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Luftfahrt Lufthansa-Rettung bleibt offen – Bund und Großaktionär schweigen nach Spitzentreffen

Der Großaktionär Thiele hat beim Treffen mit Finanzminister Scholz und Konzernchef Spohr seine Pläne geheim gehalten. Das Bangen um Lufthansa geht weiter.
22.06.2020 Update: 22.06.2020 - 16:07 Uhr 3 Kommentare
Die Hansa muss weiter bangen, Großaktionär Thiele schweigt sich zu seinen Plänen aus. Quelle: dpa
Lufthansa

Die Hansa muss weiter bangen, Großaktionär Thiele schweigt sich zu seinen Plänen aus.

(Foto: dpa)

Frankfurt Eineinhalb Stunden dauerte das Treffen von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Großaktionär Heinz Hermann Thiele. Was genau besprochen wurde, darüber schweigen die Beteiligten. Ein Ergebnis, eine Art von Kompromiss soll es aber bislang nicht geben, heißt es im Umfeld der Teilnehmer.

Damit bleibt die Lage drei Tage vor der entscheidenden Hauptversammlung von Lufthansa unklar. Thiele kann eine Zustimmung zum Rettungspaket der Bundesregierung mit einem Volumen von neun Milliarden Euro blockieren. Denn es steht bereits fest: Bei dem Aktionärstreffen werden weniger als 38 Prozent des Grundkapitals vertreten sein. Thiele hat also die Möglichkeit, mit seinem Anteil von zuletzt gemeldeten 15,52 Prozent die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit verhindern.

Die beiden Minister hätten viel Überzeugungsarbeit geleistet, heißt es aus dem Umfeld der Teilnehmer des „Gipfeltreffens“. Thiele habe sich aber zu keiner Minute in die Karten schauen lassen. Es bleibt also unklar, was der 79-Jährige genau vorhat. Nach dem Gespräch würde man sich auch in Berlin gemeinsam mit der Staatsbank KfW auf Hochtouren darauf vorbereiten, für den Fall der Fälle kurzfristig einen Massekredit stellen zu können, heißt es in Regierungskreisen.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz hatte vor dem Treffen mit Thiele und Spohr auf einer Konferenz in Frankfurt, zu der der Bundesfinanzminister zugeschaltet war, gesagt: „Wir hatten eine sehr gute Diskussion mit dem Lufthansa-Management und haben einen sehr guten Plan entwickelt, über den es auch Einigung mit Brüssel gibt“, so Scholz. Nun gelte es, durch Gespräche einen Konsens zu erzielen.

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    Doch so ausgewogen, wie der SPD-Politiker das neun Milliarden Euro schwere Stabilisierungspaket sieht, ist es in Wahrheit nicht. Denn eine Gruppe wurde in der ganzen Gemengelage bei dem Deal komplett übergangen: die Altaktionäre. Sie sind dazu verdonnert, vom Spielfeldrand zuzuschauen. Bis jetzt.

    Thiele hat einen langen Atem

    Denn auch wenn Thiele sicherlich vor allem seine eigenen Ziele im Kopf hat, mit seinem Aktienpaket und der deutlichen Kritik an dem Rettungspaket hat der Münchener Unternehmer die Bestandsaktionäre wieder zurück an den Verhandlungstisch geholt. Das dürfte die eigentliche Botschaft des Treffens am Montag sein. Daran ändert auch nichts, dass das Ergebnis der Gespräche auf den ersten Blick eher bescheiden aussieht.

    Thiele ist jemand, der Geduld hat. Er wird nicht lockerlassen. Damit wird er nun nicht nur zur Stimme der Altaktionäre. Er hilft trotz seiner Kritik an der Verhandlungstaktik des Lufthansa-Managements auch Konzernchef Spohr. Der ist dank Thiele wieder in einer etwas stärkeren Verhandlungsposition als bisher.

    Der Bund stützt Lufthansa zum einen durch einen Kredit der Staatsbank KfW in Höhe von drei Milliarden Euro. Dazu kommt eine stille Einlage in Höhe von 5,7 Milliarden Euro. Ein Teil davon kann in Aktien gewandelt werden – wenn sich eine feindliche Übernahme der „Hansa“ abzeichnet oder das Unternehmen vereinbarte Tilgungen nicht begleicht.

