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Luftfahrt Gegenwind für das Geschäft mit Business-Jets

Nach mehreren guten Jahren zeigt die Privatfliegerei erste Schwächen. In Deutschland registrieren Experten deutliche Rückgänge. Der Preisdruck wächst.
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Schon in den guten zurückliegenden drei Jahren litt die Branche unter dem beinharten Preiskampf. Quelle: Reuters
Business-Jet-Messe Ebace in Genf

Schon in den guten zurückliegenden drei Jahren litt die Branche unter dem beinharten Preiskampf.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDas Image ist bescheiden und wird es wohl vorerst auch bleiben. Wer mit dem Privatjet reist, dem haftet etwas von Luxus an, auch ein wenig von Verschwendung. Champagner, Kaviar, edles Holz und viel Leder – das sind die Attribute, die gerne mit dem Business-Jet verbunden werden. Wer als Manager mit einem eigenen Flugzeug reist, läuft stets Gefahr, dass ihm das irgendwann vorgehalten wird.

Dennoch blickt die Branche auf drei gute Jahre zurück. Ob die Herstellung und der Verkauf von Privatjets oder das Vermieten derselben etwa im Chartergeschäft – die Nachfrage war groß.

Die Berater von Kreutzer Fischer & Partner haben ausgerechnet, dass der Umsatz mit den sogenannten Bedarfsfliegern – gemeint sind Privatjets, die man chartern kann – in der EU sowie der Schweiz und Norwegen von 345,4 Millionen Euro im Jahr 2015 auf 361,6 Millionen Euro im vergangenen Jahr gestiegen ist.

Der Grund: Die kleinen und häufig auch engen Jets bietet zwar weniger Luxus als gemeinhin angenommen, dafür große Effizienzvorteile. Sie können Strecken und Flughäfen bedienen, die keine Linien-Airline im Programm hat, und das zu Zeiten, die dem Kalender des Fluggastes angepasst sind.

Werden in solchen Flugzeugen dann vier oder gar mehr Personen befördert, müssen die Kosten noch nicht einmal höher liegen als die für Business-Class-Tickets auf vergleichbaren Strecken. Da die Wirtschaft in den letzten Jahren brummte, nutzen viele Kunden diese Vorteile.

Doch das könnte sich nun ändern. Angesichts der wirtschaftlichen Schwäche und der geopolitischen Krisen zeichnet sich zunehmender Gegenwind für die Geschäftsfliegerei ab. Das bestätigen Daten des Informationsdienstleisters Wingx. Danach hoben im März in Europa Geschäftsflugzeuge zu insgesamt 66.736 Flügen ab. Im Jahresvergleich ist das nur noch ein bescheidenes Wachstum von 0,7 Prozent.

Auffällig: Während die Experten von Wingx in Frankreich ein leichtes Plus registrierten, gab es in Deutschland einen kräftigen Rückgang. Bei mittelgroßen und kleinen Jets betrug dieser immerhin acht Prozent.

Zwar werde sich die Business-Aviation auch in diesem Jahr in Europa noch ein kleines Wachstum erkämpfen können, prognostiziert Richard Koe, Managing Director von Wingx: „Aber die Aktivitäten verlangsamen sich erkennbar, vor allem im Charter-Markt.“

Als Grund macht Koe unter anderem die Schwäche in Nachbarstaaten wie Russland oder der Türkei aus. Sprich: Es gibt weniger Verkehr von dort und dorthin. Hinzu kämen die Unsicherheit und ein fallendes Verbrauchervertrauen wegen des Brexits.

Kleine Jets spüren den Preiskampf

Für die Betreiber von Business-Jets bedeutet das: Die Zeiten werden härter. Schon in den guten zurückliegenden drei Jahren litt die Branche unter einem beinharten Preiskampf. Kostete eine Flugstunde 2015 im Schnitt 19.300 Euro, waren es 2018 nur noch 18.200 Euro, rechnen die Berater von Kreutzer Fischer & Partner vor.

Vor allem Jets mit einer Reichweite von 4000 Kilometern und mit Platz für bis zu sechs Passagiere spüren den Preiskampf. Hier verbilligte sich die Flugstunde innerhalb von drei Jahren um zehn Prozent auf 9300 Euro.

Weitgehend stabil blieben dagegen die Preise für die großen Flugzeugtypen mit bis zu 14 Passagieren und einer Reichweite von 7000 Kilometern. 31.300 Euro werden hier pro Stunde fällig. Für sogenannte Long Range Jets, die bis zu 12.000 Kilometer ohne Zwischenstopp fliegen können, müssen im Schnitt 63.500 Euro pro Flugstunde bezahlt werden.

Die kleinen und häufig auch engen Jets bietet zwar weniger Luxus als gemeinhin angenommen, dafür große Effizienzvorteile. Quelle: imago images / Mandoga Media
Inneres eines Business-Jets

Die kleinen und häufig auch engen Jets bietet zwar weniger Luxus als gemeinhin angenommen, dafür große Effizienzvorteile.

(Foto: imago images / Mandoga Media)

Als Ursache für den Preisverfall machen die Experten von Kreutzer Fischer & Partner die Überkapazitäten aus. Seit 2015 habe sich die Zahl der in Europa zu mietenden Privatjets um 15 Prozent auf rund 730 erhöht. Zwar sei auch die Nachfrage gestiegen, aber mit zehn Prozent nicht im gleichen Umfang. Nicht eingerechnet in diese Zahlen sind jene Jets etwa von Unternehmen oder Institutionen, die nicht im freien Markt zu mieten sind.

Trotzdem blicken Marktteilnehmer überraschend zuversichtlich auf die kommenden Monate und Jahre – auch und gerade in Deutschland. So erwartet Shearwater Aero Capital, ein Finanzierungsspezialist für Geschäftsflugzeuge von Unternehmen, dass bis 2025 alleine in Deutschland 190 neue Privat-Flugzeuge ausgeliefert werden. Geschätzter Wert: satte 6,8 Milliarden Dollar.

„Deutschland ist ein sehr attraktiver Markt für Finanzierungsunternehmen im Bereich Business Aviation“, sagt Chris Miller, Managing Partner von Shearwater Aero Capital. Dort würden die Kunden es vorziehen, ihre Jets zu finanzieren, statt sie bar zu bezahlen.

Auch auf der kürzlich in Genf zu Ende gegangenen Fachmesse für Business Aviation (Ebace) herrschte gute Stimmung. Zwar ist das Branchentreffen von rund 400 Ausstellern traditionell keine Ordermesse, aus der wirtschaftliche Daten für die Branche abgeleitet werden können.

Doch eines war erkennbar. Die Branche will die Nachfrage nicht zuletzt über einen Hebel sichern: Innovation. Alleine 23 Business-Jets reisten zur Schau mit nachhaltig erzeugtem Biosprit an. So hofft man, aus der Ecke des Schmuddelkindes und des unnötigen Klimakillers endgültig herauszukommen.

Mehr: Steigende Kerosinpreise, immer komplexere Entwicklungen und das Drama um die Boeing 737: Experten sehen schwierige Zeiten auf die Luftfahrtbranche zukommen.

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