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Luftfahrt Rettung der Austrian Airlines wird zur Hängepartie

Die Verhandlungen über Staatshilfe für die pleitebedrohte Austrian Airlines gehen nur langsam voran. Jetzt kämpft die Airline mit dem Rücken zu Wand.
22.05.2020 - 12:55 Uhr Kommentieren
Corona: Austrian-Airlines-Rettung wird zur Hängepartie Quelle: AFP
Austrian Airlines

Die österreichische Airline wartet auf Staatshilfen.

(Foto: AFP)

Wien Auch wenn die unmittelbare Gefahr einer drohenden Pleite vorläufig abgewendet ist, ziehen sich die Verhandlungen mit der Austrian Airlines (AUA) über die beantragten Staatshilfen womöglich noch über Wochen hin. Ein schnelles Ende wie in Deutschland, wo sich die Regierung bereits auf einen Rettungsplan für die Lufthansa geeinigt hat, ist in Österreich nicht in Sicht.

An diesem Wochenende wird über eine Lösung für die Lufthansa-Tochter in Wien weiterverhandelt. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sprach von „Tagen oder Wochen, Monate kann ich ausschließen“. An den Gesprächen auf österreichischer Seite sind die Staatsholding Öbag und die Finanzierungsagentur Cofag beteiligt. Die Öbag hält bereits Staatsbeteiligungen an börsennotierten Unternehmen wie im Fall des Ölkonzerns OMV und des Stromkonzerns Verbund. „Es ist ein zähes Ringen“, sagte Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) bereits am Dienstag.

Die AUA spielt mit ihrem Drehkreuz in Wien für Österreich eine Schlüsselrolle. Denn die exzellenten Verbindungen der Lufthansa-Tochter nach Ost- und Südosteuropa haben in den vergangenen Jahrzehnten den Wirtschaftsstandort gestärkt. Zum anderen haben Direktverbindungen nach Asien und Nordamerika den Fremdenverkehr entscheidend internationalisiert. Seit dem 19. März bleiben die Flugzeuge der Austrian Airlines für den regulären Flugbetrieb nun jedoch schon auf dem Boden.

Der Wille, den Luftfahrtkonzern zu retten, ist nicht nur in der österreichischen Regierung groß, sondern insbesondere bei den Mitarbeitern. Durch eine am Donnerstag erzielte Einigung sollen immerhin 300 Millionen Euro bis zum Jahr 2024 eingespart werden. Den Sparmaßnahmen haben am Donnerstag, nach harten Verhandlungen mit den Piloten, auch die restlichen Beschäftigten am Boden zugestimmt. Der COO der AUA, Jens Ritter, sagte, dadurch sei man einem Neustart ein wichtiges Stück nähergekommen.

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    Und diesen Neustart will die Airline nach wie vor ohne betriebliche Kündigungen schaffen. Dafür sind die AUA-Mitarbeiter zu Kurzarbeit und weitreichenden Lohnkürzungen bereit. Beispielsweise akzeptiert das Bordpersonal Einkommenseinbußen zwischen 5,9 und 12,7 Prozent in den Jahren 2022 bis 2024. Die Kurzarbeit bei der Lufthansa-Tochter mit aktuell 7000 Beschäftigten soll voraussichtlich bis zum ersten Quartal 2022 andauern. 

    „Die AUA braucht bis Mitte Juni spätestens eine Lösung, denn laut eigener Aussage reichen die Finanzreserven nur noch bis Ende Juni“, sagte der österreichische Luftfahrtexperte Michael Csoklich am Freitag. „Es ist unvorstellbar, dass es zu keiner Hilfe für die AUA kommen wird angesichts der Einigung in Deutschland. Niemand will der Totengräber der Airline sein.“

    Die Regierung in Wien schaut derzeit nach Berlin. Für die Finalisierung des Rettungsplans für den AUA-Mutterkonzern spendete Kurz Beifall. „Es ist ein gut aufgesetzter Verhandlungsprozess mit der Lufthansa“, lobte der konservative Regierungschef. Ob und zu welchen Staatshilfen es in Österreich kommen wird, ließ Kurz allerdings offen.

