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Luftfahrt Ryanair schließt die Basis in Düsseldorf – 200 Mitarbeiter werden entlassen

Der Flughafen Düsseldorf und Ryanair konnten sich nicht auf neue Konditionen einigen. Jetzt werden Flüge gestrichen. Kunden sollen Rückerstattungen erhalten.
10.09.2020 Update: 10.09.2020 - 13:48 Uhr 2 Kommentare
Die Basis des Billigfliegers in der nordrhein-westfälischen Hauptstadt wird geschlossen. Quelle: dpa
Ryanair-Jet in Düsseldorf

Die Basis des Billigfliegers in der nordrhein-westfälischen Hauptstadt wird geschlossen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die irische Fluggesellschaft Ryanair schließt ihre Basis in Düsseldorf. Das teilte das Management am Donnerstagvormittag mit. Sieben Jets werden abgezogen, 200 Mitarbeiter sind betroffen.

Das Aus kommt mit dem Ende des Sommerflugplans am 24. Oktober. Alle Ryanair-Flüge von und nach Düsseldorf nach diesem Datum würden gestrichen, die Passagiere in den kommenden Tagen volle Rückerstattungen erhalten, heißt es in der Mitteilung.

Das Management der Airline hat die Schuldigen für die Entscheidung bereits ausgemacht. Die Schließung sei ein direktes Resultat der Weigerung des Düsseldorfer Flughafens, seine sehr hohen Gebühren aufgrund der Covid-19-Krise zu senken sowie einer kürzlichen Forderung des Monopol-Abfertigers Acciona nach einer sofortigen Preiserhöhung um 30 Prozent, heißt es in der Mitteilung.

Die Airline habe drastische Nachlässe in der Bezahlung ihrer Flughafen-Entgelte gefordert, heißt es beim Flughafen Düsseldorf. „Diesem Wunsch konnten wir nicht nachkommen, da es sich nicht um frei verhandelbare Preise, sondern um behördlich festgesetzte Entgelte handelt, die bei allen in Düsseldorf operierenden Airlines zur Anwendung kommen.“

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    „Wir sind enttäuscht, die Schließung unserer Düsseldorfer Basis Ende Oktober bekanntzugeben, aber wir haben während der aktuellen Covid-Pandemie keine Alternative als Reaktion auf eine unerhörte Forderung des Abfertigungsunternehmens Acciona (…) und auf die Weigerung des Düsseldorfer Flughafens (...)“, wird Jason McGuinness, Commercial Director bei Ryanair, zitiert.

    Gleichzeitig nutzt die Ryanair-Spitze die Entscheidung dazu, erneut gegen die Staatshilfe für Lufthansa zu Felde zu ziehen. „Der Wettbewerb auf dem deutschen Markt wurde durch staatliche Beihilfen in Höhe von neun Milliarden Euro für die Lufthansa massiv verzerrt, während gleichzeitig die deutsche Regierung ihre Luftverkehrsabgabe erhöht und ihre Monopolflughäfen sich weigern, ihre sehr hohen und nicht wettbewerbsfähigen Gebühren zu senken“, erklärte McGuinness weiter.

    Weder Ryanair noch die Tochter Laudamotion – sie fliegt in Düsseldorf – könnten die unvermeidbaren Verluste tragen. Die Gebühren und Steuern würden in Düsseldorf mehr als 40 Euro pro abfliegendem Passagier betragen.

    Ryanair will die Kosten mit aller Macht senken

    Doch das dürfte wohl nur ein Teil der ganzen Wahrheit sein. Ryanair hatte vor mehreren Wochen bereits mit der Schließung mehrerer Standorte in Deutschland gedroht. Damals zielte das vor allem auf die Arbeitnehmervertreter. So gestalteten sich die Verhandlungen mit der Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit (VC) über Sparmaßnahmen schwierig. Verdi wiederum hatte Ende August das Angebot der Airline für die Kabinenmitarbeiter als nicht akzeptabel abgelehnt.

    Seit mehreren Wochen soll es laut VC aber eine Einigung über das Sparpaket geben. Dennoch – so klagte die Gewerkschaft kürzlich – habe Ryanair bis dato keine Zusagen gemacht, was die Sicherheit der Arbeitsplätze angehe. Nun bestätigen sich die Befürchtungen der Arbeitnehmervertreter. Allen 200 Piloten und Flugbegleitern wurde am Donnerstag mitgeteilt, dass sie die Kündigung erhalten.

    Das Beispiel Düsseldorf zeigt, wie Ryanair mit aller Macht versucht, die Kosten noch einmal drastisch zu senken. Nur dann kann die Strategie aufgehen, mit der das Management erfolgreich aus der aktuellen Branchenkrise kommen will: mit Kampfpreisen den Markt sichern und sogar weiter ausbauen.

    Vor wenigen Tagen lockte die Airline zum Beispiel mit einer Million Fünf-Euro-Tickets. Dann folgte ein 50-prozentiger Rabatt für 750.000 Sitze auf Flüge im September und Oktober. Weil aber auch Ryanair nicht weiß, wie schnell sich der Luftverkehr erholen wird und wie die Kunden auf solche Angebote anspringen, müssen die Kosten runter.

    Wo das nicht funktioniert und wo angeblich jetzt in Düsseldorf ein profitabler Flugbetrieb nicht möglich ist, wird dichtgemacht. Vor wenigen Wochen wurde bereits die Basis in Stuttgart geschlossen.

    Das Beispiel zeigt zugleich das Dilemma der Flughäfen. Wie den Airlines fehlen auch den Airports wegen der Pandemiefolgen die Einnahmen. Der Flughafen Paderborn etwa hat vor einigen Tagen deshalb selbst eine Insolvenz in Eigenregie ins Gespräch gebracht. Es dürfte lange dauern, bis sich die Flughäfen von der Krise wieder erholt haben. Denn nicht nur Ryanair dürfte Gebührennachlässe fordern, alle Fluggesellschaften werden das machen.

    Mehr: Regionalairports in der Krise

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    2 Kommentare zu "Luftfahrt: Ryanair schließt die Basis in Düsseldorf – 200 Mitarbeiter werden entlassen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Für mich sind die nicht seriös - mit denen bin ich noch nicht geflogen und werde es auch nicht tun.

    • Da sich Ryanair dieser Tage auffällig oft auf das Wettbewerbsrecht bezieht: Wie ist denn der aktuelle Stand bei den diversen Beihilfeverfahren gegen Ryanair in puncto Regionalflughäfen?

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