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Luftfahrt Russlands Airlines stehen harte Zeiten bevor

Steigende Treibstoffkosten und sinkende Ticketpreise setzen Russlands Airlines gewaltig zu. Selbst Branchenprimus Aeroflot bricht der Gewinn weg.
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Selbst dem staatlichen Marktführer Aeroflot brechen die Gewinne weg. Quelle: Reuters
Aeroflot-Jet

Selbst dem staatlichen Marktführer Aeroflot brechen die Gewinne weg.

(Foto: Reuters)

MoskauDas nennt man wohl anschwärzen: Andrej Kalmykow, der Chef der russischen Billigfluglinie „Pobeda“, ein Ableger der Staats-Airline Aeroflot, hat einen Beschwerdebrief an die russische Flugaufsicht geschrieben. Inhalt des Briefs ist Konkurrent Utair. Kalmykow verweist darauf, dass das Kapital der Fluggesellschaft negativ sei. Die finanziellen Reserven der Airline nennt er „unzureichend“.

Die Anzeige wurde bereits im November verfasst, aber erst jetzt bekannt. Unter anderem klagte der Pobeda-Chef darin: „Die Unzulänglichkeit bei den Finanzen stellt eine ernste Gefahr für die Sicherheit der Flüge dar und beinhaltet das hohe Risiko einer plötzlichen Einstellung des Flugverkehrs, was folglich zu einer massenhaften Verletzung von Passagierrechten führt, besonders vor dem Neujahrsansturm.“ Den Neujahrsverkehr hat Utair bewältigt, die Probleme allerdings sind seither nur noch größer geworden.

Hatte die Fluggesellschaft bereits Ende Dezember die Zahlungsfrist für einen Kredit über umgerechnet 250 Millionen Euro verstreichen lassen, so musste sich nun die Utair-Tochter „Finanz Avia“ ebenfalls bei einem Auszahlungstermin für Obligationsscheine für zahlungsunfähig erklären. Auf die Anleihe über 55 Millionen Euro wären 2,5 Millionen Euro Zinsen fällig gewesen. Das ist zwar eine relativ geringe Summe, aber folglich ein um so alarmierenderes Signal dafür, dass sich die Probleme weiter verschärfen.

Die Gläubiger von Utair haben zeitgleich eine Umstrukturierung der Kredite abgelehnt. Insgesamt ist die Fluggesellschaft – mit knapp acht Millionen Fluggästen 2018 die fünftgrößte des Landes – mit Krediten im Wert von gut 800 Millionen Euro belastet.

Zum Teil hat sich Utair, die auch Flüge nach Deutschland anbietet, die finanziellen Probleme selbst zuzuschreiben. Das Unternehmen, das zu den Billiganbietern in Russland zählt, hat versucht, mit aggressiver Preispolitik Marktanteile zu gewinnen.

Andererseits ist der Markt in Russland hart umkämpft, auch die Konkurrenz ringt mit Angeboten um jeden Fluggast. Angesichts der sinkenden Kaufkraft der Russen und der deutlich gestiegenen Kerosinpreise sind daher eine ganze Reihe von Anbietern an den Grenzen ihrer Möglichkeiten angelangt.

Auch die Konkurrenz hat schwer mit den Turbulenzen zu kämpfen. Ural Airlines, Nummer vier in Russland, hat aus Kostengründen ab 1. Februar die Bordverpflegung eingestellt, die Fluggesellschaft Pobeda alle internationalen Flüge aus St. Petersburg, darunter auch nach Köln – hier werden Schwierigkeiten mit den Sicherheitsbehörden, die zu Verzögerungen und vermehrten Kosten führten, als Ursache genannt.

Teurer Sprit, mehr Konkurrenz

Wie groß die Probleme der Branche sind, verdeutlichen die jüngsten Aeroflot-Zahlen. Das mehrheitlich staatliche Unternehmen besitzt in Russland eine dominierende Position und profitiert zudem von den Millionenzahlungen (insgesamt ein dreistelliger Millionenbetrag) ausländischer Fluggesellschaften für die Überflugrechte über Sibirien. Dennoch brach der Gewinn 2018 auf umgerechnet 37 Millionen Euro ein – weniger als ein Zehntel des Vorjahresergebnisses.

„Marktfaktoren haben einen bedeutenden Einfluss auf das Jahresergebnis gehabt, insbesondere im vierten Quartal, in dem der Druck auf den Gewinn neben den hohen Treibstoffpreisen noch durch die sich verstärkende Konkurrenz auf dem Luftfahrtmarkt erhöht wurde“, begründete Aeroflot die schwachen Zahlen.

Luftfahrtanalyst Michail Ganelin von der Consultingagentur Aton sieht ebenfalls die hohen Treibstoffpreise als Problem. Seinen Angaben nach haben nur drastische Kostensenkungen beim Marketing, steigende Ticketpreise und der Verkauf einiger Flugzeuge Aeroflot davor bewahrt, ins Minus abzurutschen.

Angesichts dieser Tendenzen droht immer mehr eine Wiederholung des Szenarios von 2015. Auch damals hatte ein Preiskampf viele Unternehmen an den Abgrund gedrängt. Am Ende ging mit Transaero die zweitgrößte russische Fluggesellschaft – Codesharing-Partner der Austrian Airlines – pleite, woraufhin der Markt sich anschließend kurzzeitig erholte.

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