    Zusammen mit der ebenfalls zum Rettungspaket gehörenden direkten Beteiligung von 20 Prozent könnte der Bund in Zukunft im Fall aller Fälle mit bis zu 30 Prozent an der Airline-Gruppe beteiligt sein.

    Das stört Thiele, der unter anderem fürchtet, der Bund könnte harte Sanierungsmaßnahmen im Unternehmen verhindern oder erschweren. Und auch Spohr hatte bei den Verhandlungen immer wieder vor einem zu großen Staatseinfluss auf das Unternehmen gewarnt. Der Lufthansa-CEO hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er nichts gegen einen Ankeraktionär hat. Thiele hat er sich zwar nicht selbst als Großaktionär ausgesucht. Aber er kommt in der aktuellen Situation nicht ungelegen.

    Der Münchener Unternehmer, der Mehrheitsaktionär bei dem Bremsenspezialisten Knorr-Bremse und beim Schienen-Unternehmen Vossloh ist, ist kein Zocker. Thiele betreibt in erster Linie die Sicherung seines Investments. Davon werden im besten Fall auch die rund 480.000 anderen Aktionäre profitieren.

    Wie Thiele sehen sie, dass der Bund zu günstigen Konditionen einsteigt und sich mehr oder minder Kursgewinne schon beim Aktienerwerb gesichert hat. So soll der Bezugspreis für die Aktien, die der Bund bekommt, 2,56 Euro betragen. Am Montagmittag kostete die Lufthansa-Aktie, die zu Wochenbeginn aus dem Dax in den M-Dax abgestiegen ist, knapp zehn Euro.

    Die Anteile der Altaktionäre werden dagegen deutlich verwässert. Und Dividende wird es in den kommenden Jahren auch keine geben. Die im Vergleich zu anderen Ländern in Deutschland eh schon eher schwach ausgebildete Aktienkultur dürfte darunter weiter leiden.

    Weil der Unternehmer sein Engagement bei Lufthansa schützen muss, ist es schwer vorstellbar, dass er am Donnerstag tatsächlich die Insolvenz des Unternehmens in Kauf nimmt und gegen das Rettungspaket stimmen wird. Ausgeschlossen ist das aber auch nicht. Nach wie vor ist in der Branche zu hören, dass Thiele Unterstützung eines großen US-Investors hat. Wer das sein könnte, bleibt aber ungewiss.

    Thiele könnte im Insolvenzfall anbieten, den Massekredit zu stellen und diesen später in Anteile wandeln. Doch das Risiko, dass diese Rechnung nicht aufgeht, ist groß. Denn bei einem Schutzschirmverfahren, einer Sonderform der Insolvenz, ist ein Sachwalter für alle Angelegenheiten rund um die „Masse“ verantwortlich. Zudem kann, sollte die Sanierung nicht gelingen, den Aktionären der Totalverlust drohen.

    Denkbar ist deshalb, dass der 79-Jährige auf die juristische Karte setzt. In dem Fall könnte er sich am Donnerstag enthalten. Das Rettungspaket würde dann wahrscheinlich die Zustimmung der übrigen Anteilseigner bekommen. Denn bei einer Enthaltung werden seine Stimmen nicht mit ausgezählt. Andere Investoren wie Union Investment oder DWS haben aber bereits erklärt, trotz Bedenken für das Rettungspaket zustimmen zu wollen.

    Um seine Machtposition bei Lufthansa – Thiele schätzt das Unternehmen und hat erklärt, es retten zu wollen – zu festigen, könnte er dann auf mittlere Sicht Anteile des Bundes übernehmen. Der hat erklärt, sich, so schnell es geht, wieder von Lufthansa trennen zu wollen, also nur kurzzeitig dort engagiert zu sein.

    Mehr: Wie dramatisch die Situation bei Lufthansa ist.

