbrückungskredit wird weniger. 900 Millionen Euro hatte Alitalia bekommen. Ende Juni hatte das Unternehmen noch 435 Millionen Euro in der Kasse, zu Jahresbeginn waren es noch 509 Millionen Euro. Auch hat sich die EU-Kommission den Fall mittlerweile vorgenommen.

Die Airline ging im Mai 2017 pleite, nachdem die Angestellten mehrheitlich gegen einen Sanierungsplan gestimmt hatten. Seitdem verwalten von der Regierung eingesetzte Kommissare das Unternehmen. Die Regierung billigte erst einen Überbrückungskredit in Höhe von 600 Millionen Euro, der dann um weitere 300 Millionen Euro aufgestockt wurde.

Aber die Koalitionsregierung von Lega und Bewegung Fünf Sterne scheint sich nicht einig zu sein. Direkt nach Amtsantritt vor einem Jahr tönte sie, man wolle Alitalia in italienischer Hand behalten, gar wieder verstaatlichen oder neue Beteiligungen suchen. „An strategischen Partnern sind wir interessiert“, sagte damals Di Maios Staatssekretär Michele Geraci.

Ein Beispiel für den Streit: Wirtschafts- und Finanzminister Giovanni Tria, parteilos, plädiert längst offen für eine weitere Verlängerung der Frist für den Einstieg von Investoren. Man wolle mehr Sicherheiten von den strategischen Partnern haben, sagte er vor ein paar Tagen.

Und dann stellte er mit einem Satz alle bisherigen Ergebnisse wieder infrage: Die exakte Beteiligung seines Ministeriums sei noch zu definieren und würde von den Investitionen abhängen und vom neuen Industrieplan, den es noch nicht gebe, erklärte er.

Postwendend kam ein Dementi des Industrieministeriums. Doch Tria ließ sich nicht beirren. „Der Staat steigt ein für einen Relaunch der Alitalia, nicht für eine Rettung“, erklärte er.

In Roms Flughafen in Fiumicino ist nichts von der Krise bei der Fluggesellschaft zu spüren. Hier herrscht bei strahlendem Sommerwetter Hochbetrieb. Der Flugbetrieb läuft ungestört weiter, und die Stewardessen haben nach der Ära mit der Golf-Airline Etihad als Großaktionär wieder schicke Uniformen. Aber das ändert nichts an einer Tatsache: Egal, welche Lösung kommt, ohne Stellenabbau wird es nicht gehen.

Mehr: Der Preiskampf in der Luftfahrtbranche geht weiter. Die Lage in Europa wird auch für größere Anbieter bedrohlich. Sogar Billigairlines leiden.

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