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Luftfahrt Letzte Chance für den Ferienflieger Germania

Das Chaosjahr 2018 hat die Airline Germania in Schwierigkeiten gebracht. Dabei war die Airline auf einem guten Weg, zeigen unveröffentlichte Zahlen.
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Bislang unveröffentlichte Zahlen von 2017 zeigen: Die Airline war eigentlich auf dem Weg der Besserung. Quelle: dpa
Germania

Bislang unveröffentlichte Zahlen von 2017 zeigen: Die Airline war eigentlich auf dem Weg der Besserung.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die rund 1200 Mitarbeiter von Germania werden wahrscheinlich erst einmal tief durchgeatmet haben, als sie die Nachricht ihres Chefs Karsten Balke am Donnerstag lasen. „Unsere Gespräche mit potentiellen Investoren, die uns finanziell unterstützen wollen, verlaufen positiv“, heißt es in dem Schreiben.

Es gebe erste verbindliche Zusagen, zwei Beiträge zu zahlen, um die Liquiditätsengpässe der Airline zu schließen. Auch größere Beiträge für die Zukunft seien in Aussicht gestellt. All das stimme die Geschäftsführung optimistisch, dass Germania auch weiterhin als unabhängige Fluggesellschaft bestehen könne.

Ist die deutsche Fluggesellschaft doch noch zu retten? Am Dienstagabend hatte Germania Liquiditätsengpässe gemeldet, der Flugbetrieb läuft aber weiter. Zumindest vorerst scheint es dabei auch zu bleiben. Der Nachweis von ausreichend Liquidität ist Voraussetzung für die Aufrechterhaltung der Betriebserlaubnis (AOC) durch das Luftfahrtbundesamt.

Es geht um die Sicherheit, die Wartung der Jets etwa kostet Geld. Doch ob die Airline mit etwas weniger als 40 Flugzeugen und rund vier Millionen Passagieren im Jahr wie von der Geschäftsführung erhofft und in Aussicht gestellt dauerhaft alleine bestehen kann, bleibt offen.

So besteht weiter Unklarheit darüber, in welcher finanziellen Verfassung sich Germania genau befindet. Das Fachportal Airliners.de berichtet für 2018 von einem Fehlbetrag von 65 Millionen Euro, die Konkurrenz von Aero Telegraph spricht von 50 Millionen Euro. Das Unternehmen schweigt zu Zahlen.

Der letzte beim Bundesanzeiger publizierte Geschäftsbericht stammt von 2016. Dort wurde ein Jahresfehlbetrag von 7,74 Millionen Euro ausgewiesen. Danach hat sich die Situation aber offensichtlich deutlich verbessert, zumindest im Folgejahr 2017. Das geht aus dem bislang unveröffentlichten Geschäftsbericht der Fluggesellschaft hervor, der dem Handelsblatt vorliegt.

Auch die letzte Rettungsmöglichkeit fällt offenbar aus

Demnach schaffte die Germania Fluggesellschaft mbH einen Jahresüberschuss von gut sechs Millionen Euro. Das Betriebsergebnis lag bei 3,8 Millionen Euro, nach einem Betriebsverlust von 5,5 Millionen Euro. Auch beim Blick auf die Vermögenslage der Airline ist in 2017 Besserung zu erkennen. Durch Fehlschläge etwa mit Gambia Bird in Westafrika war das Eigenkapital längere Zeit negativ.

2016 findet sich in Bilanz sogar ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag von 13,3 Millionen Euro. 2017 konnte die Gesellschaft dagegen wieder auf ein Eigenkapital von immerhin 78,5 Millionen Euro zurückgreifen. Allerdings hat dazu neben dem kleinen Jahresüberschuss vor allem ein Sondereffekt beigetragen. Die Beteiligung S.A.T. – in ihr lagen wesentliche Vermögenswerte der Airline wie Flugzeuge – wurde auf die Germania Fluggesellschaft mbH verschmolzen. Das führte zu einer Kapitalrücklage in Höhe von gut 85 Millionen Euro.

Trotz der deutlichen Besserung, in dem Geschäftsbericht ist auch zu erkennen, dass die Expansion und die Flottenmodernisierung die Kosten treiben. So erhöhte sich der Personalaufwand 2017 um 18,3 Prozent auf fast 50 Millionen Euro, eine Folge des Mitarbeiteraufbaus um gut 16 Prozent. Auch die Vertriebsaufwendungen legten zu.

Und noch etwas fällt auf. Die liquiden Mittel hatten sich zum Stichtag 31.12.2017 um 4,8 auf 2,6 Millionen Euro reduziert. Das zeigt: Das Wachstum zehrte schon damals an der Substanz. Das schwierige Jahr 2018 mit Preissteigerungen beim Kerosin, verspäteten Lieferungen von neuen Flugzeugen, was wiederum zu ungeplantem Wartungsaufwand bei der alten Flotte führte, beschleunigte den Prozess.

Auch wenn jetzt offensichtlich vorerst die finanziellen Mittel gesichert sein sollten, die Verunsicherung in der Belegschaft ist gewaltig. Nach jedem Strohhalm wird gegriffen. So kam auf einer Betriebsversammlung nach Informationen des Handelsblatts die Frage auf, ob in dieser schwierigen Situation nicht die Frau des 2005 verstorbenen Firmengründers Hinrich Bischoff eingreifen könne.

Zwar gehört die Airline mittlerweile dem CEO Balke, aber die Witwe von Hinrich Bischoff ist noch in einzelnen Geschäften der Airline-Gruppe aktiv. Doch die anwesenden Airline-Manager mussten die zarte Hoffnung offensichtlich schnell zunichtemachen.

Frau Bischoff stünde wegen einer Erkrankung nicht zur Verfügung, habe man erklärt, berichten Anwesende. Das Unternehmen schweigt dazu. „Die Privatsphäre von Frau Bischoff gilt es zu schützen. Zu Fragen, ob sie erkrankt sei, werde ich mich nicht äußern“, erklärte Lars Wagner, der Sprecher von Germania auf Anfrage.

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