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LuftfahrtLufthansa-Piloten bekommen dickes Gehaltsplus

Die Cockpitbesatzungen der Kernmarke haben dem Tarifkompromiss zugestimmt. Je nach Position gibt es zwischen 25 und 50 Prozent mehr Geld. Einen kritischen Punkt schluckten die Piloten.Jens Koenen 10.08.2023 - 15:11 Uhr Artikel anhören

Eine Lufthansa-Maschine rollt über die Startbahn auf dem Flughafen in Frankfurt.

Foto: dpa

Frankfurt. Die 5200 Flugzeugführer der Kernmarke Lufthansa und von Lufthansa Cargo dürfen sich über kräftige Gehaltszuschläge freuen. Die Pilotinnen und Piloten haben dem kürzlich zwischen Management und der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ausgehandelten Kompromiss mehrheitlich zugestimmt. Das teilte die VC am Donnerstagnachmittag mit. 65,5 Prozent der stimmberechtigten Mitglieder hätten mit Ja gestimmt. Damit sind Streiks vom Tisch.

„Ich freue mich über die Zustimmung unserer Mitglieder zu dem ausgehandelten Tarifergebnis“, wird VC-Präsident Stefan Herth in einer Mitteilung zitiert: „Die heutige Annahme der Tarifverträge schafft Verlässlichkeit für die Pilotinnen und Piloten, die Lufthansa und nicht zuletzt auch unsere Fluggäste.“

Das Gesamtpaket enthält nach einer kürzlich intern verteilten Mitteilung des Konzernmanagements an die Belegschaft Tarifsteigerungen von 33 bis mehr als 50 Prozent für Co-Piloten und Co-Pilotinnen. Bei den Kapitäninnen und Kapitänen betrage das Plus mindestens 25 Prozent. Konkret wird die Grundvergütung bis 2026 in drei Stufen um in Summe 18 Prozent angehoben. Dazu kommt einmalig eine steuerfreie Inflationsprämie in Höhe von 3000 Euro.

Gleichzeitig ändert sich einiges an der Vergütungsstruktur – etwa bei den Gehaltssprüngen nach Dienstjahren. Zudem muss die Gehaltserhöhung um zweimal 490 Euro pro Monat dazugerechnet werden, die Lufthansa im vergangenen Jahr während der laufenden Verhandlungen zahlte, um weitere Streiks zu verhindern und die Cockpitcrews vorerst zu befrieden.

Die Flugzeugführer von Lufthansa Airlines, der Premiummarke des Konzerns, haben dem Tarifkompromiss mehrheitlich zugestimmt.

Foto: dpa

Damit wird die Angestelltengruppe, die im Lufthansa-Konzern schon jetzt am besten bezahlt wird, den größten Gehaltszuschlag bekommen – allerdings verteilt über insgesamt fünf Jahre. Für das Bodenpersonal von Lufthansa hatte die Gewerkschaft Verdi vor einem Jahr ein Plus von bis zu 19,2 Prozent ausgehandelt, gestaffelt nach Einkommensklassen.

Andere Gewerkschaften werden sich am Pilotenabschluss orientieren

Angesichts dessen werden die Gewerkschaften für andere Berufsgruppen in den nächsten Tarifrunden etwa für das Boden- und das Kabinenpersonal mit entsprechend hohen Forderungen in die Verhandlungen gehen. Der Tarifvertrag von Verdi für das Bodenpersonal läuft bis Ende des Jahres, die Flugbegleitergewerkschaft UFO wird ihre Gespräche mit dem Management in Kürze starten.

Die Mitglieder der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit haben dem Tarifabschluss mit der Lufthansa mehrheitlich zugestimmt. In den nächsten dreieinhalb Jahren sollen die Grundvergütungen der Piloten in drei Stufen um mehr als 18 Prozent steigen.

Auch innerhalb der eigenen Berufsgruppe dürfte der Abschluss Begehrlichkeiten wecken. Ein Kapitän in der höchsten Senioritätsstufe – sie drückt im Prinzip die Dauer der Betriebszugehörigkeit aus – konnte schon bisher bei Lufthansa bis zu 275.000 Euro verdienen. Zuzüglich einer Gewinnbeteiligung, sofern die Airline profitabel ist.

Ein Kapitän mit vergleichbarer Berufserfahrung liegt bei der Tochter Eurowings rund 100.000 Euro darunter, bei dem auf Malta angesiedelten Ableger Eurowings Europe sogar noch mehr. Warum bei einem Unternehmen für die gleiche Arbeit so unterschiedlich bezahlt werde, könne er nicht verstehe, bringt ein Eurowings-Pilot die Stimmung bei vielen Kolleginnen und Kollegen auf den Punkt. Bei der Tochter laufen schon seit Längerem Gespräche zwischen Management und Gewerkschaft.

Weltweit haben Gewerkschaften kräftige Gehaltszuschläge für die Flugzeugführer ausgehandelt. Es fehlt an Pilotinnen und Piloten, alle suchen händeringend Cockpitpersonal. Das hat die Gehälter zum Beispiel in den USA in bislang ungekannte Höhen getrieben. American Airlines, Delta Air Lines und United Airlines legen bei den Löhnen für ihre Cockpitbesatzungen gestaffelt über mehrere Jahre teilweise mehr als 40 Prozent drauf. Piloten auf Inlandsstrecken können bei American nun bis zu 475.000 Dollar verdienen, auf der Langstrecke sogar bis zu 590.000 Dollar.

Ein Lufthansa-Pilot auf dem Münchener Flughafen – es gibt viel Geld dazu.

Foto: Getty Images; Per-Anders Pettersson

Auch die deutsche Ferienfluggesellschaft Condor hat sich mit den Flugzeugführern kürzlich auf deutliche Tariferhöhungen geeinigt. Sie bekommen im Januar kommenden Jahres zunächst sieben Prozent mehr, in den beiden Folgejahren gibt es dann noch mal jeweils fünf Prozent dazu. Daneben gibt es einmalig einen Inflationsausgleich von 3000 Euro. Sollte die amtliche Inflationsrate in Deutschland höher ausfallen als die vereinbarten Lohnsteigerungen, erhöht sich das Plus zudem um die Hälfte dieser Differenz.

Bei Lufthansa galt die Zustimmung der Piloten bis zuletzt nicht als sicher. Denn ein zentrales Thema klammert der Tarifabschluss aus: das künftige Wachstumspotenzial der Kernmarke. Nach den Plänen des Managements soll die neue Gesellschaft City Airlines die Zubringerflüge zu den Drehkreuzen Frankfurt und München von der Kernmarke Lufthansa übernehmen. Diese seien unter den aktuellen Kosten der Lufthansa nicht mehr wirtschaftlich. Das ist Piloten der Kernmarke ein Dorn im Auge, weil sie damit Strecken abgeben müssten – und somit für den Aufstieg notwendige Flugstunden.

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Das Verhandlungsergebnis leiste keinen Beitrag zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit unseres Zubringersystems, heißt es in dem Schreiben an die Belegschaft. Deshalb soll City Airlines bald abheben, mit einem eigenen Tarifvertrag.

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