Luftfahrt Europas Airlines fliegen der US-Konkurrenz davon

Während Lufthansa, IAG, Air France-KLM und Ryanair wachsen, laufen die Geschäfte der vier großen US-Fluggesellschaften immer schleppender.
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Mitte August hatte Berkshire Hathaway in einer Pflichtmitteilung an die US-Börse erklärt, die Beteiligung an der US-Billigairline um 20 Prozent aufgestockt zu haben. Quelle: AP
Southwest Airlines

Mitte August hatte Berkshire Hathaway in einer Pflichtmitteilung an die US-Börse erklärt, die Beteiligung an der US-Billigairline um 20 Prozent aufgestockt zu haben.

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FrankfurtDie Spekulationen kochen seit Monaten: Kauft Investorenlegende Warren Buffett über seine Anlagegesellschaft Berkshire Hathaway die US-Billigairline Southwest komplett? Mitte August war es wieder so weit: Berkshire Hathaway hatte in einer Pflichtmitteilung an die US-Börse erklärt, die Beteiligung um 20 Prozent aufgestockt zu haben.

Damit besitzt die Investmentgesellschaft nun Aktien im Wert von rund 2,9 Milliarden Euro, was etwas mehr als acht Prozent des Aktienkapitals entsprechen dürfte. Hathaway ist an allen vier großen US-Fluggesellschaften beteiligt – neben Southwest auch an Delta, American Airlines und United Continental.

Das Investment in Southwest scheint perfekt zu einer Aussage von Buffett aus dem Frühjahr zu passen. In einem Interview hatte er nicht ausgeschlossen, auch einmal eine gesamte Airline zu kaufen. Und auch der Zeitpunkt passt ins Bild. Nach einem Unfall, bei dem ein Triebwerk explodierte und eine Passagierin ums Leben kam, war der Aktienkurs von Southwest im Frühsommer unter Druck geraten. Das Papier der finanziell grundsoliden Airline kostet zurzeit fast fünf Prozent weniger als zu Jahresbeginn.

Hinzu kommt: Die vier großen US-Airlines kommen an ihre Wachstumsgrenzen – zumindest organisch. Der Blick in die Geschäftsberichte zeigt: Die Zahl der Passagiere der US-Anbieter ist im vergangenen Jahr deutlich langsamer gewachsen als die der europäischen Rivalen.

Mit einem Passagierplus von 3,91 und 3,42 Prozent konnten Southwest und United Continental noch am stärksten zulegen. Delta schaffte ein Wachstum von nur 1,44 Prozent, American Airlines gar von nur 0,47 Prozent.

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Zum Vergleich: Lufthansa steigerte die Zahl der Fluggäste um 18,57 Prozent, Easyjet schaffte 9,71 Prozent, Ryanair 8,58 Prozent und die britisch-spanische IAG immerhin noch 4,13 Prozent.

Zwar hat eine Insolvenz- und Konsolidierungswelle ohnegleichen der Luftfahrtbranche in den USA über viele Jahre starkes Wachstum beschert. Aus einst neun führenden Airlines wurden vier große Anbieter, die rund 90 Prozent des amerikanischen Marktes dominieren.

US-Airlines haben jahrelang zu wenig investiert

In Europa sind 139 Airlines unterwegs, die fünf größten – Lufthansa, IAG, Air France-KLM, Ryanair und Easyjet – vereinen gerade einmal einen Marktanteil von rund 66 Prozent auf sich. Doch die positiven Effekte dieser Marktbereinigung in den USA sind offensichtlich verbraucht.

Zumal die großen US-Fluggesellschaften die „goldenen Jahre“ nicht dazu genutzt haben, in die Zukunft zu investieren. Die Flotten gelten zum Teil als veraltet, die Informationstechnik als nicht mehr zeitgemäß. Gleichzeitig steigen die Kosten, denn etwa das fliegende Personal, das während der Zeit des Gläubigerschutzes (US-Insolvenzverfahren) Verzicht geübt hatte, hat mittlerweile deutliche Lohnaufschläge durchsetzen können. Bei Delta, American Airlines und auch Southwest sind die Kosten im vergangenen Jahr überproportional zum Umsatz gestiegen.

Dagegen stehen Europas Fluggesellschaften besser da, auch weil hier viele Hausaufgaben erledigt wurden – etwa, was die Ausgestaltung der Tarifverträge betrifft. Bei Lufthansa etwa wuchs der Umsatz 2017 um 12,38 Prozent, die Kosten nur um 9,63 Prozent. Die IAG konnte die Kosten bei einem Umsatzplus von 1,79 Prozent sogar um 0,37 Prozent senken. Bei Ryanair halten sich Umsatzzuwachs (7,58 Prozent) und Kostenplus (7,24 Prozent) beinahe die Waage, nur Easyjet musste ein stärkeres Wachstum bei den Kosten (3,60 Prozent) als beim Umsatz (0,75 Prozent) hinnehmen.

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Die Stärke der Branche in Europa zeigt sich auch beim Thema Profitabilität. Über viele Jahre hinkten die Airlines hierzulande der US-Konkurrenz hinterher. Während Delta und Co. deutlich zweistellige operative Ergebnismargen erreichten, mussten sich die europäischen Anbieter lange Zeit mit Werten von vier oder sechs Prozent zufriedengeben.

Europas Luftfahrtbranche bietet Raum für Konsolidierung

Mittlerweile gleicht sich die Profitabilität beider Gruppen an – die US-Airlines kommen von oben, die europäischen von unten. So gab die Ergebnismarge etwa von Delta im vergangenen Jahr von 17,54 auf 14,82 Prozent und die von Southwest von 18,41 auf 16,60 Prozent nach. American Airlines und United Continental schaffen sogar nur noch einstellige Werte. In Europa toppt dagegen Ryanair alle Rivalen mit einer Marge von gut 23 Prozent, die IAG schafft stolze 13 Prozent und Lufthansa immerhin 8,86 Prozent.

Noch wichtiger ist allerdings die Zukunft. In der Luftfahrtbranche in Europa gibt es noch viel Konsolidierungsfantasie. Hinzu kommt ein gesundes Wachstum. Der Weltluftfahrtverband Iata etwa taxiert das Plus bei der Passagierkapazität 2018 auf 7,3 Prozent. In den USA wird es dagegen schwierig, Treiber für Wachstum zu finden.

Die Iata rechnet mit einem Plus bei der Passagierkapazität von nur 4,4 Prozent im Jahr 2018. Und selbst das ist wohl davon abhängig, ob der erhoffte Trump-Effekt sich einstellen wird. Entscheidungen wie die für die Steuerreform würden die Wirtschaft und damit auch die Nachfrage nach Flugtickets ankurbeln, so das Kalkül von Analysten.

Die US-Airlines setzen indessen alle Hebel in Bewegung, um die Profitabilität wieder auf das gewohnte Niveau zu hieven. So hat etwa American Airlines damit begonnen, unrentable Strecken aus dem Flugplan zu nehmen. Betroffen sind Routen wie die von Chicago nach Schanghai oder Peking.

Gleichzeitig wird versucht, höhere Preise nicht zuletzt im Premium-Bereich durchzusetzen. Analysten wie Helane Becker von der Cowen Group setzen deshalb darauf, dass die Durchschnittserlöse pro Passagier in den kommenden Wochen wieder ansteigen werden. Doch die Sofortmaßnahmen sind kaum dazu geeignet, die Wachstumsprobleme langfristig zu lösen. Vielleicht braucht es dazu tatsächlich einen Investor wie Warren Buffett.

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