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Luftfahrt Flugsicherung und Sicherheitskontrollen – Airlines fürchten neue Engpässe in der Infrastruktur

Die Lufthansa schlägt Alarm: Strukturellen Engpässe müssten verbessert werden, um ein Wachstum für den Luftverkehr in Europa zu ermöglichen. Für Frust sorgt eine behäbige Politik.
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Die Luftfahrtbranche hadert häufig mit Engpässen bei den Systempartnern wie Flugsicherung und Abfertigungspersonal. Quelle: dpa
Anflug auf Düsseldorf

Die Luftfahrtbranche hadert häufig mit Engpässen bei den Systempartnern wie Flugsicherung und Abfertigungspersonal.

(Foto: dpa)

Frankfurt Der Frust ist spürbar, auch wenn Detlef Kayser es versteht, diesen gut zu verpacken. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagt der für die Optimierung des Flugbetriebs zuständige Lufthansa-Vorstand. Nun müssten die strukturellen Engpässe verbessert werden, um ein Wachstum für den Luftverkehr in Europa zu ermöglichen.

Dafür brauche es dringend staatliche Maßnahmen für eine Verbesserung der Flugsicherung in Europa und bei den Sicherheits- und Grenzkontrollen. „Wir warnen ausdrücklich davor, bei dem Thema nachzulassen. Wir werden nicht lockerlassen“, macht Kayser deutlich.

Fast ein Jahr ist nun her, da trommelte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) die Spitzen der deutschen Luftverkehrswirtschaft in Hamburg zusammen. Zu groß war das Chaos am Himmel geworden.

Rekordwerte bei Flugausfällen und Verspätungen dominierten die Schlagzeilen und brachten Zigtausend Passagiere zur Verzweiflung. 24 Maßnahmen wurden deshalb in Hamburg vereinbart. Airlines, Flughäfen, Flugsicherung, Bundespolizei und die Politik – alle wurden in die Pflicht genommen.

Und tatsächlich läuft es in diesem Sommer bisher besser. Laut Eurocontrol, die europäische Dachorganisation der nationalen Flugsicherungen, betrug die durchschnittliche Verspätung von Januar bis Juli in Europa durchschnittlich 12,4 Minuten pro Flug bei Ankunft. Das ist eine Verbesserung von 13,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. 77,2 Prozent der Flüge in Europa waren pünktlich, eine Verbesserung um 2,3 Prozent.

Doch der Preis dafür ist hoch. „In diesem Jahr werden wir rund 250 Millionen Euro in das Thema Pünktlichkeit und Verlässlichkeit investieren“, rechnet Lufthansa-Vorstand Kayser vor. In den kommenden Jahren soll der Aufwand sinken, so jedenfalls der Plan.

„Wir werden diese Investitionen in den kommenden Jahren zurückfahren können, weil Einmalaufwendungen abgearbeitet sind“, sagte Kayser. Man werde sich genau anschauen, wo wurde vielleicht zu wenig, wo zu viel gemacht und anpassen. „Dauerhaft sind Zusatzmaßnahmen wie etwa eine so große Zahl an Reserveflugzeugen vermutlich nicht sinnvoll.“

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Dass der Aufwand auch eine erhebliche Belastung für die Airlines ist, lässt sich gut an der Lufthansa-Tochter Eurowings ablesen. Im vergangenen Jahr stand sie ganz oben im Ranking der Airlines mit den meisten Problemen. Mittlerweile ist sie die zweitpünktlichste Fluggesellschaft in Europa.

Dafür steckt Eurowings tief in den roten Zahlen – nicht nur aber auch wegen des hohen Einsatzes für die Stabilisierung des Flugbetriebs. Auf Dauer ein untragbarer Zustand, weshalb nun wieder verstärkt andere Aspekte in den Vordergrund rücken sollen. „Jetzt geht es darum, Effizienz und Produktivität weiter zu steigern – ohne dabei die Pünktlichkeit aus dem Blick zu verlieren“, machte Kayser deutlich.

Engpässe bei Systempartnern

Das Problem: Während die Airlines beginnen, ihren Aufwand für mehr Verlässlichkeit zu reduzieren, drohen ihnen von anderer Seite neue Kosten. Der Grund sind die Engpässe bei den Systempartnern wie etwa der Deutschen Flugsicherung. Der fehlt Personal. Und die Ausbildung neuer Lotsen dauert bis zu fünf Jahre. Kurzfristig bietet die DFS deshalb Prämien für Sonderschichten an.

Doch das ist teuer. „Das kann man eine Zeitlang machen, aber das ist keine dauerhafte Lösung. Auch, weil wir die Rechnung bezahlen müssen“, beklagte Kayser: „Die Mehrkosten werden über die Gebührenfestsetzung sofort in die kommende Regulierungsperiode eingepreist, die gerade verhandelt wird. Und zwar für die kompletten fünf Jahre.“

Die Europäischen Flugsicherungen bekommen von der EU für jeweils fünf Jahre einen Budgetrahmen gesetzt. Für Kayser eine aus der Zeit gefallene Regulierung: „Wie man ein so dynamisches System wie den Luftverkehr mit Fünfjahresplänen und nicht rollierend regeln will, ist mir unverständlich.“

Und bei diesen Mehrkosten wird es wohl nicht bleiben. Weil der deutsche Luftraum wegen der Engpässe gezielt umflogen wird, wenn das möglich ist, sinkt bei der DFS die Nachfrage. Deshalb erhöhen sich nun die Gebühren pro Flug, denn die Kosten der DFS bleiben wie sie sind.

Wenig Fortschritt bei Sicherheitskontrollen
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