    Deutschland als Vorbild

    „Das deutsche Modell der Airline-Rettung soll Vorbild für Österreich sein“, sagte der frühere Verkehrsminister und FPÖ-Chef Norbert Hofer. „Das einzig sinnvolle Modell ist eine Beteiligung der Republik im Ausmaß der Sperrminorität an der AUA. Diese Beteiligung soll in einigen Jahren, wenn die Airline wieder auf gesunden Beinen steht, wieder abgestoßen werden.“ 

    Eine Hürde der Gespräche sind auch die klimapolitischen Ziele der Grünen. Seit Januar ist die Ökopartei erstmals in der Geschichte Österreichs Teil der Regierung. Die grüne Verkehrsministerin Leonore Gewessler dämpfte bereits vor Tagen die Hoffnung auf eine schnelle Einigung. Sie fordert für die Lufthansa-Tochter ein Gesamtpaket, das den Klimaschutz mit einschließt.

    Jetzt kämpft die Airline mit dem Rücken zu Wand. Das Management hat nicht nur Einsparungen von einem Fünftel im Personalbereich durchgesetzt, sondern auch bei Lieferanten, Dienstleistern und Vermietern. Jeder Euro wird zweimal umgedreht. Austrian Airlines erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 2,1 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank allerdings auf nur noch auf 19 Millionen Euro. Bereits vor der Coronakrise hatte AUA-Chef Alexis von Hoensbroech angekündigt, zehn Prozent des Personals abbauen zu wollen.

    Die Maschinen der AUA werden vorerst weiter am Boden bleiben. Die Airline hat die Einstellung des Flugbetriebs bis zum 14. Juni verlängert. Wenn sich alles gut entwickelt, soll der Flugbetrieb schrittweise insbesondere mit Strecken zu wichtigen europäischen Hauptstädten und Osteuropa langsam wieder aufgenommen werden. Wie groß der Nachfragerückgang ausfallen wird, ist jedoch unklar. Bereits Ende April hatte die AUA angekündigt, ein Fünftel ihrer Flotte auch langfristig stillzulegen. Alle sieben Airbus A319 und drei der sechs Boeing 767 werden neben 18 Dash-Turboprop-Maschinen bis 2022 ausrangiert.

    Laudamotion wendet sich von Österreich ab

    Unterdessen wird sich Ryanair mit seiner Tochter Laudamotion ab 29. Mai komplett aus Österreich zurückziehen. Auslöser für die Entscheidung der Billigairline sind gescheiterte Tarifverhandlungen in Wien. Die Einzelgewerkschaft Vida ließ am Freitag ein Ultimatum von Laudamotion verstreichen. „Lauda bedauert zutiefst den Verlust von mehr als 300 Arbeitsplätzen für die A320-Besatzungen und die Schließung von Laudas A320-Basis in Wien“, teilte die zweitgrößte Fluggesellschaft Österreichs mit.

    Die Ryanair-Tochter hatte zuvor vergeblich Finanzminister Blümel um Hilfe geben, um zu einer Einigung mit der Gewerkschaft zu kommen. Tarifverhandlungen seien „Aufgabe der Sozialpartner, nicht der Regierung“, sagte der Kurz-Vertraute zur Erklärung.

    Die einst von der Formel 1-Legende und Luftfahrtunternehmer Niki Lauda gegründete Airline wollte ihre Personalkosten massiv senken. Laudamotion beschäftigte bislang 300 Mitarbeiter in der Alpenrepublik. Der Rückzug ist ein schwerer Schlag für den börsennotierten Flughafen Wien AG. Vorstandsdirektor Günther Ofner forderte am Freitag bereits eine Rückkehr an den Verhandlungstisch.

    Mehr: Wo über Staatsbeteiligungen an Airlines gestritten wird.

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