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    3 Kommentare zu "Luftfahrt: Lufthansa-Rettung bleibt offen – Bund und Großaktionär schweigen nach Spitzentreffen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @Herrn Peter
      Jetzt hören Sie doch mal auf, hier mit Phrasen wie "sozialistisch" und "kapitalistisch" herumzuwerfen und herumzuschreien. Sie hören sich ja sonst an wie Trump. Man kann das auch ganz anders sehen: Dass hier gleich zwei Minister (ausländische Staatsgäste bekommen oft nicht mal einen) einen Privatmann betteln müssen, ihm Geld geben zu dürfen, das ist die Absurdität. Die Luftfahrbranche agiert schon lange nicht mehr auf einem freien Markt, alle führenden Airlines sind de facto staatlich. Das Problem ist doch eher der Hybrid, den wir hier haben: ein "German nation champion", der aber nicht so genannt werden darf, weil ... das wäre ja Sozialismus! Meines Erachtens sollte sich der Staat ganz rauslassen: Wenn die Herren meinen, es selber (besser) leisten zu können, dann bitteschön! Öffentlich so verkünden, Insolvenz, Abwicklung und Auflösung der LH inklusive. Aber nein, das geht ja nicht wegen Arbeitsplätze! (Vernünftige Tierhaltung geht auch nicht wegen Arbeitsplätze. Lieferkettengesetz geht auch nicht wegen Arbeitsplätze. Autoindustrie nicht mehr hofieren geht auch nicht wegen Arbeitsplätze ...) Oder aber Komplettübernahme, wie Emirates, Turkish u.v.a.m. Obwohl sehr zu bezweifeln ist, dass der Staat ein hinreichend professionelles Niveau zur Verfügung stellen kann, um in diesem Wettbewerb mitzuhalten. HIer sind wir wahrschenlich mal einer Meinung. Ist aber der einzige Punkt. - Sehr schön finde ich auch Ihr Verständnis von Mitbestimmung: Ich werde durch Nichtteilnahme den großen Herren freie Hand geben! Klasse. Wenn das unser Verständnis von Kontrolle und Mitbestimmung ist, dann Gute Nacht!

    • Der Staat wird bei LH niemals der bessere Unternehmer sein, bestenfalls der besserwisserische. Der Staatsanteil sollte also - wenn überhaupt erforderlich - signifikant unter dem Anteil unternehmerischer Investoren wie Herrn Thiel bleiben. Der Wettbewerb im globalen Airlinemarkt erlaubt allenfalls kleinstmöglichen staatlichen Einfluss - und der kommt über europäische Regulierung, die jede Airline trifft. LH sehe ich als ein für die deutsche Wirtschaft essentielles Infrastrukturelement, zudem mit einer der am wenigsten umweltschädlichen Flugzeugflotten und sehr fairen Bedingungen für die Belegschaft. Also: Rettung durch staatlich garantierte Kredite zu niedrigen Zinsen ja, signifikante Staatsbeteiligung nein. Eine bislang erfolgreiche Unternehmensführung verdient weiterhin das Vertrauen der bisherigen Aktionäre, ohne deren Anteile zu verwässern.

    • @Jens Koenen und Martin Murphy:
      Guter Artikel! Es wird klar dargestellt, dass sich Scholz Anteile zu einem extrem billigen Preis sichern möchte. Das hat nichts mit einer Rettung zu tun, sondern mit Missbrauch seiner Staatsmacht.
      Hochachtung verdient Herr Thiele, der sich gegen so eine "sozialistische Rettung mit kapitalistischen Mitteln" stemmt. Scholz versucht als kapitalistische Heuschrecke wichtige Entscheidungen für ein gesundes Unternehmen, das NUR wegen Corona in Schwierigkeiten geraten ist, in Richtung "sozialistische Rettung der nicht benötigten Arbeitskräfte" zu trimmen. So eine Strategie ist zu Scheidern verurteilt.
      In Krisen wie Corona sollte das Management, das bisher sehr gute Arbeit leistete, FREI und UNABHÄNGIG entscheiden können. Die Alteigentümern (480.000 Aktionäre 85% in Deutschland) stehen hinter Herrn Thiele und Herrn Spohr - und sehen das billige Kaufen von Anteilen durch Scholz sehr kritisch. Weltweit wurden Airlines gerettet, doch hat sich keine Staat so ein unsägliches Handeln erlaubt.
      Solch ein Handeln verbunden mit den Planungen zur Transaktionssteuer führt zur Abkehr der Bundesbürger von Aktien. Schade, wie soll ein Land dauerhaft prosperieren?
      Ich persönlich werde durch Nichtanwesendheit bei der Hauptversammlung die Position Herrn Thieles und Herrn Spohrs stützen.

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