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Luftfahrt Lufthansa hakt Alitalia-Übernahme wohl ab – und investiert Millionen in eigenen Ableger

Während bei Alitalia eine Fusion mit der Eisenbahn diskutiert wird, will die Lufthansa nun ihren Italien-Ableger Air Dolomiti mit 100 Millionen Euro ausbauen.
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Sorgenvoller Blick in die Zukunft. Quelle: dpa
Alitalia-Jets

Sorgenvoller Blick in die Zukunft.

(Foto: dpa)

Rom, FrankfurtEs ist das wohl deutlichste Zeichen dafür, dass Lufthansa den Glauben an einen zeitnahen Zuschlag für die insolvente Alitalia verloren hat: 100 Millionen Euro will Europas größte Fluggesellschaft in den bislang eher kleinen Italien-Ableger Air Dolomiti stecken.

Die Flotte soll sich auf 20 Jets des Typs Embraer E195 verdoppeln. Jörg Eberhart, der CEO der Lufthansa-Tochter, sagte dem „Corriere della Sera“, man wolle in Italien wachsen und neue Verbindungen schaffen.

Die deutsche Airline war in der „Poleposition“ für die Übernahme des Flugbetriebs von Alitalia, mehr als einmal waren Lufthansa-Manager zu Gesprächen in Rom. Nach dem Ende des Bieterverfahrens Ende April sollten die Verhandlungen im Mai beginnen – doch da hatten schon die Populisten der Lega und der Bewegung Fünf Sterne bei den Wahlen gesiegt und die Prozesse gestoppt.

Wir werden alles dafür tun, dass ein Flaggschiffunternehmen wie Alitalia nicht an irgendeinen multinationalen Konzern oder ein ausländisches Unternehmen ausverkauft wird“, sagte Matteo Salvini, Chef der rechtspopulistischen Lega und heute Innenminister und stellvertretender Premier, nach der Wahl.

Aussagen, die bei Lufthansa für Ernüchterung sorgten. Mit der aktuellen Regierung sei ein Deal wohl eher unwahrscheinlich, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Wie es jetzt mit Alitalia weitergehen wird, ist nicht so ganz klar. Bislang gibt es nur Ankündigungen, und die laufen alle in eine Richtung: Alitalia in italienischer Hand behalten, gar wieder verstaatlichen oder Interessenten für eine Beteiligung suchen.

„An strategischen Partnern sind wir interessiert“, sagte Staatssekretär Michele Geraci Ende August vor einer Reise nach China: „Das könnten chinesische Fluggesellschaften sein, die eine Quote bis zu 49 Prozent erwerben könnten, denn die Regierung will in jedem Fall die Mehrheit in italienischer Hand behalten.“ Alitalia könne für Chinesen als Hub für die Mittelmeerregion, Afrika und Südamerika interessant sein.

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„Die Idee einer Verstaatlichung ist dumm“, sagte Ex-Industrieminister Carlo Calenda dem Handelsblatt. Er war in der Vorgängerregierung Gentiloni für die Airline zuständig, verhandelte den Überbrückungskredit und sichtete die Angebote. „Wir haben acht Milliarden Euro aus dem Fenster geworfen.“

Damit meint Calenda die Beteiligung und die finanzielle Hilfe der Golf-Airline Etihad, die seit 2014 und bis zum Konkurs mit 49 Prozent Anteilseigner von Alitalia war.

Weitergebracht hat diese Hilfe die seit Jahren marode Airline nicht. Im vergangenen Mai musste Alitalia Insolvenz anmelden, nachdem die Angestellten mehrheitlich gegen einen Sanierungsplan gestimmt hatten. Die Regierung billigte einen Überbrückungskredit von 600 Millionen Euro, der um weitere 300 Millionen Euro aufgestockt wurde.

Lufthansa wollte eine Restrukturierung der italienischen Airline

Calenda hat nach wie vor Sympathie für die Lufthansa-Offerte: „Das wäre eine ernsthafte Lösung gewesen. Die Pläne für die Mittelstrecke waren gut. Über die Zahl der Stellenstreichungen hätte man noch verhandeln müssen.“ Lufthansa wollte eine Restrukturierung der italienischen Airline. Von aktuell 12.400 Mitarbeitern sollte die Belegschaft auf etwa 7000 sinken, so der Plan.

Nun setzt man in Frankfurt erst einmal auf Expansion aus eigener Kraft. Denn der italienische Markt ist in den Augen von Lufthansa-Chef Carsten Spohr zu wichtig, um auf eine Entscheidung aus Rom zu warten. Unterstützt wird er von Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley.

„Italien ist für die Lufthansa seit jeher ein wichtiger Markt. Wenn wir die Chance haben, hier mehr zu machen, sollten wir auch versuchen, diese zu nutzen“, hatte er dem Handelsblatt Ende vergangenen Jahres gesagt.

Hinzu kommt: Andere nutzen die Schwäche der angeschlagenen Alitalia längst. So hat sich die irische Billigairline Ryanair in Italien mittlerweile einen Marktanteil von rund 25 Prozent erarbeitet. Alitalia schafft nur noch rund 20 Prozent. Zudem versucht die neue Airline Air Italy, der Alitalia den Rang als Heimatanbieter streitig zu machen.

Hinter der ehemals als Meridiana fliegenden Airline steht unter anderem Qatar Airways. Air Italy soll die Flotte bis zum Jahr 2022 von 13 auf 50 Jets aufstocken, darunter 30 Boeing 787 für die Langstrecke.

Wie der künftige Luftfahrtmarkt Italien aussehen wird, wird also jetzt entschieden. Gleichzeitig läuft der Überbrückungskredit zum Jahresende aus. Umso mehr überrascht die Taten- und Konzeptlosigkeit der Regierung in Rom. So hat Verkehrsminister Danilo Toninelli von den Fünf Sternen die Idee ins Spiel gebracht, die staatliche Eisenbahn Ferrovie di Stato als strategischen Partner einzubinden – zusätzlich zu einem ausländischen Investor.

Deren Chef Gianfranco Battisti hat jetzt sogar eine Fusion mit der Airline vorgeschlagen. Andere staatliche Unternehmen, die die Regierung als Investoren für die Airline genannt haben, sind weniger willig und haben abgewinkt, darunter etwa die italienische Post.

„Ich glaube, diese Regierung will überhaupt keine tragfähige Lösung, sondern so bald wie möglich Neuwahlen abhalten“, kritisiert Ex-Minister Calenda. Und Ökonom Claudio Di Donato ist sich sicher, dass eine Einbeziehung der teilstaatlichen Eisenbahn die Kartellwächter der EU auf den Plan rufen würde, die Alitalia wegen der Dauerhilfen vom Staat sowieso schon im Visier haben.

Einziger Trost aus Sicht der Beschäftigten: Der Betrieb läuft. In diesem Jahr hat Alitalia erstmals wieder ein Plus erwirtschaftet. In den ersten drei Quartalen habe es bei 4,6 Prozent gelegen, sagten die Regierungskommissare bei einer Anhörung im Verkehrsausschuss des Parlaments. Die Zahl der Passagiere sei um sieben Prozent gestiegen. Vom Brückenkredit seien noch 770 Millionen Euro in der Kasse.

Auch die neuen Uniformen sind schon fertig, und wie bereits vor dem arabisch-züchtigen Zwischenspiel sind die Alitalia-Stewardessen dank der Designerin Alberta Ferretti wieder italienisch-elegant gekleidet. Aber das allein reicht nicht.

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