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Luftfahrt Ferienflieger Germania zahlt keine Gehälter – Entzug der Betriebserlaubnis droht

Die Sorge um die angeschlagene Airline aus Berlin wächst. Im Januar erhielten die Mitarbeiter keine Gehälter. Schon am Montag könnte es eine Entscheidung geben.
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Der kleinen Airline droht das Aus. Quelle: dpa
Flieger von Germania am Flughafen Berlin-Schönefeld

Der kleinen Airline droht das Aus.

(Foto: dpa)

FrankfurtKommt die Sprache auf Germania, werden Luftfahrtmanager in diesen Tagen schnell sehr still. Keiner will sich gerne öffentlich äußern. Zu ernst ist die Situation der kleinen Airline. Am Montag könnte sich entscheiden, wie es mit der Fluggesellschaft aus Berlin mit ihren rund 1.100 Mitarbeitern weitergehen wird. Entsprechende Hinweise verdichteten sich am Wochenende.

Germania hatte Mitte Januar finanzielle Engpässe eingeräumt. „Germania prüft aktuell mehrere Optionen einer Finanzierung, um den kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu sichern“, hieß es damals. Einige Tage später konnte Airline-Chef Karsten Balke dann angeblichen Erfolg melden. Man habe eine „wichtige Zusage“ erhalten. Sogar mehr Geld als die gewünschten 15 Millionen Euro sei in Aussicht gestellt worden.

Doch offensichtlich wartet das Management bis jetzt vergeblich auf die Finanzspritze des unbekannten Investors. Jedenfalls konnte das Unternehmen die Januar-Gehälter nicht auszahlen – kein gutes Zeichen. Kann eine Fluggesellschaft nicht nachweisen, dass man ausreichend Mittel für den Betrieb und die Wartung hat, droht der Entzug der Betriebserlaubnis (AOC) durch das Luftfahrt-Bundesamt.

Das Unternehmen verweist auf laufende Finanzierungsgespräche, der Flugbetrieb laufe wie gewohnt weiter. Ansonsten äußert man sich nicht. In der Branche wird berichtet, dass sich viele Crew-Mitglieder mittlerweile krankgemeldet hätten. Andere sprechen dagegen davon, dass Mitarbeiter aus dem Urlaub zurückgekommen seien, um ihre Solidarität zu zeigen und den Betrieb zu sichern.

In der Luftfahrt-Industrie hoffen viele, dass eine Lösung für das Unternehmen gefunden werden kann. Ob Tuifly, Lufthansa oder andere Airlines – viele in der Branche arbeiten mit Germania zusammen. Zum Teil werden Flugzeuge samt Crews gemietet, teilweise Sitzplatzkontingente.

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Auch für viele kleinere Flughäfen ist Germania enorm wichtig. Die Airline bedient sie schon lange. Nach der Air-Berlin-Pleite ist die Fluggesellschaft hier sogar noch expandiert. An Flughäfen wie Nürnberg, Dresden, Bremen oder Erfurt hat sie einen großen, zum Teil sogar mit Abstand den größten Marktanteil.

„Germania ist im deutschen Markt ein wichtiger Nischen-Carrier. Ein Wegbrechen von Germania würde auch viele kleinere Flughäfen in ein wirtschaftlich schwieriges Fahrwasser bringen“, warnt Ralph Beisel, der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV. Mehr als ein Drittel der Passagiere an diesen Standorten würde auf die Airline entfallen.

Germania ist mit etwas weniger als 40 Flugzeugen – davon 27 in Deutschland – keine ganz kleine Airline. Die Flotte entspricht in etwa der Größe der deutschen Tuifly. Das Unternehmen ist auf Ferienflüge spezialisiert, bedient aber auch die Nische der sogenannten ethnischen Verkehre, also etwa in Deutschland lebende Türken, die auf Heimatbesuch gehen.

Das Unternehmen hat eine umfassende Flottenerneuerung und Expansion gestartet. Experten hatten hinter vorgehaltener Hand schon länger die Frage aufgeworfen, wie dieser Kurs finanziert werden kann. Unternehmenskenner vermuten, dass das angeblich zugesagte Geld zur Rettung der Airline aus dem Umfeld des verstorbenen Firmengründers Hinrich Bischoff kommen sollte.

Germania ist ein kompliziertes Konstrukt. Firmenchef Balke kam als Anwalt zu Bischoff, er kümmerte sich unter anderem um Liegenschaften der Familie auf Mallorca. Nach dem Tod von Bischoff im Jahr 2005 bekam Balke von der Witwe Ingrid Bischoff mehr Aufgaben übertragen und erhielt schließlich die Anteile an Germania überschrieben. Das verlief nicht reibungslos. Die Familie Bischoff ist zerstritten.

Offiziell macht die Airline die Rahmenbedingungen für die schwierige Situation verantwortlich. „Insbesondere unvorhersehbare Ereignisse wie massive Kerosinpreissteigerungen über den Sommer des vergangenen Jahres bei gleichzeitiger Abwertung des Euros gegenüber dem US-Dollar, erhebliche Verzögerungen bei der Einflottung von Fluggerät sowie eine außergewöhnlich hohe Anzahl technischer Serviceleistungen an unserer Flotte waren für unser Unternehmen große Belastungen“, hieß es Mitte Januar in der Erklärung.

Die Germania Fluggesellschaft mbH erzielte 2017 einen Jahresüberschuss von gut sechs Millionen Euro. Das Betriebsergebnis lag bei 3,8 Millionen Euro, nach einem Betriebsverlust von 5,5 Millionen Euro. Nach einem nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von 13,3 Millionen Euro im Jahr 2016 konnte die Gesellschaft 2017 wieder auf ein Eigenkapital von 78,5 Millionen Euro zurückgreifen. Die liquiden Mittel hatten sich aber bis Ende 2017 um 4,8 auf 2,6 Millionen Euro reduziert – ein Zeichen, wie sehr das Wachstum schon damals an der Substanz zehrte.

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